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Familie McCann schaltet Anwälte ein:Webportal wirbt mit Maddie für verbilligte Reisen

Die Dreijährige trägt Zöpfchen und Sonnenhütchen und lacht fröhlich in die Kamera: Mit einem der letzten Fotos von Madeleine McCann wirbt ein Rabattportal für verbilligte Reisen. Ob sich ein Mitarbeiter des Online-Dienstleisters einen Scherz erlaubte oder die Webseite gehackt wurde, ist unklar. Für Maddies Eltern spielt das keine Rolle - sie haben ihre Anwälte eingeschaltet.

Fünf Jahre nach ihrem Verschwinden ist Madeleine McCann in der Öffentlichkeit präsenter denn je. Die britischen Behörden rollen den prominentesten Vermisstenfall Europas seit einigen Monaten wieder auf, kürzlich veröffentlichte Scotland Yard ein neues Fahndungsbild von Maddie. Es zeigt, wie das blonde Mädchen heute, mit neun Jahren, aussehen könnte. Für die Alterssimulation wurde eigens eine bekannte britische Zeichnerin engagiert, deren Arbeiten auf diesem Gebiet auch schon in Hochglanzmagazinen abgedruckt wurden. Fast noch spektakulärer als das Fahndungsfoto war aber die Aussage der Polizei, man glaube, "dass die Möglichkeit besteht, dass Madeleine noch am Leben ist."

Anzeige auf VoucherDigg.co.uk mit Foto von madeleine McCann

Geschmackloser Scherz eines Mitarbeiters oder gar Folge eines Hacker-Angriffs? Mit einem Foto von Madeleine McCann hat das britische Rabattportal VoucherDigg.co.uk für verbilligte Reisen geworben.

(Foto: VoucherDigg.co.uk)

Doch so positiv die Familie McCann diese Einschätzung aufgenommen haben dürfte, es gibt in diesen Tagen auch öffentliche Äußerungen zu dem Fall, die an Zynismus kaum zu überbieten sind. So wirbt ein britisches Rabattportal mit einem Foto des Mädchens für verbilligte Reisen. Als Maddie am 3. Mai 2007 spurlos verschwand, machte sie gerade mit ihren Eltern Urlaub in einer Ferienanlage im portugiesischen Praia da Luz.

Der Coupon-Dienst VoucherDigg.co.uk benutzt eine der letzten Aufnahmen des Kindes - die damals knapp Vierjährige, mit blonden Rattenschwänzen und hellrosa Sonnenhut, lacht in die Kamera - zur Bebilderung eines Rabattangebots von lowcostholidays.com. Wer bei der Buchung einer Reise im Wert von mindestens 400 Pfund (knapp 500 Euro) einen angegeben Code verwendet, bekommt einen Preisnachlass von 20 Pfund (knapp 25 Euro). "Beeilen Sie sich, das Angebot ist zeitlich begrenzt", heißt es in der Beschreibung. "Packen Sie Ihre Lieben ein und genießen Sie das Leben."

"Das Bild muss sofort entfernt werden"

Wie das geschmacklose Angebot zustande kam - ob das Portal gehackt wurde, sich ein Mitarbeiter einen schlechten Scherz erlaubte oder das Foto aus Unwissenheit eingestellt wurde - ist nicht bekannt. Als "entsetzlich taktlos" bezeichnete ein Sprecher der Familie McCann der Daily Mail zufolge die Anzeige. "Unabhängig davon, ob es das Resultat eines Hacker-Angriffs oder ein Versehen ist, das Bild muss sofort entfernt werden." Maddies Eltern wollen nun juristisch gegen die Verwendung des Fotos vorgehen und haben dafür bereits eine Londoner Kanzlei beauftragt.

Unterdessen berichtet das Boulevardblatt Sun, britische Ermittler verfolgten eine neue Spur, wonach Maddie Tage nach ihrem Verschwinden noch einmal auf einem Campingplatz an der Costa del Sol gesehen wurde, wenige Autostunden vom Feriendomizil der McCanns entfernt. Eine Urlauberin will ein blondes Mädchen, das große Ähnlichkeit mit der kleinen Britin hatte, in Begleitung einer Familie beobachtet haben.

Die fünfköpfige Familie war den Angaben zufolge mit einem Wohnmobil der Marke Mercedes mit deutschem Kennzeichen unterwegs. Der Vater soll auf dem Campingplatz außerdem mit einem deutschen Namen eingecheckt haben. Dem Bericht zufolge hatte die Familie zunächst nur zwei Kinder angemeldet, bei der Ankunft dann jedoch ein drittes Kind bei sich. Die Zeitung schreibt unter Berufung auf die Zeugin, das Mädchen hätte einen betäubten Eindruck gemacht und seiner Familie entfremdet gewirkt. Es habe keine Ähnlichkeit mit den beiden anderen Kindern des Paares gehabt.

Update: Noch am Dienstagmorgen war das genannte Angebot bei VoucherDigg.co.uk zu finden, seit dem Nachmittag ist der Link jedoch nicht mehr erreichbar.

© Süddeutsche.de/jobr/leja

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