Falsche Formel am BodenseeWenn die Chemie nicht stimmt

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In ganz Deutschland warb Konstanz als "Die Stadt am H2O" - allerdings war auf den Plakaten nicht die chemische Strukturformel von Wasser, sondern die von Formaldehyd zu sehen.

Bernd Dörries

Städte sind heute nicht mehr einfach eine Ansammlung von Häusern, in denen die Menschen wohnen. Städte sind Events, ein permanentes Happening, der ständige Wahnsinn. Bei gleichzeitig hoher Lebensqualität, Ruhe und Sicherheit. Nach Ansicht von Stadtmarketing-Menschen, die seit ein paar Jahren stärker in Erscheinung treten, sind Städte in einem andauernden Wettkampf um die besten Bewohner.

In ganz Deutschland warb Konstanz mit den Plakaten - auf der allerdings eine falsche Formel zu sehen war.
In ganz Deutschland warb Konstanz mit den Plakaten - auf der allerdings eine falsche Formel zu sehen war. Foto: S. Berndt

So wie Banken ständig um die besten Banker kämpfen. Wo das hinführt bei den Banken, weiß man nun. Die machen dennoch einfach weiter und haben den Vorteil, bei Bankern, die sie wollen, einfach mehr zu bezahlen als die anderen. Städte können neuen Einwohnern kein Geld bezahlen, das wäre gegen das Gesetz. Darum machen sie Werbung.

Konstanz war bisher eine Stadt am Bodensee. Das reichte dem Stadtmarketing dort nicht, aus Konstanz wurde "Die Stadt am H2O", so wie aus Mannheim, der Quadratestadt, "Mannheim2" geworden war. Die Mannheimer konnten mit ihrer Formel nicht viel falsch machen, die Konstanzer schon. Sie zeichneten den See auf großen Plakaten mit der chemischen Strukturformel nach.

Künstlerische Freiheit

2500 Mal wurde so in Deutschland für Konstanz geworben. Einem Chemiker fiel schließlich auf, dass die Formel Formaldehyd ergibt und nicht Wasser.

Die Schöpfer der Kampagne beriefen sich auf die künstlerische Freiheit, die Chemiker darauf, dass es einen Unterschied mache, ob man Wasser trinke oder Formaldehyd einatme, ein giftiges Gas. Am Ende wurden die Plakate abgehängt.

Der Bodensee selbst ist von der Affäre nicht betroffen, Millionen Menschen in Baden-Württemberg trinken sein Wasser, das sauber ist wie nie. In den vergangen Jahrzehnten wurden so viele Kläranlagen gebaut, dass die Berufsfischer finden, er könnte durchaus etwas dreckiger sein.

Es gibt kaum noch Fische im See, weil es kaum noch Plankton gibt. Formaldehyd würde da aber auch nicht helfen, der See bräuchte mehr Stickstoff.

© SZ vom 28.08.2009 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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