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Skandal um teure Bischofsresidenz in Limburg:Gänswein nimmt Tebartz in Schutz

Wie geht es weiter mit Franz-Peter Tebartz-van Elst? Nachdem der Prüfbericht zu exorbitant gestiegenen Kosten beim Bau der Bischofsresidenz vorliegt, liegt die Entscheidung jetzt beim Vatikan. Papstsekretär Gänswein nimmt den suspendierten Bischof in einem TV-Interview in Schutz.

Es ist die Grundlage, auf der Papst Franziskus über die Zukunft des Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst entscheiden soll: Eine Prüfbericht, der klären soll, wie es zu den exorbitanten Kostensteigerungen beim Bau des Bischofssitzes auf dem Domberg kommen konnte.

Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, hatte den Prüfbericht, der von einer von der Bischofskonferenz eingesetzten Kommission verfasst wurde, am Montag an den Vatikan übergeben. Die Prüfer zeichnen laut Zollitsch ein "objektives Bild" der Abläufe in Limburg.

Der Bericht geht jetzt an die Bischofskongregation im Vatikan zur Beratung. Dem Vernehmen nach hat auch Tebartz-van Elst den Bericht seit einigen Tagen vorliegen. Irgendwann soll er auch veröffentlicht werden; wann genau, ist derzeit nicht absehbar.

Schon vor zwei Wochen hatte die SZ berichtet, dass in dem Bericht offenbar keine strafrechtlich relevanten Vorwürfe zusammengetragen sind. Allerdings soll der Bericht Tebartz und die Führungsriege des Limburger Bistums schwer belasten. S o soll der Bischof unter anderem Geld aus einer mildtätigen Stiftung zweckentfremdet haben, um die tatsächlichen Kosten für den Neubau seiner Residenz zu verschleiern.

Im Oktober vergangenen Jahres war bekannt geworden, dass der Neubau mindestens 31 Millionen Euro kosten soll, ursprünglich geplant waren fünf Millionen. Die Prüfkommision hatte daraufhin ihre Arbeit aufgenommen. Insgesamt achtmal kamen die Mitglieder der Kommission zusammen, um nach Gründen zu suchen, warum die Kosten derart in die Höhe geschnellt sind. Dabei ging es auch um die Frage, seit wann die Bischofsleitung von den tatsächlichen Summen gewusst hat.

Unterstützung von Papstsekretär Gänswein

Der suspendierte Bischof bekommt unterdessen Unterstützung aus dem Vatikan. Tebartz van Elst sei "in vielen, vielen Punkten einfach Unrecht geschehen", sagte der deutsche Papst-Sekretär, Erzbischof Georg Gänswein, im Bayerischen Rundfunk.

Gänswein kritisierte ein verzerrtes öffentliches Bild über Tebartz-van Elst und dessen Rolle bei der Kostenexplosion beim Bau seines Bischofssitzes. "Wenn das, was zu lesen war in Bezug auf die Person, auf das, was er getan hat, Realität wäre, müsste man sagen, es ist ein Unmensch in jeder Hinsicht. Aber da ist die virtuelle Realität von der konkreten Realität doch sehr unterschiedlich", sagte Gänswein.

Er wolle keine Presseschelte anstellen, aber Tebartz-van Elst sei in vielen Punkten Unrecht geschehen. "Das ist nicht zu akzeptieren. Da muss man auch den Mut haben, sich dagegen zu stellen und zu sagen, also das hat dieser Mann nicht verdient," sagte Gänswein, der sowohl für den emeritierten Papst Benedikt XVI. als auch für Papst Franziskus als Privatsekretär arbeitet.

In dem Skandal hatten sich schon vor den Äußerungen Gänsweins unterschiedliche Sichtweisen zwischen dem Vatikan und der deutschen Bischofskonferenz gezeigt. Während in der Bischofskonferenz mehrere Bischöfe eine Rückkehr von Tebartz-van Elst wegen des beschädigten Vertrauensverhältnisses zu den Gläubigen seines Bistums als unrealistisch bezeichneten, hatte der Präfekt der Glaubenskongregation, der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller, von einer Medienkampagne gesprochen.

Diese Vorwürfe wiederholte Müller jetzt noch einmal. Dem derzeit beurlaubten Bischof sei nichts an Verfehlungen nachzuweisen, was das Bischofsamt unmöglich machen würde, sagte Müller der ARD in Rom. Die Entscheidung werde unabhängig von der Stimmungslage in Deutschland fallen, sagte Müller. Weder Papst Franziskus noch die Bischofskongregation ließen sich instrumentalisieren.

Bischofskonferenzvorsitzender Zollitsch hatte zuletzt gesagt, er rechne nicht damit, dass vor der Frühjahrs-Vollversammlung der Bischofskonferenz über die Zukunft von Tebartz-van Elst entschieden wird. Die deutschen Bischöfe kommen in der kommenden Woche in Münster zusammen.