Fall Rebecca Schwager kommt frei

Rebecca wird noch immer vermisst.

(Foto: Christoph Soeder/dpa)

Der 27-Jährige wurde wegen Zweifels am dringenden Tatverdacht des Totschlags aus der U-Haft entlassen. Die Polzei sucht weiter nach der Leiche.

Von Jacqueline Lang

Im Fall der seit einem Monat vermissten 15-jährigen Rebecca aus Berlin ist der Haftbefehl gegen ihren Schwager aufgehoben worden. Grund dafür seien Zweifel eines Ermittlungsrichters am dringenden Tatverdacht des Totschlags, teilte die Staatsanwaltschaft am Freitag in Berlin mit. Der 27-Jährige wurde aus der Untersuchungshaft entlassen, steht aber immer noch unter Verdacht. "Er ist weiterhin Beschuldigter des Verfahrens", sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Die Anwältin des Mannes hatte bereits Mitte vergangener Woche Beschwerde gegen seine Inhaftierung eingelegt. Die Generalstaatsanwaltschaft teilte mit, dass sie gegen die Freilassung keine Beschwerde einreichen werde. "Die Entscheidung des Ermittlungsrichters ist im Hinblick auf die gegenwärtig bestehende Beweislage vertretbar", heißt es dazu in einer Pressemitteilung. Die Staatsanwaltschaft erklärte, es gehe um die Verhältnismäßigkeit zwischen der Schwere der Tat, der Dauer der Untersuchungshaft und der Beweislage. Neue Erkenntnisse würden zum jetzigen Zeitpunkt jedoch nicht vorliegen.

Der Schwager Rebeccas ist bereits zwei Mal von der Polizei festgenommen worden. Nachdem er nach seiner ersten Verhaftung am 28. Februar schon wenige Tage später frei gekommen war, saß er nach der zweiten Inhaftierung am 4. März nun knapp drei Wochen in der Justizvollzugsanstalt Moabit.

Kurze Zeit nach der zweiten Verhaftung hatten Polizei und Staatsanwaltschaft bekannt gegeben, dass eine Überwachungsanlage den himbeerfarbenen Twingo des Schwagers am Tag von Rebeccas Verschwinden sowie am Tag danach auf der Autobahn A 12 zwischen Berlin und Frankfurt an der Oder erfasst habe. Nach bisherigen Erkenntnissen war er der Einzige, der zum Tatzeitpunkt Zugriff auf das Auto hatte.

Die Daten waren im Fall Rebecca offenbar hilfreich, doch ob sie überhaupt gespeichert hätten werden dürfen, ist noch unklar. Denn: Zum Zeitpunkt der Überwachung war der Schwager noch gar nicht verdächtig.

Seit dem Bekanntwerden der Informationen sucht die Polizei trotzdem verstärkt im Raum Brandenburg nach der Vermissten. Die Ermittler gehen mittlerweile davon aus, dass Rebecca das Haus ihrer Schwester nicht selbständig verlassen hat. Der Schwager war der Einzige, der sich mit ihr im Haus aufhielt. Die Polizei suchte zunächst ein Waldstück in der Nähe von Storkow ab, später bekam sie bei der Durchsuchung eines Waldstücks bei Rieplos Unterstützung vom Technischen Hilfswerk. Erfolglos.

Wenige Tage später nahm die Polizei erneut die Suche entlang der Autobahn zwischen Berlin und der Grenze zu Polen auf. An einer Abfahrt nahe der Stadt Fürstenwalde nahmen Spürhunde offenbar eine Spur auf, die zum Scharmützelsee führte. Daran, die 15-Jährige noch lebend zu finden, glaubt die Berliner Mordkommission nicht mehr. Trotzdem sucht sie weiter intensiv nach der Vermissten. Seit mehreren Tagen sind die Ermittler der Mordkommission nun am Wolziger See, südlich der A 12, auf der Suche nach Rebecca. Die Polizei hat den Grund des Sees bereits mit einem Echolot abgesucht, Taucher waren im Einsatz. Doch Rebeccas Leiche haben sie noch nicht gefunden.