Fall Maddie: J. K. Rowling hilft Schreibtipps für Maddies Mutter

Die Mutter des in Portugal verschwundenen Mädchens Maddie hat ein Buch geschrieben - und dabei prominente Unterstützung erhalten: "Harry Potter"-Autorin J. K. Rowling soll ihr Schreibtipps gegeben haben.

Von Wolfgang Koydl, London

Schön wäre es ja gewesen, wenn auch eben zu schön, um wahr zu sein: Die bekannteste britische Schriftstellerin Großbritanniens der letzten Jahre schreibt ein Buch über den wahrscheinlich bekanntesten britischen Kriminalfall der letzten Jahre.

Schreibtipps für Maddies Eltern: Joanne K. Rowling hat der Mutter des verschwundenen britischen Mädchens Madeleine McCann beim Schreiben ihres Buches geholfen.

(Foto: dpa)

Pures verlegerisches Gold wäre das gewesen, in etwa so, als ob Andrew Lloyd-Webber die bevorstehende royale Hochzeit von Prinz William und der Bürgerlichen Catherine Middleton als Musical vertonen würde. Aber J. K. Rowling, die Erfinderin von Harry Potter und Hogwarts, hat in Wirklichkeit keine Zeile über das Verschwinden der kleinen Madeleine "Maddie" McCann geschrieben, die vor vier Jahren unter bis heute ungeklärten Umständen aus einer Ferienwohnung in Portugal verschwand. Am 12. Mai, dem achten Geburtstag des Mädchens, erscheint in London zwar tatsächlich ein Buch über ihren Fall. Aber es stammt aus der Feder ihrer Mutter Kate - wenn auch, wie ungenannte Vertraute munkeln, mit ein klein wenig Hilfe von Rowling. Sie habe Kate McCann wichtige Schreibtipps gegeben.

Jeder Penny für die Suche nach Madeleine

Wesentlich wertvoller freilich dürfte der Kontakt gewesen sein, den die Bestseller-Schriftstellerin zwischen Kate McCann und ihrem Agenten Christopher Little vermittelte. Er handelte den Deal für das Buch aus, von dem sich die Eltern McCann und der Transworld- Verlag Einnahmen in Höhe von einer Million Pfund erhoffen. Der Erlös soll, so versicherte Kate McCann, in den Madeleine-Fonds fließen, aus dem die Eltern seit dem Verschwinden ihrer Tochter am 3. Mai 2007 in einer Ferienanlage in Praia da Luz an der Algarve die Suche finanzieren. Das meiste Geld geht dabei offensichtlich an zwei Privatdetektive, die auch noch den abwegigsten und unwahrscheinlichsten Hinweisen auf Maddie-Sichtungen nachgehen.

Geldmangel war es in erster Linie gewesen, der Kate und Gerry McCann den "sehr schwierigen Entschluss" fassen ließ, ein Buch über Madeleine zu schreiben. Denn die im Fonds zur Verfügung stehende Summe ist im Laufe der Jahre von ursprünglich einer Million auf 200.000 Pfund geschrumpft. "Jeder Penny, den wir mit dem Buch einnehmen, wird für die Suche nach Madeleine aufgewendet", erklärte die Mutter in einem raren Interview. "Nichts ist wichtiger, als unser kleines Mädchen zu finden." Die McCanns sind überzeugt, dass ihre Tochter entführt wurde.

Die portugiesische Polizei vertritt hingegen mittlerweile die Ansicht, dass Madeleine in der Ferienwohnung zu Tode kam und die Eltern die Leiche beseitigten. Diese These war auch Inhalt des Buches, das der frühere Chefermittler Goncalo Amaral geschrieben hatte. Gerry und Kate McCann hatten versucht, die Veröffentlichung dieses Buches zu verhindern, weil es ihren Schmerz vertiefe und die Suche nach Maddie erschwere.