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Fall Kalinka:Anwalt erhebt schwere Vorwürfe

Ein "massiver Verstoß gegen europäische Rechtsvorschriften": Der Berliner Anwalt des entführten Arztes Dieter K. greift die französische Justiz an.

Nach der Verhaftung des ins Elsass entführten Arztes Dieter K. hat der Berliner Anwalt Nicolas Becker Frankreich einen "massiven Verstoß gegen europäische Rechtsvorschriften" vorgeworfen. Der Anwalt von K.s Tochter forderte die Bundesregierung auf, sich bei den französischen Behörden für die sofortige Freilassung des 74 Jahre alten Mediziners einzusetzen.

Das deutsche Ermittlungsverfahren gegen Dieter K. wegen der vermeintlichen Tötung seiner 14-jährigen Stieftochter Kalinka Bamberski sei eingestellt worden, betonte Becker. Die französische Justiz verstoße gegen das Verbot der doppelten Strafverfolgung.

K. war am Wochenende gewaltsam von Bayern nach Frankreich verschleppt worden. Der leibliche Vater Kalinkas hat gestanden, die Entführung in Auftrag gegeben zu haben.

Keine sofortige Freilassung beantragt

Deutschland stellte nach Angaben des Auswärtigen Amts bei den französischen Behörden einen Antrag auf konsularischen Zugang zu dem in Paris inhaftierten Arzt. Eine sofortige Freilassung sei nicht beantragt worden.

K. droht ein weiterer Prozess in Frankreich, nachdem das erste Verfahren gegen ihn vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte aus formalen Gründen für unzulässig erklärt worden war.

K. war am Sonntag gefesselt und geknebelt vor einem Gerichtsgebäude im ostfranzösischen Mülhausen gefunden worden. Er war 1995 in Paris in Abwesenheit zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Dem Kardiologen wurde vorgeworfen, Kalinka 1982 eine tödliche Spritze verabreicht zu haben. K. musste seine Strafe aber nie antreten, weil Deutschland ihn nicht an Frankreich auslieferte. Der Vater von Kalinka hat gestanden, die Entführung veranlasst zu haben.