Fall Georgine Krüger Verdeckter Ermittler liefert entscheidenden Hinweis

  • Im Fall der vor zwölf Jahren in Berlin verschwundenen Georgine Krüger ist ein dringend tatverdächtiger Mann festgenommen worden.
  • Dem 43-Jährigen wird vorgeworfen, die damals 14-Jährige missbraucht und getötet zu haben.
  • Nun stellt sich auch die Frage, warum bis zur Festnahme so viel Zeit verging.
Von Verena Mayer, Berlin

Die Bushaltestelle, an der Georgine Krüger im Jahr 2006 verschwand, liegt mitten in Berlin. An einer belebten und viel befahrenen Straße im Stadtteil Moabit. Es war ein Nachmittag im September, Georgine Krüger war gerade auf dem Heimweg von der Schule, zweihundert Meter weiter wartete ihre Mutter mit dem Mittagessen auf sie. Doch das 14-jährige Mädchen kam nie zu Hause an. Seit sie aus dem Bus stieg, fehlt von ihr jede Spur. Wie kann eine Jugendliche am helllichten Tag verschwinden, einfach so, ohne dass irgendjemand etwas bemerkt?

Zwölf Jahre später gibt es nun eine Antwort auf die Frage, die nicht nur in Berlin viele Menschen verstört hat. Die Berliner Polizei hat am Dienstagmorgen einen 43-jährigen Mann verhaftet, der dringend verdächtig ist, Georgine Krüger ermordet zu haben. Der Mann, der in der Nähe der Bushaltestelle wohnt, soll das Mädchen an jenem Septembernachmittag unter einem Vorwand in seinen Keller gelockt, dort missbraucht und noch am selben Tag getötet haben. Die Leiche des Mädchens wurde bislang nicht gefunden.

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Das Landgericht Gera spricht den 66-Jährigen des Mordes schuldig. Demnach hat er das zehnjährige Mädchen im Sommer 1991 zunächst entführt und dann von einer 48 Meter hohen Brücke gestoßen.

Es ist der Durchbruch in einem der rätselhaftesten Vermisstenfälle Deutschlands. Jahre lang sind die Ermittler den unterschiedlichsten Spuren nachgegangen. Sie haben Hunderte Hinweise verfolgt, Personenspürhunde eingesetzt, das Verschwinden des Mädchens wurde in Aktenzeichen XY behandelt. Ein Ermittler war immer auf den Fall angesetzt und in engem Kontakt mit den Angehörigen, die schon früh befürchteten, dass Georgine etwas zugestoßen sein musste. Erst vor einigen Monaten sorgten zwei anonyme Anrufe bei der Polizei für Aufsehen: Darin behauptete ein Mann, den Ort zu kennen, an dem Georgines Leiche zu finden sei, ein Waldstück im brandenburgischen Havelland. Die Polizei sperrte daraufhin ein rund 5000 Quadratmeter großes Gelände ab, ließ die Erde lockern, um Gerüche freizusetzen, und ging mit Spürhunden und Drohnen durch den Wald. Vergeblich, genauso wie der Versuch, den Anrufer zu identifizieren.

Den entscheidenden Hinweis habe ein verdeckter Ermittler geliefert, sagt der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, nun. Dieser war auf den 43-Jährigen angesetzt, in einem Gespräch habe der Verdächtige schließlich Angaben gemacht, die ihn belasteten. Bei der Auswertung von Funkzellendaten stellte die Polizei zudem fest, dass seines und Georgines Handy am Tattag im September 2006 in räumlicher Nähe gewesen sein müssen.

Wieso verging so viel Zeit bis zur Festnahme?

"Ein großer Ermittlungserfolg", sagte Staatsanwalt Steltner am Dienstagnachmittag bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz auf den Treppen des Berliner Kriminalgerichts, das nur wenige Straßen vom Tatort entfernt liegt. Doch der Erfolg wirft auch Fragen auf. Zum Beispiel, warum es so lange gedauert hat, den Täter zu verhaften. Denn dieser hatte sich bereits verdächtig gemacht, als er während der Suche nach Georgine als Zeuge befragt worden war. Obwohl er in unmittelbarer Nähe von Georgine und ihrer Mutter lebt, behauptete er, das Mädchen noch nie gesehen zu haben. Zudem soll offenkundig gewesen sein, dass er eine Vorliebe für Minderjährige habe, die seit 2012 sogar amtsbekannt ist. Da wurde der Mann vom Amtsgericht Tiergarten verurteilt, nachdem er einer 17-Jährigen aufgelauert, sie zu sich gelockt und versucht hatte, sie zu missbrauchen - in demselben Keller, in dem auch Georgine getötet worden sein soll.

Zu vielen offenen Fragen könne er nichts sagen, so Steltner. Nur, dass der Mann insgesamt "eher unauffällig" gewesen sei.

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Die damals 14-jährige Georgine Krüger verschwand 2006 im Berliner Stadtteil Moabit. Dem festgenommenen 43-Jährigen wird vorgeworfen, das Mädchen in einen Keller gelockt und dort getötet zu haben.