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Fall der ermordeten Studentin Meredith Kercher:"Ungereimtheiten" in den Aussagen von Knox

Amanda Knox (hier ein Archivbild aus dem Jahr 2011) wartet in den USA auf das finale Urteil in ihrem Fall.

(Foto: AFP)

Sie werden beschuldigt, gemeinsam eine britische Studentin getötet zu haben. Bisher war die Verteidigungsstrategie von Amanda Knox und Raffaele Sollecito eng aufeinander abgestimmt. Doch jetzt hat er auf Widersprüche in den Aussagen seiner Ex-Freundin hingewiesen.

Sie stehen beide im Verdacht für eines der spektakulärsten und noch immer nicht aufgeklärten Verbrechen in der italienischen Justizgeschichte verantwortlich zu sein: Amanda Knox und Raffaele Sollecito. Gemeinsam sollen die beiden, die damals noch ein Paar waren, für den Tod der britischen Studentin Meredith Kercher verantwortlich sein, die am 1. November 2007 in der Stadt Perugia ermordet wurde.

Im Dezember 2009 wurden Knox und Sollecito in erster Instanz verurteilt - der Anfang eines jahrelangen Rechtsstreits, der bis heute nicht beendet ist. 2011 wurde das erste Urteil aufgehoben und Knox und Sollecito freigesprochen. Zwei Jahre später kassierte Italiens höchstes Gericht diesen Freispruch wieder.

Zu viele Mängel, zu viele Widersprüche - urteilten die Richter damals und verwiesen den Fall an ein Berufungsgericht. Das fällte sein Urteil im Januar dieses Jahres: 28,5 Jahre Haft für Knox und 25 Jahre Haft für Sollecito. Gegen dieses Urteil haben die Anwälte der beiden Angeklagten Berufung eingelegt, so dass nun das Appellationsgericht in Florenz endgültig über die Schuld der beiden Angeklagten und das Strafmaß entscheiden muss.

Bisher war die Verteidigigungsstrategie von Knox und Sollecito eng aufeinander abgestimmt. Beide beteuerten ihre Unschuld. Beide wollen in der betreffenden Nacht nicht in der Nähe der Wohnung gewesen sein, die Kercher und Knox gemeinsam bewohnten. Und beide sagten aus, dass sie zur Tatzeit - laut Gerichtsmedizin zwischen 20.30 Uhr und 23 Uhr - gemeinsam in Sollecitos Wohnung gewesen seien, Harry-Potter-Bücher gelesen, Marihuana geraucht und Sex gehabt hätten.

Doch wie der britische Guardian berichtet, rückt Sollecito nun anscheinend von seiner ehemaligen Partnerin ab und weist etwas diffus auf "gewisse Ungereimtheiten" in den Aussagen von Knox hin, auf die er beim Durchgehen der Gerichtsunterlagen gestoßen sei. Dabei lässt Sollecito offen, ob diese Ungereimheiten auf die chaotische Beweisaufnahme des Gerichtes zurückzuführen sind oder auf die widersprüchlichen Aussagen seiner Ex-Freundin.

Lückenhafte Erinnerungen wegen Cannabis-Konsum

Zwar unterstrich Sollecito bei einer Pressekonferenz in Rom, dass er nach wie vor von der Unschuld seiner Ex-Freundin überzeugt sei. Allerdings sei er zum Beispiel nicht absolut sicher, was den frühen Abend vor der Tat betreffe. Wie lange Knox damals genau in seiner Wohnung gewesen sei, das könne er nicht mehr sagen.

Auch Sollecitos Anwältin forderte vom Appelationsgericht, das nun final entscheiden muss, Ungereimtheiten in den Aussagen von Knox nicht automatsich Sollecito zur Last zu legen.

© SZ.de/olkl/feko

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