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Fährunglück vor Südkorea:Kaum mehr Hoffnung für Hunderte Vermisste

+++ Schiffe und Hubschrauber fahnden nach Überlebenden +++ Fast 300 Menschen werden vermisst +++ Behörden bestätigen Tod von sechs Menschen +++ Möglicherweise sind etliche Passagiere im Schiff eingeschlossen +++

  • Schiff mit fast 500 Menschen an Bord vor der südlichen Küste Südkoreas gekentert
  • Suche nach Hunderten Vermissten
  • Küstenwache gibt Zahl der Toten mit sechs an
  • Ursache des Unglücks unklar

Suche nach Überlebenden wird fortgesetzt: Dutzende Schiffe und Hubschrauber sind im Einsatz, auch die US Navy beteiligt sich an der Suche nach den Passagieren. Washington sei bereit, "jegliche Unterstützung" bereitzustellen, sagte der Sprecher von US-Präsident Barack Obama, Jay Carney. Bisher konnten nach Angaben der südkoreanischen Behörden mehr als 170 Menschen gerettet werden. Sechs Todesopfer wurden bestätigt, 290 Menschen werden noch immer vermisst. Viele Menschen sollen von der sich neigenden Fähre in Panik in das 13 Grad kalte Wasser gesprungen sein, zahlreiche Menschen wurden womöglich von Fischerbooten an Land gebracht. Taucher sind im Einsatz und horchen nach Klopfzeichen aus dem Bug des Schiffes. "Ich befürchte, es gibt nur wenig Hoffnung für die im Schiff Eingeschlossenen", sagte ein Sprecher der Rettungsmannschaften.

Rechenfehler bei Zahl der Vermissten: Der Vizeminister für Sicherheit und öffentliche Verwaltung, Lee Gyeong Og, hatte ursprünglich vor Journalisten in Seoul gesagt, dass 368 Menschen gerettet worden seien. Daraufhin sagte ein Sprecher der Küstenwache: "Wir haben keine Ahnung, woher diese Zahl stammt." Später räumte die Regierung ein, dass den Angaben ein Rechenfehler zugrunde liege: Einige Passagiere seien doppelt gezählt worden.

Hunderte Schüler an Bord: Die Fähre kann insgesamt etwa 900 Menschen aufnehmen, die Küstenwache spricht von 475 Menschen, die zum Zeitpunkt des Unglücks an Bord waren. Darunter auch mehr als 300 Schüler eines Gymnasiums, die sich auf einem Ausflug befinden. Die BBC zitiert eine der Schülerinnen, die nach ihrer Rettung berichtet, dass viele ihrer Freunde das Schiff nicht verlassen konnten, weil Wasser die Gänge blockierte.

Panik an Bord: "Es war sehr schwer, rauszukommen", sagt ein Überlebender dem Fernsehsender YTN. Die Crew habe die in Panik geratenen Passagiere wiederholt angewiesen, auf ihren Plätzen zu bleiben und sich nicht zu bewegen. Ein geretteter Schüler berichtet, Gepäck und Warenautomaten seien ins Rutschen gekommen. "Alle haben geschrien, und viele haben ganz schlimm geblutet."

Notsignal um neun Uhr Ortszeit: Berichten des südkoreanischen Fernsehens zufolge setzte die Crew der Sewol am Mittwoch Morgen um 8.58 Uhr Ortszeit (1.58 Uhr mitteleuropäischer Zeit) ein Notsignal ab. Nur drei Stunden später war ein großer Teil der 6800-Tonnen-Fähre bereits unter Wasser. Die Fähre legte am Dienstagabend in der westlichen Hafenstadt Incheon ab. Sie war unterwegs nach Jeju, der südlichsten Insel Koreas, die als Urlaubsparadies bekannt ist. Der Unglücksort liegt etwa 20 Kilometer vom Ufer der Insel Byungpoong entfernt.

Spekulationen über die Unglücksursache: Warum das Schiff bei offenbar ruhiger See in Schräglage geraten und gekentert ist, ist noch unklar. Experten vermuten allerdings, dass es auf einen Felsen gelaufen sein könnte. Dies wird durch die Aussage eines Passagiers gestützt, der ein "pochendes Geräusch" gehört haben will, bevor das Schiff gestoppt habe.

© Süddeutsche.de/Reuters/AFP/dpa/ebri/ratz/hai/feko/olkl/leja

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