Facebook-Spott über toten Landwirt:Anzeige wegen Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener

Die doppelt gebeutelte Familie des toten Landwirts aus Nümbrecht hat sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. In ihrer Ortschaft haben private Fernsehsender Kameras aufgestellt und Nachbarn befragt.

Einer, der dort seine Fassung als einer der ersten wiedererlangt hat, ist Helmut Dresbach. Er ist Vorstand der Kreisbauernschaft Oberberg, in der auch der verstorbene Landwirt Mitglied war - und ein Bekannter der Familie. Er hat im Namen seiner Organisation und der Witwe vergangene Woche Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Köln erstattet. Paragraf 189 Strafgesetzbuch: Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener.

Den Tod eines Menschen für irgendwelche politischen Zwecke zu instrumentalisieren, einen für artgerechte Tierhaltung ausgebildeten Landwirt als "Sklavenhalter" zu bezeichnen, sei widerwärtig, sagt er. Seine Stimme bebt, er ist wütend. Wie die Tierhaltung des verstorbenen Landwirts aussah? Ein Oberbergischer Familienbetrieb, sagt Dresbach. Die Rinder kommen auf große Weideflächen, bestes Gras. 70 Kühe gehören der Familie, ein eher kleinerer Milchviehbetrieb. "Plus der Bulle", sagt Dresbach. Dann schweigt er.

"Die Sache mit den Hinterbliebenen ist das Einzige, was mir keinen Spaß macht."

An dieser Stelle könnte man über die Frage sprechen, wie schwierig es ist, temperamentvolle Zuchtbullen zu halten - und ob dabei Fehler gemacht wurden. Man könnte fragen, warum sich in den vergangenen Monaten Berichte über Attacken durch Rinder auf Menschen in den Schlagzeilen zu häufen schienen. Man könnte fragen, wie tierfreundlich selbst hochmoderne Ställe in Deutschland sind. Aber nichts davon sollte aufgrund einer menschlich fragwürdigen Aktion wie der von Animal Peace passieren. Stattdessen wird ein Gericht klären müssen, wie der zweifelhafte Kommentar im Netz zu bewerten ist. Und man wird sich wappnen müssen für immer drastischere Bilder und Botschaften, mit denen Tierschutzaktivisten für ihre Sache kämpfen.

Was Silke Ruthenberg der Witwe und ihrem Sohn sagen würde, wenn sie ihr vor Gericht begegneten? Einen Moment lang ist es still am anderen Ende der Leitung. Dann sagt sie: "Die Sache mit den Hinterbliebenen ist das einzige, was mir keinen Spaß macht." Sie sagt aber auch, dass das nicht in ihrer Verantwortung liege, sondern im Bereich derer, die nun rechtliche Schritte einleiten. Denn am Dienstag teilte auch die Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft mit, sie habe Anzeige erstattet.

All das aber sieht Ruthenberg gelassen. Sie ist schon Dutzende Male für ihre Aktionen vor Gericht gestanden. "Wenn ich damit ein paar Veganer weg von Zucchini-Spaghetti-Rezepten hin zu den eigentlichen politischen Themen bewege, wird es mir eine Freude sein, wieder einmal vor Gericht zu stehen."

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