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Facebook-Posse in Schwäbisch Gmünd:Streit um den "Bud-Spencer-Tunnel"

Schwäbisch Gmünd befragt seine Bürger zum Namen eines neuen Stadttunnels. Ein basisdemokratischer Bumerang: Die Facebook-Gemeinde findet Gefallen an einem skurrilen Namen.

Verkehrspolitik in Schwäbisch Gmünd ist eher was für Hartgesottene. Es sei denn, Witzbolde im Internet stricken daraus eine bundesweite Spaß-Guerilla-Aktion. Und so setzen sich im Moment Zehntausende Internetnutzer dafür ein, dass die Stadt einen neuen Tunnel nach Italowesternheld Bud Spencer benennt. Die Biografie des Schauspielers, mit bürgerlichem Namen Carlo Pedersoli, wurde jüngst zum Bestseller, auch wenn seine großen Schauspielertage längst vorbei sind. Und der Mann für die kräftigen Fausthiebe hat mit Hilfe seiner Fans offenbar immer noch gehörige Durchsetzungskraft.

"ZWEI WIE PECH UND SCHWEFEL" - KABEL 1

Bud Spencer (r.) und Terence Hill in "Zwei wie Pech und Schwefel": Der Film-Haudrauf wird zum PR-Problem für Schwäbisch Gmünd.

(Foto: OBS)

Gelassene Gmünder

Den Baden-Württembergern wäre wohl ein Votum für die Vorschläge "Salvator-Tunnel" oder "Staufer-Tunnel" lieber. Aber weil jeder im Internet seine Stimme abgeben kann, haben die 60.000 Einwohner von Schwäbisch Gmünd gegen die Übermacht aus dem Netz kaum eine Chance. Die Facebook-Gruppe Bud-Spencer-Tunnel Schwäbisch Gmünd wählen! wird immer größer: Weit mehr als 28.000 Menschen haben bislang bekundet, auf der Homepage von Schwäbisch Gmünd schon ihre Stimme für den Schauspieler abgegeben zu haben. Sie machten zudem ihre Freunde auf die Aktion aufmerksam: 134.000 Einladungen an andere Facebook-Nutzer wurden verschickt. Tendenz steigend.

Die Stadt hatte sich schon vor Monaten entschieden, die Bürger bei der Namenssuche für den neuen Tunnel der Bundesstraße 29 einzubinden. Das 180-Millionen-Euro-Bauwerk gilt alls teuerste Ortsumgehung in Deutschland.

Die Gmünder lieferten schnell zahlreiche Vorschläge: "Salvator-Tunnel" war der beliebteste - wegen der Salvator-Wallfahrtsanlage in Schwäbisch Gmünd. Oder "Staufer-Tunnel" - weil die Stadt eine lange Tradition mit dem Kaisergeschlecht verbindet. Sehr häufig vorgeschlagen wurde auch "Einhorn-Tunnel" - das Fabelwesen ist das Wappentier der Stadt.

Pech, dass irgendjemand auch "Bud-Spencer-Tunnel" einfiel. Die Stadtverwaltung sammelte beflissen alle Vorschläge, löschte nur solche, die pornografisch und strafrechtlich relevant waren - und gab die restlichen zur Abstimmung im Internet frei.

Neue Gruppe gegründet

Ein Facebook-Nutzer entdeckte die Bud-Spencer-Option und gründete die Gruppe. "Da politische Partizipation eine der wichtigsten Säulen unserer Demokratie ist, bitte ich euch, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, um eure Stimme", schrieb er. Und weiter: "Da uns die meisten vorgeschlagenen Namen aber viel zu langweilig sind, haben wir beschlossen: Der Tunnel in Schwäbisch Gmünd soll künftig auf den Namen "Bud-Spencer-Tunnel" hören."

Die Rathausspitze gibt sich trotzdem gelassen."Das ist eine lustige Geschichte. Der Gemeinderat wird das Ergebnis auch diskutieren", sagte Stadt-Sprecher Markus Herrmann. Dass Schwäbisch Gmünd tatsächlich einen "Bud-Spencer-Tunnel" bekommt, ist aber unwahrscheinlich. Zwar habe der Gemeinderat durch die Online-Umfrage ein Meinungsbild einholen wollen - die Entscheidung träfen die Kommunalpolitiker aber selbst. "Eine Facebook-Gruppe ist nicht die Urform der Basis-Demokratie", sagte Herrmann. "Die Abstimmung im Internet ist ja längst keine Gmünder Abstimmung mehr." Immerhin, im Gespräch mit jetzt.de kündigte er einen Kompromiss an: Bud Spencer könne ja zur Eröffnung des Tunnels kommen.

Das wäre allerdings ein schönes Ende. Etwas unklar bleibt aber, waru überhaupt ein Bud-Spencer Tunnel zur Abstimmung gestellt wurde, oder die ebenso skurrilen "Jogi-Löw-Tunnel" oder "Nei-Naus-Tunnel"? Beide Vorschläge finden sich auf der Liste, beide würde die Stadt kaum ernsthaft diskutieren.

Bei den Facebook-Usern gab es gegen die ablehnende Haltung jedenfalls schon Widerspruch. Die Politiker dürften nicht einfach zehntausende Stimmen aus dem Internet ignorieren, schrieben einige Nutzer und organisieren nun weiteren Protest: Mit Blick auf die entscheidende Gemeinderatssitzung am 27. Juli wurde gleich eine neue Gruppe gegründet.

© dpa/grc/mcs
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