Ex-Posträuber Ronnie Biggs Der Letzte seiner Art

Von 30 Jahren Gefängnis, zu denen er einst verurteilt wurde, musste er theoretisch noch 28 absitzen. Doch wegen seines Gesundheitszustandes wurde er 2009 vorzeitig entlassen. Am Ende ging es ihm derart schlecht, dass er weder laufen, noch sprechen oder normal essen konnte.

Was bleibt nun von Ronnie Biggs? Auch wenn er damals gar nicht der Anführer der Gangsterbande war (der hieß Bruce Reynolds), wird Biggs' Name wegen seiner spektakulären Flucht auf ewig verbunden bleiben mit dem Postraub. Wahrscheinlich war Biggs einer der letzten seiner Art, denn in Zeiten technisch perfekt gesicherter Geldtransporter erscheint ein solches Verbrechen heutzutage fast unmöglich. "The Great Train Robbery" dürfte den bestimmten Artikel also höchstwahrscheinlich behalten.

Die Gentleman bitten zur Kasse

Biggs und die anderen Posträuber stehen außerdem für die sprichwörtlichen "guten Gangster", die zwar kriminell sind, aber keine übertriebene Gewalt einsetzen und keine Schusswaffen benutzen. Weil die Posträuber die Polizei zunächst fintenreich auf Distanz halten konnten, gab es schon damals in der englischen Bevölkerung heimliche Sympathien für sie. Dazu passt, dass Biggs seine Taten nie bereut hat. Im Gegenteil: Er sei stolz, Teil der Bande gewesen zu sein, sagte er noch in diesem Jahr in einem Interview.

Auch in die Popkultur ist Biggs eingegangen. Sein Leben wurde mehrmals verfilmt und er nahm mehrere Songs auf: Zuerst mit der britischen Punk-Band The Sex Pistols, die das vereinbarte Honorar aber angeblich nie zahlte. Dann mit den Toten Hosen, deren Sänger Campino, selbst Halb-Engländer, Biggs mehrmals in Rio de Janiero besucht hat und zu seinen Freunden zählte.

"Die Gentlemen bitten zur Kasse" hieß ein deutscher Film über den großen Raub, übrigens mit Horst Tappert in der Hauptrolle. Obwohl sich die Ironie nicht mehr erschließt, wird die Floskel "zur Kasse bitten" auch heute noch in allerlei Zeitungstexten verwendet - vor allem deshalb, weil der Film extrem erfolgreich war. Die Formulierung wird wohl erhalten bleiben. Der bekannteste dieser Gentlemen ist jetzt tot.

Linktipp: Im Guardian ist nicht nur ein ausführlicher Nachruf auf Ronnie Biggs zu lesen, sondern auch zehn bisher unbekannte Fakten, die unter anderem zeigen, welche Verbindung Formel-1-Boss Bernie Ecclestone zu den Räubern hatte. Außerdem gewährt die britische Zeitung einen Blick ins Archiv und dokumentiert die Berichterstattung von damals.