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Euskirchen:Polizei prüft Hinweise auf neue Mittäter nach Schlägerei an Gesamtschule

Zwölfjähriger lebensgefährlich verletzt

Niemand hat etwas bemerkt? Acht Lehrer hatten während des Vorfalls an der Gesamtschule Euskirchen Aufsicht.

(Foto: Marius Becker/dpa)

Ein Zwölfjähriger prügelt einen Mitschüler beim Kartenspiel fast tot. Ein Zeuge sagt, dass er nicht der Einzige gewesen sei, der zuschlug.

Mehr als 30 Milliarden Karten des Sammelspiels Yu-Gi-Oh wurden in den vergangenen Jahren verkauft, wahrscheinlich mehr als von jedem anderen Kartenspiel. Das liegt auch daran, dass es etwa 6000 unterschiedliche Karten gibt: Monsterkarten, Fallenkarten und Zauberkarten zum Beispiel. Ziel des Spiels ist es, dem Gegner die Lebenspunkte wegzunehmen. Nicht das Leben.

Am Donnerstag saßen ein paar Schüler der Gesamtschule Euskirchen in dem großen, eckigem Gebäude, spielten Yu-Gi-Oh und versuchten, sich die Lebenspunkte abzunehmen. Wenig später kämpft einer der Mitspieler mit dem Tod.

Mutmaßlicher Täter wäre schuldunfähig

Eric, zwölf Jahre, Schüler der 7f, liegt seit Donnerstag in der Neurologischen Spezialklinik in Köln im künstlichen Koma. Sein Zustand ist kritisch. "Ich wäre aber nie auf die Idee gekommen, dass er in Lebensgefahr schwebt. Das habe ich erst realisiert, als er im Rettungshubschrauber in die Spezialklinik geflogen worden ist", sagte Schulleiter Thomas Müller dem WDR. Acht Lehrer hätten zum Zeitpunkt in und vor dem Gebäude Aufsicht gehabt, keiner hätte etwas von der Prügelei bemerkt. Alle würden sich nun Vorwürfe machen.

Die erheben auch einige Eltern in Lokalzeitungen gegen die Schule, alle anonym. Der mögliche Täter, ein gleichaltriger Schüler, soll bereits zuvor gewalttätig geworden sein. Das Jugendamt hat Kontakt zu den Eltern des mutmaßlichen Schlägers aufgenommen, Auflagen und Eingriffe nach dem Jugendhilferecht werden geprüft.

Sie reichen von regelmäßigen Besuchen durch das Jugendamt bis zum Entzug des Sorgerechts. Es sind wahrscheinlich die einzigen Konsequenzen, mit denen der Zwölfjährige rechnen muss, unter 14 Jahren sind Kinder in Deutschland schuldunfähig. Theoretisch sind zivilrechtliche Ansprüche möglich.

Gewalttaten zwischen Minderjährigen sind äußerst selten. Auslöser in Euskirchen soll gewesen sein, dass Eric den gleichaltrigen Schläger oft besiegt hat im Yu-Gi-Oh. Er wurde mittlerweile von der Polizei vernommen, Angaben würden wegen des minderjährigen Alters nicht gemacht, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Bonn.

Der Zwölfjährige wird von zwei weiteren Schülern belastet, die auch an dem Spiel teil genommen haben. Mittlerweile hat sich ein weiterer Zeuge gemeldet, der das Geschehen aus einiger Entfernung beobachtet haben will und wohl gesehen hat, dass außer dem bisher Verdächtigen auch "andere beteiligt gewesen sind", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Bonn. Dem werde nachgegangen. Im Netz überschlagen sich bereits Fantasien über die Herkunft der Beteiligten. Es habe aber keiner einen Migrationshintergrund, sagt ein Ermittler. "Wir sind zutiefst erschrocken und betroffen von dem schlimmen Vorfall an unserer Schule und hoffen, dass es unserem Schüler bald wieder besser geht", teilte die Schule mit.

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