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Estonia:Das Rätsel des Untergangs

Auf der Estonia könnten sich nämlich "seltene Nukleargrundstoffe" befunden haben, die nach Amerika geschafft werden sollten. Die USA hätten diese Stoffe für den Bau ihrer Weltraumwaffen gebraucht, "insbesondere hinsichtlich ihrer Ziele Richtung SDI-Programm".

Es gebe dafür keine Beweise, räumt Rabe in ihrem Buch ein, aber Hinweise: "Dass die schwedische Regierung die Estonia unter Beton begraben wollte, ist meiner Ansicht nach das stärkste Indiz."

Die Regierung in Stockholm hatte 2001 beschlossen, dass es keine weitere Estonia-Untersuchung geben werde. Würde man noch einmal zum Wrack tauchen, würde das bei den Angehörigen neue Wunden aufreißen, hieß es zur Begründung.

Die Politiker in Helsinki und Tallinn schlossen sich dieser Argumentation an. Aber gerade die Hinterbliebenen, die sich in zahlreichen Organisationen zusammengefunden haben, fordern bis heute, die Untersuchungen wieder aufzunehmen und nach dem Wrack zu tauchen, das nur 80 Meter unter dem Meeresspiegel liegt.

Sie wollen zum einen die Wahrheit wissen. Zum anderen wollen sie, dass die Gründe für den Untergang zweifelsfrei aufgezeigt werden, damit sich eine ähnliche Katastrophe nicht wiederholt. Auf der Ostsee fahren derzeit 86 große Fähren, die 45 Millionen Reisende pro Jahr transportieren. Einige dieser Schiffe ähneln der Estonia.

Auch Wissenschaftler fordern eine neue Untersuchung, zum Beispiel Dracos Vassalos, Professor an der University of Strathclyde in Glasgow. Vassalos und sein Team sind führend in Europa, wenn es um Schiffsbautechnik geht; sie verwenden unter anderem moderne Computersimulationen.

In der schwedischen Fernsehsendung uppdrag granskning, die mit dem deutschen Magazin Panorama zu vergleichen ist, sagte Vassalos, dass die Experten der stark kritisierten Untersuchungs-Kommission nicht über die Technik verfügten, um alles zu ergründen.

So seien etwa große Teile des Sinkverlaufs bislang nur Spekulation. "Es wäre wichtig, herauszufinden, warum das Schiff so schnell gesunken ist", sagte Vassalos, "wenn ein Schiff langsamer sinken würde, hätte man noch Zeit, die Menschen in Sicherheit zu bringen."

Er verlangt, die Estonia-Katastrophe "auf internationalem Niveau systematisch zu untersuchen". Dass sich die Politiker weigern, ist für ihn ein Rätsel: "Ich kann nicht verstehen, wie wir uns zur Ruhe setzen können, ohne exakt zu wissen, wie 852 Menschen gestorben sind."