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Teure Futtermittel:Texaner schicken ihre Esel in die Wüste

In Texas sammelt die Polizei reihenweise ausgesetzte und ausgehungerte Nutztiere ein. Der Grund: Nach der Rekorddürre mangelt es an Heu. Das kriegen vor allem die Esel zu spüren, denn ihre Besitzer sind kaum zu ermitteln.

Reymer Klüver, Washington

In Texas muss ein Sheriff schon einmal ein entlaufenes Pferd einfangen können. Das zählt sozusagen zur Berufsqualifikation. Doch seit Wochen sind Polizisten und Sheriffs quer durch den riesigen US-Bundesstaat in dieser Hinsicht überbeansprucht: Reihenweise sammeln sie ausgehungerte Pferde, vor allem aber Esel ein, die von ihren Besitzern ausgesetzt worden sind. Der Grund: Der heißeste Sommer in der Geschichte des Bundesstaates und eine Rekorddürre haben in diesem Jahr in Texas die Weiden ausgetrocknet und die Heupreise in die Höhe getrieben. Vor einem Jahr musste man pro Tier zwischen 150 und 200 Dollar für Futter veranschlagen. Die Kosten haben sich in Texas inzwischen verdoppelt, weil das Heu aus Bundesstaaten wie Idaho und Oregon im Norden herbeigeschafft werden muss.

Viele können es sich schlicht nicht mehr leisten, ihre Tiere durchzufüttern und setzen sie deshalb aus. Das ist zwar verboten, und wer erwischt wird, könnte sogar ins Gefängnis kommen. Doch ist die Not offenbar stärker. In Texas sind die Ordnungshüter verpflichtet, streunende Nutztiere einzufangen und zu verpflegen. "Wir bekommen mittlerweile bis zu 40 Anrufe die Woche", berichtet Richard Fincher von der Pferdeschutzorganisation "Safe Haven Equine Rescue" in Gilmer in Osttexas. "Vor einem Jahr waren es vielleicht drei oder vier Anrufer, die ein streunendes Tier entdeckt hatten." Die Tierschutzorganisation "American Society for the Prevention of Cruelty to Animals" hat 250.000 Dollar gespendet, um ausgesetzte Tiere in Texas und im benachbarten Oklahoma zu füttern.

Keine Brandzeichen für Esel

"Wir haben fast jeden Tag einen neuen Fall in Texas", sagt der Chef der kalifornischen Organisation "Peaceful Valley Donkey Rescue", Mark Meyers, die sich auf die Betreuung ausgesetzter Esel, die hier Burros genannt werden, spezialisiert hat. Die Auffangstation der Organisation in Texas kann keine Tiere mehr aufnehmen: 600 Esel werden dort mittlerweile versorgt. "Das Problem hat geradezu epidemische Ausmaße", bestätigt auch Patrick Bonner, Sprecher des Sheriffs in Dallas.

Esel sind besonders betroffen, weil sie im Gegensatz zu Pferden kein Brandzeichen haben müssen und deshalb nicht einmal theoretisch zu ihrem Besitzer zurückverfolgt werden könnten. Zudem sind sie auf Tierauktionen nahezu unverkäuflich, weil sie kaum praktischen Nutzen haben. Burros waren einst als Lasttiere nach Texas gekommen. Heute bringen sie allenfalls Steuervorteile: Eselbesitzer können Steuererleichterungen für Landwirte geltend machen.

© SZ vom 02.01.2012/grc
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