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Kolumbien:18 Millionen Dollar hinter einer Wand

F-Escobar as Pancho Villa

Der wohl berüchtigste Drogenboss, den zumindest Kolumbien je gesehen hat: Pablo Emilio Escobar Gaviria.

(Foto: Guillermo Tapia/AFP)

Der Neffe des legendären Drogenbosses Pablo Escobar hat angeblich einen von dessen Schätzen gefunden. Bei der Suche half ihm ein Geist.

Von Christoph Gurk

Über Jahre hinweg, sagt Nicolás Escobar, habe er immer wieder einen Geist gesehen, kaum mehr als einen Schatten, der in den Raum kam und ihn an derselben Stelle wieder verließ. Andere würden sich gruseln, ausziehen, Geisterjäger oder zumindest einen Pfarrer rufen. Nicolás Escobar aber begann zu suchen, nach verdächtigen Stellen an der Decke, nach Verstecken hinter den Wänden. Und tatsächlich wurde er nun angeblich fündig: In dem Apartment in Las Palmas, einem Viertel nahe dem Zentrum der kolumbianischen Stadt Medellín, will er hinter einer Mauer einen Hohlraum gefunden haben. Bilder aus dem Versteck zeigen eine Schreibmaschine auf verstaubtem Boden, eine Kamera, Aufnahmegeräte und einen Kugelschreiber. Dazu will Escobar auch noch eine große Tüte gefunden haben, vollgestopft mit Scheinen, insgesamt 18 Millionen Dollar in bar.

Er sei sich ganz sicher, sagte Escobar dem Fernsehsender Red Mas, dass das Geld und die Gegenstände in dem Versteck seinem Onkel gehört hätten. Und so unglaublich die ganze Geschichte klingt - ganz abwegig ist das nicht, denn der Onkel, von dem die Rede ist, war niemand Geringeres als Pablo Emilio Escobar Gaviria, genannt El Patrón, der wohl größte, grausamste und berüchtigste Drogenboss, den zumindest Kolumbien je gesehen hat.

In den 1970er- und 1980er Jahren kontrollierte Escobar mit seinem Medellín-Kartell einen Großteil des weltweiten Handels mit Kokain. Er ging dafür über Leichen, ließ Bomben legen, Widersacher entführen und foltern und Politiker und Richter ermorden. Bis zu 4000 Morde sollen auf das Konto des Capos gehen. Gleichzeitig häufte Escobar ein gigantisches Vermögen an. Er soll zu Glanzzeiten mehrere Hundert Millionen Dollar in der Woche verdient haben, wie viel es am Ende dann wirklich war, ist unklar, die Einkünfte reichten jedenfalls, um es auf die Liste der reichsten Menschen der Welt im Forbes-Magazin zu schaffen, sich Rennautos zu kaufen, Flugzeuge, einen Privatzoo mit exotischen Tieren und mehrere Villen, Apartments und Ferienhäuser.

Sein Geist wird seit Jahren immer wieder gesichtet

Nach Jahren auf der Flucht vor den Behörden starb Escobar im Dezember 1993 im Kugelhagel einer US-amerikanisch-kolumbianischen Eliteeinheit. In den folgenden Jahrzehnten verwandelte der Mörder und Dealer sich in eine Legende, Touristenführer in Medellín verdienen heute nicht eben schlecht an dem Grusel-Andenken an den Narco, eine Telenovela im kolumbianischen TV und eine bluttriefende Serie beim Streamingdienst Netflix machten ihn dann endgültig unsterblich. Tatsächlich wird seit Jahren immer wieder auch der Geist von Escobar gesichtet, auf Balkonen, in Küchen, als Schatten an der Wand. Und genauso wenig totzukriegen wie der Capo selbst sind die Geschichten über die Schätze, die er zeit seines Lebens versteckt haben soll.

In seine Villen und Wohnungen soll er stets verborgene Räume eingebaut haben, für Geld, Gold, Waffen, Drogen, Entführte oder auch sich selbst. Das hat dazu geführt, dass immer wieder Glücksritter auf der Suche nach den versteckten Drogenmillionen Wände in ehemaligen Anwesen Escobars aufschlugen. Eine Villa in Miami ließen die neuen Besitzer abreißen, um angeblich an Schätze zu kommen. Sie fanden einen Safe, der dann aber unter rätselhaften Umständen verschwand. Und in Medellín drangen im Jahr 2014 mehrere Männer in eine Wohnung ein und bearbeiteten die Wände mit Vorschlaghämmern, ohne aber fündig zu werden.

Nicolás Escobar sagt, er habe da mehr Glück gehabt. Er will schon mehrere Verstecke seines berühmten Onkels gefunden haben, unendliche Reichtümer wie Escobar hat ihm das aber wohl noch nicht eingebracht: So sollen die 18 Millionen Dollar, die Escobar in der Tüte in dem Hohlraum entdeckte, allesamt verschimmelt und unbrauchbar gewesen sein.

© SZ/nas
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