bedeckt München 30°

Erste offizielle Rede von Herzogin Catherine:The Voice of Great Britain

Würde sie souverän auftreten wie die Queen - oder doch eher nervös-charmant wie anfangs ihre verstorbene Schwiegermutter? Mit Spannung erwarteten die Briten die erste offizielle Rede von Herzogin Catherine. Im ostenglischen Ipswich hat sie ein Kinderhospiz besucht - und dort mehr mit Megawattlächeln denn mit rhetorischem Talent überzeugt.

Die Generalprobe war im wahrsten Sinne des Wortes umwerfend. Am vergangenen Samstag nahm Herzogin Catherine an einer St Patrick's Day-Parade teil und lächelte dabei so strahlend, dass einer der Royal Guards geblendet zu Boden sank. Vielleicht sei die aufregende Begegnung mit der schönen Gemahlin von Prinz William für den Soldaten einfach zu viel gewesen, kommentierte die Presse süffisant.

Vor ihrem Auftritt an diesem Montag dürften jedoch der 30-Jährigen die Knie gezittert haben: In einem Kinderhospiz im ostenglischen Ipswich eröffnete sie eine neue Einrichtung für schwerkranke Kinder - und hielt zu diesem Anlass ihre erste offizielle Rede.

Das Interesse ihrer Landsleute an diesem Auftritt war gewaltig: Erst einmal, bei der Verkündung der Verlobung im Herbst 2010, hatten die Briten die Stimme der geborenen Kate Middleton länger als ein paar Sekunden gehört. Viele Medien berichteten vorab über den Termin, der Nachrichtensender BBC übertrug live aus dem East Anglia's Children's Hospice. Und auch die Herzogin hatte sich im Vorfeld auf den Auftritt vorbereitet: Wie schon ihre verstorbene Schwiegermutter Diana übte auch das neueste Mitglied der Royal Family mit einem Stimmtrainer für ihr Rede-Debüt.

"Es tut mir wirklich Leid, dass William nicht hier sein kann"

Ihren großen Auftritt absolvierte die Herzogin Im locker sitzenden, kobaltblauen Blusenkleid mit schwarzem Taillengürtel, die brünetten Haare trug sie offen. Obwohl ihr gewinnendes Lächeln auch beim Gang ans Rednerpult saß, schien sich Catherine der Tragweite ihrer Anspreche durchaus bewusst zu sein.

Nach einem Moment des Innehaltens, den Blick gesenkt, bedankte sie sich einleitend für die Ehre, Patin der neuen Einrichtung zu sein, und dafür, "dass ich heute hier sein darf." Sie habe sich sehr willkommen gefühlt, sagte die 30-Jährige. Eines bedauere sie jedoch: "Es tut mir wirklich Leid, dass William nicht hier sein kann. Es würde ihm sehr gefallen." Catherine ist zurzeit Strohwitwe, weil ihr Gatte in seiner Funktion als Hubschrauberpilot für sechs Wochen auf den Falklandinseln stationiert ist.

Die Herzogin lobte die Arbeit des Hospizes: Es sei kein "klinischer, deprimierender Ort für kranke Kinder", sondern "ein Ort der Freude", sagte sie mit ernstem Gesicht. Zwischendurch wanderte ihr Blick immer wieder nach unten aufs Rednerpult, zu ihren Notizen. Nur zweieinhalb Minuten dauerte Catherines erste Ansprache. Am Ende verabschiedete sie sich mit einem knappen "thank you" - und einem erleichterten Lächeln.

Das ließ diesmal zwar niemanden in Ohnmacht fallen. Doch die Zuhörer bedachten die durchaus noch ausbaufähige rhetorische Leistung mit geradezu donnerndem Applaus.

© Süddeutsche.de/dpa/jobr/leja

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite