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Ermittlungen nach Morden in Toulouse:Bruder ist "stolz" auf Attentäter

Der ältere Bruder von Mohamed Merah will nichts von den Attentatsplänen gewusst haben. Doch einem Medienbericht zufolge ist sein Handy in der Nähe der jüdischen Schule gefunden worden. Am Vorabend der Tat sollen die beiden Geschwister zusammen zu Abend gegessen haben. Der Salafist gibt zu, stolz auf seinen toten Bruder zu sein.

Der ältere Bruder des Attentäters von Toulouse hat nach Informationen aus Polizeikreisen während seiner Vernehmung gesagt, er sei "stolz" auf die Taten von Mohamed Merah. Der 29-Jährige sei zudem während des Diebstahls des Motorrollers anwesend gewesen, mit dem sein Bruder unterwegs war, als er in Toulouse und Montauban sieben Menschen erschoss, hieß es.

Wie die Zeitung Le Parisien berichtet, sei das Handy des älteren Bruders zudem in der Nähe der jüdischen Schule gefunden worden, wo Mohamed einen Lehrer und drei Schüler erschossen hatte. Die beiden hätten sich am Vorabend der Tat getroffen und zusammen zu Abend gegessen.

Die Polizei beschreibt den Bruder des Attentäters als streng religiösen Salafisten. Er war bereits vor einigen Jahren von der Polizei vernommen worden, weil er Kontakt zu einem Netzwerk gehabt haben soll, das Jugendliche aus der Region von Toulouse in den Irak schickte. Der 29-Jährige und seine Lebensgefährtin wurden am Dienstag festgenommen und inzwischen dem Inlandsgeheimdienst überstellt. Die Ermittler wollen nun vor allem klären, wie der mutmaßliche Täter ein Waffenarsenal anhäufen konnte, obwohl er kein eigenes Einkommen hatte.

Merahs Mutter wurde am Freitagabend aus dem Polizeigewahrsam entlassen. Sie kämpft mit Schuldgefühlen und fragt sich, ob sie die Taten habe verhindern können, sagte ihr Anwalt. Aus Angst vor Racheakten wird sie vorerst nicht nach Hause zurückkehren. Ihr Bruder, der Onkel des mutmaßlichen Serienmörders, sagte dem Magazin Le Point, er verurteile die "barbarischen" Taten seines Neffen und sei untröstlich, wenn er an die Familien der Opfer denke.

Der 23-jährige Attentäter soll zwischen dem 11. und dem 19. März in Toulouse und Montauban drei Soldaten sowie einen Religionslehrer und drei jüdische Kinder erschossen haben. Er war während seiner Taten allein, doch besteht der Verdacht, dass er Unterstützung von anderen erhielt. Den Angriff auf die jüdische Schule soll er nach Aussage des Innenministers nicht vorsätzlich geplant haben. Er habe sie attackiert, weil er den ins Visier genommenen Soldaten verpasst hatte.

Mohamed Merah wurde am Donnerstag nach 32-stündiger Belagerung seiner Wohnung von der Polizei erschossen. Der Autopsie zufolge hat er zwei tödliche Verletzungen erlitten, eine Schusswunde an der linken Schläfe und eine weitere im Unterleib. Darüber hinaus sei Merah von über 20 weiteren Kugeln getroffen worden, hieß es aus Justizkreisen.

Kritik an dem Polizeieinsatz hat die französische Regierung zurückgewiesen. Sie sei ohne Zweifel "politisch motiviert" und unpassend, sagte Innenminister Claude Guéant, der den Einsatz beaufsichtigt hatte, der Tageszeitung Le Figaro. Frankreich sei noch niemals zuvor mit einem solchen Einzelattentäter konfrontiert gewesen.

Inzwischen wurde bekannt, dass einer der erschossenen Soldaten mit einer Sondergenehmigung von Präsident Sarkozy posthum verheiratet werden soll. Seine schwangere Verlobte habe dafür die nötige Erlaubnis erhalten, erklärte ihr Anwalt. Der 25 Jahre alte Fallschirmjäger war am 15. März in Montauban durch einen Kopfschuss getötet worden. Die posthume Hochzeit ist in Ausnahmefällen möglich, wenn der Gestorbene zuvor bereits seine Heiratsabsicht bekundet hat. Der Präsident muss dazu aber sein Einverständnis geben.

© AFP/dpa/liv

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