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Ermittlungen gegen Kinderklinik in Hannover:Flüchtlingsrat fordert Gleichstellung

Der Fall erregt großes öffentliches Aufsehen. Zumal Organisationen wie der Flüchtlingsrat Niedersachsen ihn nicht als Einzelfall einstufen. Erst am Dienstag wurden vor dem Amtsgericht Fürth drei Mitarbeiter eines bayerischen Aufnahmelagers zu Geldstrafen verurteilt. Sie hatten im Dezember 2011 nicht auf die dringende Bitte zweier Eltern reagiert, einen Arzt für ihr schwer krankes Kind zu rufen. Stattdessen hatten sie den Vater aufgefordert, sich erst einen Krankenschein zu besorgen.

Ein Autofahrer brachte die Familie zu einer Kinderärztin, die einen Krankenwagen rief. Wie sich später herausstellte, litt der Junge an einer schweren Meningokokken-Infektion. Er musste in ein künstliches Koma versetzt und mehrfach operiert werden.

Flüchtlingsorganisationen fordern schon lange, dass Asylbewerber bei der Krankenversorgung besser gestellt werden. Die gesetzliche Grundlage sehe vor, dass Flüchtlinge nur bei "akuten Erkrankungen und Schmerzzuständen" behandelt werden dürfen. In der Praxis, so schreibt zum Beispiel der Flüchtlingsrat NIedersachsen in einer Erklärung, prüfe das Sozialamt, ob ein Krankenschein überhaupt nötig sei. Selbst wenn dieser dann ausgestellt werde, sehe er zum Teil Einschränkungen beim Umfang der ärztlichen Versorgung vor. Die Verzögerung einer notwendigen medizinischen Behandlung sei daher eher Regel denn Ausnahme - mit allen negativen Folgen.

© SZ.de/dpa/feko/olkl
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