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Ermittlungen bei Carnival Cruises:Kreuzfahrtschiff soll Fischer in Seenot ignoriert haben

Eigentlich wollten die drei Reisenden an Bord der "Star Princess" Vögel beobachten, da entdecken sie ein Fischerboot, das mitten im Pazifik trieb. Die Ornithologen melden den Notfall der Crew, doch das Schiff fährt einfach weiter. Als das Boot Wochen später wieder auftaucht, sind zwei der drei Menschen an Bord tot. Eine interne Ermittlung des Kreuzfahrtanbieters soll nun klären, wie es dazu kommen konnte.

Am 10. März verbringen die drei Vogelfreunde fast den ganzen Tag auf dem Promenadendeck der Star Princess. Vom Bord des Kreuzfahrtschiffes aus, das von Ecuador unterwegs nach Costa Rica ist, spähen sie durch ihre Ferngläser, suchen den Horizont nach seltenen Seevögeln ab. Doch stattdessen entdecken die beiden US-Amerikaner und der Ire ein Objekt, "das aussah wie ein kleines Haus": ein panamaisches Fischerboot in Seenot.

Von drei Freunden kehrte nur Adrian Vasquez zurück, nach 28 Tagen auf See, mit nichts als Regenwasser und Fisch als Nahrung.

(Foto: AP)

"Wir sahen mindestens eine Person darin stehen, die ein Stück Stoff über dem Kopf schwenkte, immer auf und ab", berichtet einer der drei Ornithologen, Jeff Gilligan aus Portland dem britischen Guardian. Es sei ihnen sofort klargewesen, dass da etwas nicht stimmte, erinnert sich Judy Meredith, Gilligans Bekannte aus Oregon. Das Trio wandte sich an die Schiffsbesatzung, meldete seine Sichtung. Doch die Star Princess änderte ihren Kurs nicht und überließ das Boot und die Menschen darin ihrem Schicksal. Wie es dazu kommen konnte, soll nun eine interne Ermittlung des Kreuzfahrtanbieters klären.

Wie sich später herausstellte, waren an eben diesem Tag alle drei Menschen an Bord des Bootes, der Fifty Cents, noch am Leben. Die Freunde, junge Männer im Alter zwischen 16 und 24 Jahren, waren am 24. Februar in Rio Cato zum Fischen aufgebrochen, um sich ein wenig Geld dazu zu verdienen. Doch als sie nach Hause zurückkehren wollten, streikte der Motor, das Boot trieb über den Pazifik.

Der älteste der drei Männer starb just am Abend jenes 10. März, der jüngste fünf Tage später. Noch einmal neun Tage vergingen, bis der 18-jährige Adrian Vasquez gerettet werden konnte, der sich während der insgesamt vier Wochen auf See von teils verdorbenem Fisch und Regenwasser ernährt hatte. Fischer zogen ihn in der Nähe der Galapagos-Inseln an Bord, 600 Meilen von dem Punkt entfernt, an dem Vasquez und seine Freunde aufgebrochen waren.

Nach seiner Rückkehr berichtete der gerettete Schiffbrüchige dem Blogger und Betreiber des Portals panama-guide.com, Don Winner, dass er und seine Freunde die Star Princess ihrerseits auch entdeckt hatten. "Es war ein richtig großes, weißes Schiff. Ich wedelte mit einem roten T-Shirt und Fernando schwenkte eine leuchtend orange Schwimmweste über seinem Kopf. Eine Minute lang sah es so aus, als ob sie umdrehen würden, um uns zu holen, aber dann fuhren sie einfach weiter", zitiert Winner den Schiffbrüchigen.

Hilferufe verhallten

Als die drei Vogelfreunde an jenem Tag bemerkten, dass ihr Hilfeaufruf an die Crew offenbar erfolglos blieben, versuchten sie, selbst die Küstenwache zu alarmieren. Doch die Internetverbindung an Bord des Kreuzfahrtschiffes war schlecht und sie taten sich schwer damit, eine lokale Webseite zu finden. Also schrieben sie den US-Behörden eine E-Mail. Wo und ob diese jemals ankam, ist jedoch unklar.

Princess Cruises, Eigner der Star Princess und Teil des Touristikkonzerns Carnival Cruises (zu dem unter anderem auch Costa Concordia-Eignerin Costa Crociere gehört) bemüht sich um Schadensbegrenzung. "Zu diesem Zeitpunkt können wir die Berichte nicht bestätigen. Wir führen eine interne Ermittlung in der Sache durch", zitiert der Guardian aus einem Statement des Konzerns. "Es macht uns traurig zu hören, dass zwei Menschen an Bord dieses Bootes starben, unsere Gedanken und Gebete sind bei ihren Familien."

Den drei Reisenden, die die Schiffbrüchigen der Fifty Cents an jenem 10. März entdeckt hatten, geht die Sache nicht aus dem Kopf: "Die letzten Wochen war uns einfach nur schlecht", sagte Judy Meredith dem US-amerikanischen TV-Sender NewsChannel 21. "Ich habe selbst einen Sohn. Ich mag es mir gar nicht vorstellen, wie die drei da draußen auf dem Meer sind, keinerlei Information haben, wissen, dass sie jemand gesehen hat - und einfach weiterfuhr." Jeff Gilligan sagte dem Guardian: "Ich denke an diesen Zwischenfall hundertmal jeden Tag."

© Süddeutsche.de/leja/kaeb/vs
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