Erdbeben und Tsunami in Japan Radioaktivität im Reaktor Fukushima steigt massiv an

Eine zehn Meter hohe Welle überflutet die Nordostküste Japans. Mehr als tausend Tote werden befürchtet. Das Kühlsystem eines Atomkraftwerks ist ausgefallen, die Strahlung im Inneren angeblich um das Tausendfache erhöht - und die Evakuierungszone um die Anlage wird ausgeweitet. Denn möglicherweise ist sogar Radioaktivität ausgetreten.

Ein schweres Erdbeben und ein nachfolgender Tsunami haben am Freitag in Japan enorme Schäden verursacht. Nach Angaben der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo starben wahrscheinlich mehr als tausend Menschen. Das Beben der Stärke 8,9 löste Flutwellen aus. Im Atomkraftwerk Fukushima fiel das Kühlsystem aus. Die Radioaktivität im Meiler stieg auf das Tausendfache. Die Regierung rief den atomaren Notstand aus und ordnete die Evakuierung einer Zone im Umkreis von zehn Kilometern an.

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Flutwellen mit bis zu zehn Metern Höhe trafen auf die Nordostküste Honshus, der größten und am dichtesten besiedelten der vier japanischen Hauptinseln. Die Nachrichtenagentur Kyodo berichtete unter Berufung auf die Polizei, in der Millionenstadt Sendai seien 200 bis 300 Leichen gefunden worden, die Behörden bestätigten bis zum Abend 185 Tote im gesamten Land. Ein Schiff mit 80 Hafenarbeitern wurde ebenso vermisst wie zwei Züge. Fernsehbilder zeigten, wie Wassermassen das Rollfeld des Flughafens von Sendai überfluteten. Entlang der Küste wurden mehrere Orte von den Wellen überschwemmt, Häuser und Autos trieben in den Fluten. Häfen wurden von dem Tsunami getroffen und Schiffe ins Landesinnere gespült. Premier Naoto Kan rief die Bevölkerung zur Ruhe auf.

Die Behörden berichteten von etwa 100 Bränden. In einer Ölraffinerie nahe Tokio löste ein Großfeuer eine schwere Explosion aus. In der Hauptstadt, 400 Kilometer vom Epizentrum entfernt, wackelten die Häuser minutenlang, Feuer brachen aus. Laut Statistikern war es das schwerste Beben in Japan seit Beginn der Aufzeichnungen 1872. Das Epizentrum der Erdstöße, die sich um 14.46Uhr Ortszeit ereigneten, lag in 25Kilometern Tiefe im Seegebiet 135 Kilometer östlich von Sendai. Zug- und Flugverkehr wurden in weiten Landesteilen eingestellt. In der Nacht zum Samstag erschütterte ein schwerer Erdstoß der Stärke 6,7 auch das Landesinnere.

Elf Kernkraftwerke wurden laut der japanischen Atomaufsicht automatisch abgeschaltet. In der Wiederaufbereitungsanlage Rokkasho und im Kraftwerk Fukushima kam es aber zu Problemen mit dem Kühlsystem. Die Regierung in Tokio rief daher den atomaren Notstand aus. 3000 Menschen im Umkreis von drei Kilometern um das Kraftwerk wurden aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen. In der Nacht zum Samstag ordnete Premier Kan an, die Evakuierungszone auf zehn Kilometer auszuweiten. Laut dem Kraftwerksbetreiber fehlte es an Strom, um ausreichend Kühlwasser in den Reaktorkern zu pumpen, da Notstromaggregate ausfielen. Das Unternehmen schaffte Generatoren heran und beschloss, Dampf aus der Reaktorhülle abzulassen, um den gestiegenen Druck im Inneren zu senken.

Nach Angabe von Kyodo trat möglicherweise Radioaktivität aus. Ein Messwert vor dem Reaktor habe den normalen Wert um das Achtfache überstiegen. Im Kontrollraum liege die Radioaktivität bereits um das Tausendfache über dem Normalwert. Sollte die Kühlung weiterhin versagen, droht eine Kernschmelze. Ein Brand in der Turbinenhalle eines Atommeilers in Onagawa wurde gelöscht.

Nach dem Erdbeben breiteten sich Flutwellen über den gesamten Pazifik aus. Zerstörung richteten die Wellen in Taiwan, Russland, den Philippinen und Indonesien aber nicht an. In Hawaii und an der Westküste der USA kamen bis zu zwei Meter hohe Wellen an.

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