Stärke von 8,8Schweres Seebeben vor Russlands Ostküste

Lesezeit: 3 Min.

Küstengebiete der russischen Insel Paramuschir im Norden der Kurilen sind teilweise überflutet.
Küstengebiete der russischen Insel Paramuschir im Norden der Kurilen sind teilweise überflutet. AFP

Das weltweit heftigste Beben seit Fukushima versetzt zahlreiche Länder in Alarmbereitschaft. Es gibt Verletzte, Überschwemmungen und Evakuierungen - größere Schäden bleiben aber aus.

Ein schweres Seebeben vor der russischen Halbinsel Kamtschatka hat im Pazifik-Raum zahlreiche Länder von Japan und den Philippinen über Hawaii bis zur US-Westküste und Lateinamerika in Alarmzustand versetzt. Gewarnt wurde vor teils meterhohen          Tsunami-Wellen. Größere Schäden blieben jedoch bislang aus; in einigen Ländern wurden die Warnungen nach einigen Stunden aufgehoben oder heruntergestuft.

Mit einer Stärke von 8,8 war das Beben laut der US-Erdbebenwarte USGS das weltweit stärkste seit der Katastrophe von Fukushima im März 2011 – und wurde seit Beginn der Messungen überhaupt nur von fünf Beben übertroffen.

Das Zentrum lag der USGS zufolge in der offenen See, etwa 130 Kilometer vor der nur dünn besiedelten Küste Kamtschatkas im Osten Russlands, und relativ tief unter dem Meeresboden. Es ereignete sich in der Nacht deutscher Zeit um kurz vor 1.30 Uhr.

Russland

Mehr als drei Meter hohe Tsunami-Wellen erreichten in der Nähe der Stadt Sewero-Kurilsk die russische Pazifikküste. Die stärkste Welle soll fünf Meter hoch gewesen sein, wie die staatliche russische Nachrichtenagentur RIA Nowosti unter Berufung auf Rettungsdienste berichtete. Das Wasser drang laut Alexander Owsjannikow, dem Verwaltungschef im Kreis Sewero-Kurilsk, 200 Meter tief ins Landesinnere vor.

In der Region Kamtschatka wurden mehrere Menschen verletzt. Im Norden der Inselgruppe Kurilen kam es zu Überschwemmungen. Auch in der Region Sachalin brandeten laut der Nachrichtenagentur Tass Tsunami-Wellen von drei bis vier Metern Höhe an Land. Berichte über Verletzte oder gar Tote gab es dort nicht. An verschiedenen Orten wurden Küstenbewohner in Sicherheit gebracht. Das Zivilschutzministerium hat die Tsunami-Warnung mittlerweile wieder aufgehoben.

Wenige Stunden nach dem Beben vor Kamtschatka brach auf der Halbinsel der höchste Vulkan aus. Am Kegel des 4750 Meter hohen Kljutschewskoj sei ein starkes Glühen zu beobachten, teilten Geophysiker von der Russischen Akademie der Wissenschaften mit. An einer Flanke laufe Lava herab, Explosionen seien zu hören. Der Berg, auch bekannt als Kljutschewskaja Sopka, gilt als der höchste aktive Vulkan Eurasiens.

Japan

In den Städten entlang der japanischen Pazifikküste ertönte Tsunami-Alarm und mehr als zwei Millionen Menschen im Land waren aufgefordert worden, sich in Sicherheit zu begeben. Arbeiter räumten das havarierte Atomkraftwerk (AKW) Fukushima, teilte der Betreiber Tepco mit. Dort war es 2011 nach einem verheerenden Tsunami infolge eines Erdbebens der Stärke 9,0 zu einer Kernschmelze im AKW und einer radioaktiven Katastrophe gekommen.

In Japan wurden drei Tsunami-Wellen registriert, die größte davon mit einer Höhe von 1,3 Metern. Kabinettschef Yoshimasa Hayashi sagte, es seien bislang keine Verletzten oder Schäden gemeldet worden, und es habe in keinem AKW Unregelmäßigkeiten gegeben.

Die nationale meteorologische Behörde senkte die Warnung mittlerweile auf die unterste Stufe herab, wie der Fernsehsender NHK am Abend meldete. Die Bewohner entlang der Pazifikküste sollen jedoch bis auf Weiteres vorsichtig bleiben.

Einwohner einer Stadt auf Hokkaido fahren mit ihren Autos in höher gelegene Gebiete.
Einwohner einer Stadt auf Hokkaido fahren mit ihren Autos in höher gelegene Gebiete. KYODO/via REUTERS

China, Taiwan, Philippinen und Indonesien

Erste Zeichen der Entspannung zeigten sich bereits am Nachmittag (Ortszeit) in China. Eine zuvor ausgegebene gelbe Tsunami-Warnung für die Küsten der Provinz Zhejiang und von Shanghai wurden wieder aufgehoben. Das teilte das zuständige Tsunami-Warnzentrum mit. Ganz entspannt ist die Lage aber nicht: Shanghai bereitet sich auf die Ankunft eines Tropensturms vor.

Die Philippinen hoben am Nachmittag (Ortszeit) ebenfalls ihre Warnung vor einem möglichen Tsunami auf. Basierend auf den verfügbaren Daten der Überwachungsstationen seien keine signifikanten Meeresspiegelschwankungen registriert worden, teilte das örtliche Institut für Vulkanologie und Seismologie (Phivolcs) mit. Alle bisher herausgegebenen Empfehlungen für die Bevölkerung seien damit aufgehoben.

Taiwan und Indonesien forderten Menschen in Küstennähe auf, sich in Sicherheit zu bringen. In Indonesien schlossen zum Teil Schulen, Strandresorts und Regierungsbüros.

USA, Kanada und Lateinamerika

Auf dem zu den USA gehörenden Archipel Hawaii kamen mehrere Flutwellen an, die höchste erreichte laut dem Sender CNN 1,50 Meter. Für die Inselgruppe im Pazifik, die Tausende Kilometer vom Erdbebengebiet entfernt liegt, galt zeitweise eine Warnung des staatlichen Tsunami-Warnzentrums.

Strände - allen voran auf der größten Insel Hawaii -waren zuvor evakuiert worden. Alle Häfen wurden für den Schiffsverkehr gesperrt. Die Flüge von und nach Maui seien für den Dienstagabend (Ortszeit) gestrichen worden, sagte Gouverneur Josh Green in einer Pressekonferenz. Etwa 200 Menschen hätten in einem Terminal Zuflucht gefunden. Die Flughäfen seien bislang nicht von Schäden betroffen.

Entlang der US-Westküste wie etwa in Kalifornien warnten Behörden vor den Wellen. Für Alaska und die kanadische Westküstenprovinz British Columbia galt ebenfalls besondere Vorsicht in Küstennähe.

Mehrere Länder Lateinamerikas gaben Warnungen vor Flutwellen heraus, darunter Mexiko, Guatemala, Ecuador, Peru und Chile.

Laut der Russischen Akademie der Wissenschaften handelte es sich um das heftigste Erdbeben auf der Halbinsel Kamtschatka seit 1952. Mit weiteren Nachbeben sei noch etwa einen Monat lang zu rechnen, sie könnten Stärken von bis zu 7,5 erreichen.

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