Erdbeben in Nepal:"Die Menschen hier sind sehr, sehr verängstigt"

Marie Theres Benner

Marie Theres Benner bei der Arbeit.

(Foto: oH)

In Nepal bebt erneut die Erde und die Menschen rennen um ihr Leben. Gesundheitsexpertin Marie Theres Benner ist für eine Hilfsorganisation vor Ort und erzählt, wie sie das Beben erlebt hat.

Von Christoph Meyer

Marie Theres Benner ist als Gesundheitsexpertin der Hilfsorganisation Malteser International seit Ende April in Nepal. Nach dem schweren Nachbeben bricht zunächst das Telefonnetz zusammen, drei Stunden nach der Erschütterung erreichen wir Benner schließlich in Dhuli Khel, etwa 25 km östlich von Kathmandu. Die Verbindung ist schlecht, dennoch kann sie erzählen, wie es jetzt vor Ort aussieht.

SZ.de: Wie haben Sie das Beben erlebt?

Marie Theres Benner: Wir hatten gerade unser Büro in Kathmandu verlassen und waren im Auto auf dem Weg in den Nordosten des Landes, als plötzlich Tausende Menschen auf die Straßen rannten. Das war um 13 Uhr. Im Auto hat man zuerst nichts gemerkt von der Erschütterung, aber in den Gesichtern der Menschen konnte man sehen, was vor sich ging. Man konnte die Angst sehen. Sie waren richtig panisch.

Was ist dann passiert?

Dann spürten auch wir das Beben. Es fühlte sich an wie ein Wellengang, der die Straße erfasst hatte. Das dauerte etwa 15 Sekunden. Wir befanden uns auf einer größeren Kreuzung. Es dauerte einige Zeit, bis wir uns einen Weg durch die Menschenmenge bahnen konnten.

Konnten Sie auf der Fahrt durch die Stadt Zerstörungen erkennen?

Ein Haus, das sich noch im Bau befand, ist eingestürzt. Es ist schwer zu beurteilen, welche Zerstörungen noch vom vorherigen Beben stammen. Sicherlich sind aber viele Gebäude, die bereits Risse hatten, jetzt endgültig in sich zusammengefallen.

Wie geht es den Menschen jetzt?

Der mentale Schaden ist jedenfalls immens. Die Menschen hier sind sehr, sehr verängstigt. Sie hatten sich gerade nach und nach wieder in ihre Häuser zurückgetraut. Jetzt werden sie wohl wieder im Freien übernachten. Überall richten sich die Leute schon mit Zelten und Decken ein.

Was machen Sie in Nepal?

Ich bin nach dem ersten Erdbeben hingeflogen und seit dem 29. April dort. Ich leite für den Malteser Hilfsdienst ein Erkundungsteam. Wir stellen fest, was die Menschen im Einzelnen brauchen - also welche speziellen Antibiotika fehlen und wie man das Trinkwasser wieder sauber bekommt.

Was bedeutet das neuerliche Beben für Ihre Arbeit?

Wir konnten heute nicht wie geplant in den Nordosten fahren. Dort liegt das Epizentrum des Bebens. Die vergangenen beiden Nächte hat es stark geregnet. Man muss damit rechnen, dass es nun zu Erdrutschen kommt, die weitere Zerstörungen anrichten. Das ist auch für uns sehr gefährlich. Weitere Beben sind nicht ausgeschlossen. Wir müssen daher erst beraten, wie wir unsere Arbeit weiter fortsetzen können.

© SZ.de/afis/leja
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