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Erdbeben in Italien:Das Wunder von Ischia

Italian Carabinieri police officer and a doctor carry a child after an earthquake hit the island of Ischia, off the coast of Naples

Bei dem Beben der Stärke vier auf Ischia kommen zwei Frauen ums Leben, aber dieses Baby wird aus den Trümmern gerettet.

(Foto: Stringer/Reuters)

Auf der italienischen Ferieninsel bebt am Montagabend die Erde, zwei Frauen kommen ums Leben, Dutzende Menschen werden verletzt. Aber die drei Brüder Ciro, Mattias und Pasqualino können gerettet werden.

15 Stunden unter den Trümmern, beschützt vom Gestänge eines Etagenbetts. Als die Feuerwehrleute und Zivilschützer endlich auch Ciro befreit hatten, den dritten von drei verschütteten Brüdern, elf Jahre alt, da ertönte ein langer, lauter Applaus über den staubigen Steinbergen von Casamicciola, einem Dorf auf der Insel Ischia vor Neapel. Am Montagabend, um 20.57 Uhr, war der Ort von einem Erdbeben erschüttert worden. Nur Stunden vor Ciro war Mattias, sieben, aus dem Trümmerhaufen gezogen worden. Wie durch ein Wunder war auch Pasqualino unversehrt geblieben, ein Baby, sieben Monate alt. Der Vater der drei Jungen wurde mit einem gebrochenem Arm gerettet. Die Mutter, erneut schwanger, blieb ganz unverletzt und zeigte den Helfern, wo sie suchen mussten. Da Ciro ein Handy hatte, konnten Eltern und Helfer mit den Brüdern reden, sie beruhigen, sich behutsam zu ihnen vorarbeiten. Das Glück der Familie ist die einzige schöne Note im Drama von Ischia.

Beim Beben der Stärke vier kamen zwei Frauen ums Leben, mehrere Dutzend Menschen wurden verletzt, 2600 verloren ihr Obdach. Und einmal mehr klagt man nun in Italien über das eigene Unvermögen, den vielen Gefahren der Natur gebührend zu lauschen und entsprechend zu bauen: Unter dem Land reiben sich Erdplatten, es staut sich da und dort Magma, der Boden ist nie still. Auch die Ferieninsel Ischia, beliebt bei Kanzlerin Angela Merkel, die da schon ihren Osterurlaub verbracht hat, ist vulkanisch und seismisch. Das weiß man spätestens seit 1883, als ein Erdbeben 2313 Menschenleben forderte - hauptsächlich in Casamicciola. Die Hälfte der Dorfbevölkerung kam damals um. Daher rührt das geflügelte Wort: "Hier passiert Casamicciola!" Man kennt den Spruch in ganz Italien, er steht für: Hier ist Chaos.

Doch die Erinnerung verblasst schnell. Viele Häuser auf Ischia sind nicht erdbebensicher. Um die bürokratischen Prozeduren und die Schutzauflagen zu meiden, wurde oft illegal gebaut. Nach dem Beben stritten sich die Experten über Stärke und Art der Erschütterung. Die Direktorin des Observatoriums für den Vesuv und die übrigen Vulkane in der Gegend, Francesca Bianco, beruhigte die Bevölkerung: Das Beben sei kein Signal des Vulkans von Ischia, sondern ein tektonisches. Der Vulkan ist zwar noch aktiv, er sorgt aber vor allem dafür, dass die beliebten Thermen von Ischia aus heißen Quellen genährt werden. Am Tag nach dem Beben haben 11 000 Touristen und Bewohner die Insel aus Furcht vor Nachbeben verlassen.