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Erdbeben:230 Tote in Mexiko - Mann nach 24 Stunden gerettet

  • Nach dem schweren Erdbeben in Mexiko ist die Zahl der Todesopfer auf 250 gestiegen.
  • Rettungskräfte und Freiwillige versuchen weiterhin, Verschüttete zu retten - aber die Zeit wird langsam knapp.

Es ist ein dramatischer Wettlauf gegen die Zeit: Nach dem Erdbeben in Mexiko mit mindestens 250 Toten wird noch immer in den Trümmerbergen nach Überlebenden gesucht. Gelegentliche Erfolge geben Hoffnung: So konnte am Mittwochnachmittag Ortszeit ein Mann nach 24 Stunden aus den Trümmern eines teilweise eingestürzten Gebäudes in Mexiko-Stadt gerettet werden.

Helfer konnten zudem Kontakt zu einem verschütteten Mädchen in einer Schule aufnehmen. Die Abteilung für soziale Entwicklung in Mexiko-Stadt erklärte, die Suche nach Überlebenden werde nicht eingestellt.

Das verheerende Erdbeben in Mexiko hat mindestens 230 Menschen das Leben gekostet. Wie der Leiter des Zivilschutzes, Luis Felipe Puente, mitteilte, starben allein 100 Menschen in der Millionenmetropole Mexiko-Stadt. Hier stürzten knapp 50, teils sehr hohe Gebäude ein und begruben Menschen unter sich. Die vielen verschiedenen Orte, an denen das Beben der Stärke 7,1 Menschen getötet und Gebäude zerstört hat, machen es für die Behörden schwer, die genaue Opferzahl festzustellen.

In der Hauptstadt beteiligen sich Tausende Freiwillige am Abtragen der Schuttberge und versorgen Menschen mit Wasser und Essen. Überall in den betroffenen Städten und Gemeinden, auch außerhalb der Metropolregion, bilden sich Menschenketten, um Schuttteile weiterzureichen und so die Trümmer wegzuschaffen.

"Ohne zu essen kann man einige Tage überleben"

Dramatisch sind auch die Rettungsbemühungen in den Trümmern einer eingestürzten Schule in Mexiko-Stadt. Hier wurden 21 Kinder und vier Erwachsene getötet, die Grundschule "Enrique Rébsamen" wurde zum Symbol für den Kampf um die verschütteten Menschen, auch mehr als 30 Stunden nach dem Beben wird fieberhaft gearbeitet, um unter anderem ein dort vermutetes zwölfjähriges Mädchen noch lebend zu bergen.

Nach Angaben von Rettungskräften können Menschen bis zu drei Tage nach so einer Katastrophe lebend geborgen werden. "Das ist abhängig von der Witterung und von der Trümmerstruktur, von den Hohlräumen, in denen sich die noch Lebenden befinden", sagte Daniela Lesmann, Leiterin der Rettungsorganisation I.S.A.R.. "Ohne zu essen kann man einige Tage überleben. Ohne Wasser wird es nach 72 Stunden, je nach Witterung, sehr schwierig."

Der Erdstoß hatte sich genau am Jahrestag des verheerenden Erdbebens vom 19. September 1985 ereignet. Damals starben nach Schätzungen knapp 10 000 Menschen. Das aktuelle Beben hatte eine Stärke von 7,1, das Zentrum lag etwa 130 Kilometer südöstlich von Mexiko-Stadt bei Axochiapan.

Neben der Hauptstadt waren besonders die Bundesstaaten Morelos und Puebla betroffen. Im Bundesstaat Puebla stürzte in Atzala eine Kirche aus dem 17. Jahrhundert ein. Wie lokale Medien berichteten, hatte gerade eine Taufe begonnen, als um 13.14 Uhr die Erde bebte und das Kirchendach einstürzte. Das Mädchen, das getauft werden sollte, wurde erschlagen, der Priester und ein Messdiener konnten fliehen. Elf Menschen kamen hier ums Leben.

Aus zahlreichen Ländern, darunter auch Deutschland, werden Helfer geschickt. Mexiko ist eines der erdbebengefährdetsten Länder der Welt. Viele der nun in der Hauptstadt beschädigten oder eingestürzten Gebäude wurden vor dem Erdbeben 1985 gebaut und entsprachen nicht den später eingeführten strengeren Baunormen. Mexiko liegt am Pazifischen Feuerring, eine Zone entlang der Küsten des Pazifischen Ozeans. Hier treffen verschiedene Platten der Erdkruste aufeinander. Es kommt immer wieder zu starken tektonischen Verschiebungen und Verwerfungen.

© SZ.de/dpa/AFP/AP/afis/feko/dd

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