bedeckt München 24°
vgwortpixel

Missbrauchsskandal:FBI untersucht Tod von Jeffrey Epstein

FILE PHOTO: Jeffrey Epstein appears in a photo taken for the NY Division of Criminal Justice Services' sex offender registry

Jeffrey Epstein auf einem Bild, das die Justizbehörden veröffentlichten.

(Foto: REUTERS)
  • Nach dem Tod des angeklagten US-Unternehmers Jeffrey Epstein hat das FBI Ermittlungen aufgenommen.
  • Der in elitären Zirkeln bestens vernetzte Epstein hatte sich in seiner Zelle in Manhattan umgebracht.
  • Der 66-Jährige wurde beschuldigt, zwischen 2002 und 2005 Dutzende Mädchen missbraucht zu haben. Ihm drohten bis zu 45 Jahre Haft.
  • Für Empörung sorgte US-Präsident Trump, der auf Twitter eine Verschwörungstheorie über die genauen Umstände des Todes retweetete.

Nach dem Tod des angeklagten US-Unternehmers Jeffrey Epstein hat das FBI Ermittlungen aufgenommen. Neben den Untersuchungen der Bundespolizei leitete Justizminister William Barr auch interne Ermittlungen im Ministerium in die Wege. Dabei wird es vermutlich auch darum gehen, wie Epstein allem Anschein nach gleich zweimal versuchen konnte, sich das Leben zu nehmen.

Der wegen des Missbrauchs Minderjähriger angeklagte Epstein nahm sich in einem New Yorker Gefängnis das Leben. Am Samstagmorgen gegen 6.30 Uhr (Ortszeit) war der in elitären Zirkeln bestens vernetzte Geschäftsmann in seiner Zelle aufgefunden worden und nicht ansprechbar gewesen, teilte die US-Bundesgefängnisbehörde mit. Wie die New York Times und ABC als Erste berichteten, hat der 66-Jährige sich in seiner Zelle erhängt. Epstein ist mit Herzstillstand noch in ein Krankenhaus gebracht worden, dort wurde er für tot erklärt.

Justizminister Barr teilte mit, er sei entsetzt darüber, dass Epstein nach einem "offenkundigen Suizid" in seiner Zelle in einem Bundesgefängnis in New York leblos aufgefunden wurde. "Herr Epsteins Tod wirft ernste Fragen auf, die beantwortet werden müssen." Eine mit der Angelegenheit vertraute Person sagte der Nachrichtenagentur AP, Barr sei "wütend" gewesen, dass es Epstein gelungen sei, sich das Leben zu nehmen.

Die New Yorker Staatsanwaltschaft hatte im Juli Anklage gegen den Finanzberater und Multimillionär erhoben. Sie beschuldigt ihn, zwischen 2002 und 2005 mehr als 80 minderjährige Mädchen missbraucht zu haben. Epstein habe in New York und Florida einen illegalen Sexhandelring aufgebaut, heißt es in der Anklageschrift. Einige der Mädchen seien erst 14 Jahre alt gewesen und mit großen Summen Bargeld angelockt worden. Epstein drohten bis zu 45 Jahre Haft. Er plädierte auf nicht schuldig.

Seine Anwälte hatten versucht, ihn in seiner Villa in der Upper East Side unter Hausarrest stellen zu lassen, bis der Prozess beginnt. Ein Richter verweigerte Epstein den Wunsch, weil er eine "Gefahr für andere und die Gemeinschaft" sei - und weil er fliehen könnte.

Epstein soll nach Angaben der Staatsanwaltschaft ein Vermögen von mehr als 500 Millionen Euro gehabt haben. Er besaß neben den Anwesen in New York und Palm Beach (Florida) eine Ranch in New Mexico sowie eine kleine Privatinsel auf den Amerikanischen Jungferninseln und zwei Privatjets.

Kurz nachdem US-Medien den Tod des Unternehmers vermeldet hatten, begannen die Spekulationen über die genauen Umstände. Vor allem in den sozialen Medien kursieren seitdem diverse Verschwörungstheorien darüber, ob Epstein wirklich Suizid begangen habe oder nicht. Für große Empörung sorgte dabei US-Präsident Donald Trump, der einen Tweet des Trump-nahen Comedians Terrence Williams retweetete. Williams legte nahe, dass Bill Clinton etwas mit dem Tod zu tun gehabt haben soll. Epstein habe "Informationen" über den Ex-Präsidenten gehabt - und nun sei er tot.

Epstein stand zeitweise unter Beobachtung wegen Suizidgefahr

Ende Juli war Epstein halb bewusstlos in seiner Zelle gefunden worden, mit Spuren an seinem Hals. Unklar blieb seinerzeit, ob Epstein sich die Verletzungen selbst zugefügt hatte oder ob er von anderen Insassen angegriffen worden war.

Der Unternehmer stand nach dem Vorfall wegen Suizidgefahr zeitweise unter besonderer Beobachtung, wurde täglich psychologisch betreut, wie mehrere Medien berichten. Laut New York Times war Epstein in der Nacht seines Todes in einer besonderen Zelle mit strengen Sicherheitsvorkehrungen untergebracht gewesen - er stand aber nicht mehr unter Beobachtung wegen Suizidgefahr. Die sogenannte suicide watch sei nach nur sechs Tagen aufgehoben worden, schreibt die Zeitung.

Einen solchen Schritt kann einer Richtlinie der Bundesgefängnisbehörde zufolge nur der leitende Haftanstaltspsychologe anordnen: Dieser muss zuvor ein persönliches Gespräch mit dem suizidgefährdeten Häftling führen und ein Gutachten anfertigen, in dem er skizziert, inwieweit sich der Zustand des Gefangenen verbessert hat. Ob das Metropolitan Correctional Center dieser Richtlinie im Fall Epstein folgte, ist unklar.

Die Einrichtung unweit der Brooklyn Bridge in Lower Manhattan untersteht offiziell dem Justizministerium. Das Gefängnis ist bekannt für seine strenge Sicherheit und bekannte Insassen - unter ihnen Terroristen, Wirtschaftskriminelle und jüngst der mexikanische Drogenbaron Joaquín "El Chapo" Guzmán.

"Wir werden weiter für Gerechtigkeit für unsere Mandanten kämpfen"

Brad Edwards, der Anwalt von knapp zwei Dutzend mutmaßlichen Epstein-Opfern, teilte am Samstag mit, dies sei "nicht das Ende, nach dem irgendjemand gesucht hat. Die Opfer verdienen es zu sehen, dass Epstein zur Rechenschaft gezogen wird, und er schuldete es jedem, den er verletzt hat, Verantwortung für all die Schmerzen zu übernehmen, die er verursacht hat."

"Der Feigling und Serientäter hat sich vielleicht das Leben genommen", sagte der Anwalt Josh Schiller, der ebenfalls mehrere mutmaßliche Opfer vertritt, der Nachrichtenagentur Bloomberg. "Aber wir werden weiter für Gerechtigkeit für unsere Mandanten kämpfen." Damit meint Schiller etwa eine Zivilklage wegen Verleumdung, die seine Mandantin Virginia G. gegen eine enge Freundin von Epstein angestrengt hat, Ghislaine Maxwell. Sie soll Epstein bei der Suche nach Opfern unterstützt haben.

Der Fall Epstein kostete einen US-Minister das Amt

Erst am Freitag hatte ein Berufungsgericht in New York Hunderte Seiten in diesem Fall freigegeben. Sie dokumentieren unter anderem einen scheinbar unstillbaren Durst Epsteins nach sexueller Befriedigung. Vor allem aber nennen Zeugen und auch das mutmaßliche Opfer G. die Namen von Menschen, von denen sie missbraucht worden sein soll. Dazu zählt auch der britische Prinz Andrew, Sohn von Königin Elizabeth II. Er soll G. unter anderem an die Brüste gefasst haben. In den Gerichtsdokumenten gibt es auch ein Foto, das in dem Londoner Privathaus von Epsteins Freundin Maxwell entstanden sein soll. Darauf ist zu sehen, wie Prinz Andrew seine Hand um die entblößte Hüfte von G. legt. Sie soll zu diesem Zeitpunkt noch minderjährig gewesen sein. Vor einigen Jahren hatte sie Prinz Andrew schon einmal sexuelles Fehlverhalten vorgeworfen, die Anschuldigungen waren damals vom Buckingham Palace dementiert worden. An diesem Freitag wiederholte ein Sprecher das Statement: "Jeder Vorwurf unschicklicher Handlungen mit Minderjährigen ist grundsätzlich unwahr."

Disgraced US financier Epstein committed suicide in prison: media

Der New Yorker Staatsanwalt Geoffrey Berman bei der Bekanntgabe der Anklage gegen Epstein (Archivbild vom 8. Juli 2019).

(Foto: AFP)

Jeffrey Epstein galt als gut vernetzt, Prominente und hochrangige Politiker besuchten seine Feste und Empfänge, darunter Donald Trump und Bill Clinton. Vor knapp einem Monat musste US-Arbeitsminister Alexander Acosta in dem Missbrauchsskandal um Epstein zurücktreten. Hintergrund war ein umstrittener Deal vor mehr als zehn Jahren, der dem Unternehmer ein Verfahren vor einem Bundesgericht ersparte - und dem Acosta als damaliger Staatsanwalt in Florida zustimmte.

Epstein war 2008 einem Bundesverfahren wegen Missbrauchsanschuldigungen entgangen, indem er eine Vereinbarung mit der Staatsanwaltschaft auf Bundesebene einging, die ihn vor weiteren Ermittlungen bewahrte. Epstein bekannte sich damals schuldig, Klienten mit minderjährigen Prostituierten versorgt zu haben, und saß eine Gefängnisstrafe von 13 Monaten ab - unter gelockerten Bedingungen. Im Gegenzug kam er ohne Verfahren vor einem Bundesgericht davon. Durch den Deal entging Epstein letztlich wohl einer langen Haftstrafe.

Anmerkung der Redaktion: Wir gestalten unsere Berichterstattung über Suizide bewusst zurückhaltend und verzichten, wo es möglich ist, auf Details. Wenn Sie sich selbst betroffen fühlen von Suizidgedanken, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge (http://www.telefonseelsorge.de). Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhalten Sie Hilfe von Beratern, die schon in vielen Fällen Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen konnten.

Kriminalität Die Journalistin, die Jeffrey Epstein überführte

Julie K. Brown vom "Miami Herald"

Die Journalistin, die Jeffrey Epstein überführte

Julie K. Brown hat im Alleingang den Job der amerikanischen Justiz gemacht. Eineinhalb Jahre recherchierte sie, um die Opfer des US-Milliardärs zum Reden zu bringen.   Von Alan Cassidy, Washington