Ukraine:Geiselnahme mit 13 Buspassagieren endet unblutig

A view shows a passenger bus seized by an unidentified person in Lutsk

Ein bewaffneter Mann hatte in der Ukraine einen Bus mit 20 Menschen entführt.

(Foto: TETIANA HRISHYNA/REUTERS)

Über mehrere Stunden hält ein schwer bewaffneter Mann die Menschen in seiner Gewalt. Die Hintergründe der Tat bleiben unklar.

Eine Geiselnahme in der Westukraine endete am Dienstagabend ohne Verletzte. Ein schwerbewaffneter Mann hatte in der Stadt Luzk einen halben Tag lang mehr als ein Dutzend Menschen in einem Linienbus in seiner Gewalt. Der Mann hatte am Dienstagmorgen 13 Menschen in dem Überlandbus in der Stadt in der Ex-Sowjetrepublik in seine Gewalt gebracht. Er hatte ein Sturmgewehr, eine Pistole und Handgranaten bei sich und drohte damit, Sprengsätze in der Stadt zünden zu wollen. Nach stundenlangen Verhandlungen stürmten Einsatzkräfte am Abend den Bus, der Mann ergab sich und wurde festgenommen. Es gab keine Verletzten.

Nach dem glücklichen Ende der Geiselnahme wollen die Ermittler mehr über den Täter herausfinden. Der Mann werde wegen Terrorismus und Geiselnahme angeklagt, teilte Vize-Innenminister Anton Geraschtschenko nach der Befreiung der Geiseln mit. Zudem soll, wie in solchen Fällen üblich, ein psychiatrisches Gutachten des Täters erstellt werden. Dem Mann, der zuvor schon im Gefängnis saß, drohen bis zu 15 Jahre Haft.

Ungewöhnlich waren die Forderungen des Täters, der in den ukrainischen Medien auch als Tierschützer beschrieben wird. Zunächst forderte er, dass sich unter anderem Vertreter von Kirche und Staat öffentlich als "Terroristen" bezeichnen. Präsident Wolodimir Selenskij telefonierte sogar minutenlang mit dem Mann und ließ sich darauf ein, ein kurzes Video auf seiner Facebook-Seite zu posten. Darin wirbt Selenskij dafür, die US-Dokumentation "Earthlings" über Tierschutz aus dem Jahr 2005 anzuschauen. Das soll der Täter, der sich wohl für Tierrechte in seiner Heimat einsetzt, von Selenskij gefordert haben. Das Video wurde nach der Freilassung wieder von der Seite gelöscht. Beobachter befürchten jedoch, dass Selenskij, der erst seit einem Jahr im Amt ist, mit dem Eingehen auf die Forderung Trittbrettfahrer zum Nachahmen ermutigen könnte.

Über den Täter gibt es indes bislang kaum gesicherte Informationen. Der Mann soll den Behörden bekannt sein. Während mehrjähriger Gefängnisstrafen soll der in Russland geborene 44-Jährige Medienberichten zufolge ein Buch mit dem Titel "Philosophie eines Verbrechers" geschrieben haben. Er sei zudem in psychiatrischer Behandlung gewesen, hieß es.

© SZ/AP/dpa/lot/bix/mpu
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