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Entführte Kinder aus Niedersachsen:"Mama, warum weinst du?"

Für sie war es ein viermonatiger Albtraum: Vergangene Woche hat Katja Hüls ihre vier kleinen Kinder zurückbekommen, die ihr Ex-Mann am Ostermontag nach Ägypten verschleppt hatte. Jetzt hat sich die 31-Jährige aus Niedersachen unter Tränen bei allen Helfern bedankt - und den Moment beschrieben, als die Kinder nach Wochen der Angst am Frankfurter Flughafen auf sie zuliefen.

Nach der Rückkehr ihrer vier nach Nordafrika verschleppten Kinder hat die Mutter von Benjamin, Miriam, Jonas und Lisa allen Helfern gedankt. "Ohne diese Hilfe hätte ich es nicht geschafft", sagte die 31-jährige Katja Hüls mit tränenerstickter Stimme bei einer Pressekonferenz in Hannover. Der eigene Vater, der kein Sorgerecht hat, hatte die vier- bis neunjährigen Kinder aus dem niedersächsischen Hermannsburg entführt. Am Mittwoch wurde er mit ihnen in Ägypten aufgespürt.

Pressekonferenz mit der Mutter der vier nach Aegypten entfuehrten Kinder

Katja Hüls bedankt sich bei einer Pressekonferenz in Hannover unter Tränen bei allen, die ihr geholfen haben, ihre vier Kinder wieder zu bekommen.

(Foto: dapd)

Die Altenpflegerin erzählte vom Tag der Entführung am Ostermontag, als ihr Ex-Mann vorgab, die Kinder zu einer Radtour abzuholen, um dann mit ihnen zu verschwinden. "Es war der schrecklichste Tag meines Lebens", sagte sie. An diesem Tag habe für sie ein Albtraum begonnen. "Ich bin nicht in die Kinderzimmer gegangen und habe die Türen zugelassen. Die leeren Betten der Kinder mit ihren Lieblingsstofftieren, die sie nicht bei sich hatten, das Spielzeug, die Fußballfotos, die selbst gemalten Bilder, der Kickertisch, die Schulsachen, die Bücher - das zerriss mir das Herz", erzählte sie.

Während Axel Hüls mit den Kindern durch Ägypten und Sudan reiste, begann eine fieberhafte Suche nach den Vermissten. Nach Axel Hüls wurde mit vollem Namen mittels internationalem Haftbefehl wegen "Entziehung Minderjähriger in das Ausland" gefahndet. Die Mutter wandte sich verzweifelt an die Presse, auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle schaltete sich in den Fall ein.

Axel Hüls, der gelernter Krankenpfleger ist, soll sich in den vergangenen Jahren zum radikalen Christen gewandelt haben. Es wird vermutet, dass er deshalb die Kinder dem Einfluss der Mutter entziehen und sie nach seinen Vorstellungen erziehen wollte. Katja Hüls selbst sagte, sie könne über die Motive nichts sagen: "Ich weiß nicht, warum er das gemacht hat."

Vergangene Woche wurden alle fünf in Ägypten aufgespürt. Die Mutter wurde telefonisch informiert, wenige Stunden später liefen die Kinder am Frankfurter Flughafen auf sie zu. Als sie die vier gesehen und in die Arme geschlossen habe, habe sie Freudentränen vergossen, sagte Katja Hüls. "Der erste Satz meiner Kinder lautete: 'Mama, warum weinst Du?'". Den vier Kleinen gehe es nach ihrer Rückkehr gut. "Sie spielen viel und haben Spaß miteinander."

Axel Hüls ist ebenfalls zurück nach Deutschland geflogen, er sitzt nun als Beschuldigter wegen des Vorwurfs des Kindesentziehung in Untersuchungshaft. Bislang hat er nach Angaben der Staatsanwaltschaft keine Aussage über sein Motiv gemacht. "Er wollte sich mit seinem Anwalt beraten und dies dauert zur Zeit noch an", sagt der Celler Oberstaatsanwalt Lars Janßen.

Ein vorläufiger Schlussstrich

Katja Hüls erklärte, ihren Ex-Mann momentan nicht sehen zu wollen. Sie bedankte sich bei ihrer Familie, den Schwiegereltern, den Freunden, der Kirchengemeinde, den Botschaften und Politikern für die Unterstützung. Doch ihr 20-minütiger Auftritt solle auch ein vorläufiger Schlussstrich sein, um die Geschwister und sich selbst zu schützen. "Bitte geben Sie meinen Kindern und mir die Möglichkeit, so schnell wie möglich in unseren Alltag zurückzufinden, indem Sie unsere Privatsphäre respektieren", sagte sie.

Nach der Rückkehr würden die Kleinen nun zunächst psychologisch betreut. "Wir sind noch nicht in Hermannsburg. Ein Zeitpunkt steht noch nicht fest", sagt Katja Hüls. Auch ein Zeitpunkt, ab wann die vier wieder wieder in die Schule und in den Kindergarten gehen können, sei noch unklar. Nur eines stehe fest: "Sie sind froh, ihre Mama wieder zu haben."