Entführte Kinder aus Niedersachsen Die Töchter wirken zufrieden - aber eingeschüchtert

Seit dem 27. April wird Hüls mit internationalem Haftbefehl gesucht - wegen "Entziehung Minderjähriger in das Ausland" steht über seinem Fahndungsfoto, darunter sein voller Name. Den ersten Tipp bekommt die Polizei erst zwei Wochen später: Eine Deutsche, die mit dem Auto durch Afrika reist, hat den 37-Jährigen auf einer Fähre vom ägyptischen Assuan in den Sudan getroffen.

In Wadi Halfa, einer 10.000-Einwohner-Stadt in Nordsudan, legt das Schiff an, Hüls geht von Bord. Im Hotel macht die deutsche Touristin ein Foto seiner Töchter: Lisa trägt darauf ein kariertes Kleidchen, Miriam eine kurze Hose mit Blümchenmuster, im Hintergrund ist eine gelb getünchte Wand zu sehen, der Putz bröckelt. Sehr zufrieden hätten die beiden gewirkt, sagt die Frau später, aber auch eingeschüchtert. "Man hatte den Eindruck, der Vater hätte ihnen verboten, mit Fremden zu sprechen."

Ein radikaler Christ in einem muslimischen Land

Viel gibt es in Wadi Halfa nicht zu sehen. Flache Lehmhäuser, eine türkisfarbene Moschee, viel Staub. Bis heute rätselt die Polizei, was Hüls hier wollte - als radikaler Christ in einem mehrheitlich muslimischen Land. Im Hotel erzählt er, er wolle mit dem Bus nach Karthum fahren, auch Tickets soll er schon gekauft haben. Ob Hüls wirklich aufgebrochen ist, bleibt jedoch unklar. 1000 Kilometer wären es bis in die sudanesische Hauptstadt, mit schrottreifen Bussen über holprige Pisten, bei über 40 Grad durch den unwirtlichen Wüstenstaat.

Am 23. Juni, acht Wochen nach der Entführung, fliegt Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) nach Khartum. Der Besuch ist schon seit Monaten geplant. Mit seinem sudanesischen Amtskollegen Ali Karti will er über die Unabhängigkeit des Südsudan sprechen. Jetzt ist auch der Fall Hüls ein Thema. Der Entführer könnte sich nur wenige hundert Meter entfernt in einem der Hotels unten am Nil versteckt halten. Sudans Außenminister Karti ist gut vorbereitet. Gesprächsteilnehmer berichten später, der graubärtige Politiker habe eine Mappe mit Informationen vor sich liegen gehabt.

Westerwelle tritt später in einem UN-Camp in Darfur vor die mitgereisten Journalisten. Es gebe Erkenntnisse, dass Axel Hüls am 19. Mai wieder zurück nach Ägypten gereist sei, erklärt der Außenminister. Hüls sei mit der Fähre wieder nach Assuan gefahren. Im Hafen, zwischen den weißen Segeln der traditionellen Feluken, verliert sich jedoch seine Spur. Auch ein Fahndungsaufruf in der ZDF-Sendung Aktenzeichen XY ... ungelöst bringt die Ermittler nicht weiter.