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Engagement der Popsängerin:Malawi erhebt schwere Vorwürfe gegen Madonnas Hilfsprojekte

Malawische Regierung übt Kritik an Madonnas Hilfsprojekten

Madonna hat ein Herz für die Kinder Malawis - dennoch folgt bei ihren Hilfsprojekten eine Panne auf die nächste.

(Foto: Süddeutsche.de/rtr)

Sie versprach zehn Schulen und baute stattdessen ein paar Klassenräume: Nach der großen Pleite eines Bauprojekts 2011 gerät Madonnas Hilfsorganisation "Raising Malawi" nun erneut in die Schlagzeilen.

Familienausflug à la Madonna: Gemeinsam mit ihren beiden Adoptivkindern Mercy James und David Banda reiste die 54-jährige "Queen of Pop" vorige Woche nach Malawi und zeigte ihren beiden Schützlingen das Land, in dem sie geboren wurden. Tochter Lourdes und Sohn Rocco waren auch dabei. Die Gerüchteküche brodelte, viele Boulevardmedien fragten: Will sie etwa erneut adoptieren? Vor zwei Jahren war die US-Sängerin zuletzt zu wohltätigen Zwecken in dem kleinen afrikanischen Staat. Damals hatte sie große Versprechungen gemacht. Versprechungen, die sie nach Meinung der malawischen Regierung bis heute nicht umgesetzt hat.

Schon im Jahr 2011 war ein großes Hilfsprojekt, dessen Kosten auf 15 Millionen US-Dollar geschätzt wurden, gescheitert. Der Vorsitzende der Organisation "Raising Malawi" habe 3,8 Millionen US-Dollar für Gehälter, Dienstwägen und Golfclubmitgliedschaften verschwendet, anstatt das Geld für den Bau einer geplanten Mädchenschule zu verwenden, berichteten zahlreiche Medien damals. Das Projekt wurde noch vor dem Baubeginn abgebrochen. Madonna erklärte sich jedoch trotz des verlorenen Geldes bereit, den Bau von zehn weiteren Schulen zu finanzieren - die laut der malawischen Bildungsministerin Eunice Kazembe nie gebaut wurden.

"Sie haben gesagt... sie haben zehn Schulen gebaut", zitiert BBC News die Ministerin jetzt. "Sie [Madonna] hat Klassenräume in bereits existierenden Schulen gebaut... das sind doch wirklich verschiedene Begriffe." Die erneute Aufregung um ein Hilfsprojekt von Madonna lässt einige Fragen offen: Hat der Superstar seine Projekte und die mit der Umsetzung Beauftragten im Griff? Kümmert es Madonna überhaupt, was mit dem von ihr gespendeten Geld passiert? Wenn ja, wie können dann solche Pannen passieren? Oder ist ihre Nächstenliebe doch nur ein im großen Stil aufgezogener PR-Gag?

Auch Madonna muss sich an Absprachen halten

Trevor Neilson, Präsident von Madonnas "Global Philantropy Group", zu der auch die Projekte von "Raising Malawi" gehören, versuchte in einem offiziellen Statement den Vorwurf zu entschärfen: Es seien immerhin 400.000 US-Dollar in die zehn neuen Schulblocks investiert und somit Raum für 4000 Kinder geschaffen worden, die zuvor unter freiem Himmel unterrichtet wurden.

Malawi sei dankbar für die Madonnas Unterstützung, betonte Kazembe, doch sollten Vereinbarungen auch eingehalten werden und das Bildungsministerium über die Pläne der Wohltätigkeitsorganisationen informiert sein. Auch damals, als die Sängerin eine Akademie für Mädchen versprochen hatte, habe sie das Projekt ohne Absprache mit der malawischen Regierung abgebrochen.

"Wir möchten, dass sie mit uns zusammenarbeitet, damit ihre Pläne in die Strategien für die malawische Bildung mit einbezogen werden können." Das gelte für alle Organisationen, die Malawi in Sachen Bildung helfen wollen - auch für Madonna.

© Süddeutsche.de/dpa/kad
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