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Ende der Versteigerung:Königlich versilbert

Neu war die Idee nicht, aber ertragreich: Die Welfen haben durch die Versteigerung von über 20.000 Objekten aus dem Familienbesitz fast 44 Millionen Euro erlöst.

Nach Abschluss der größten Auktion dieser Art hat nun auch Uri Geller ein paar neue Löffel. Der spirituelle Magier aus der Schweiz lebt seit vielen Jahren so gut von der Behauptung, Besteck nur mit Kraft seiner Gedanken verbiegen zu können, dass er 2904 Euro für ein paar Suppenlöffel übrig hatte. Das Silberbesteck von Georg III., König von Hannover und England, kam als eines von 3660 Losen bei der Welfen-Auktion auf Schloss Marienburg unter den Hammer. Mehr als 20.000 Objekte versteigerte das Haus Hannover an neun Tagen, erlöste 43,95 Millionen Euro und bescherte damit dem Auktionshaus Sotheby's die größte Hausauktion seiner Geschichte.

Marienburg

Auf der Marienburg südlich von Hannover wurde der Familienschatz versteigert.

(Foto: Foto: AP)

1993 hatte Gloria von Thurn und Taxis Kunstgegenstände aus ihrem Erbe für 16 Millionen Euro versteigert, zwei Jahre später trennte sich das Haus Baden für 39,7 Millionen von herrschaftlichem Inventar. Damals wie heute begleitete Protest die adeligen Schnäppchenmärkte. Im Falle der Hannoveraner landete er sogar im Parlament: Die Vorsitzende des niedersächsischen Kulturausschusses, Christina Bührmann (SPD), kritisierte das Kultusministerium, das sich "als kleiner David von einem Riesen über den Tisch hat ziehen lassen". Angeführt von Heinrich Prinz von Hannover, dem Onkel der Auktionsinitiatoren Ernst-August und Christian, beklagten Museumsdirektoren aus ganz Deutschland den Ausverkauf von Landeskultur.

Der Organisator der Versteigerung, Christoph Graf Douglas, behauptete dagegen, kaum ein Museum habe trotz Vorkaufsrechts Interesse an den Stücken gehabt. Er kündigte an, mit dem Auktionserlös werde das Schloss Marienburg renoviert und fürs Publikum geöffnet. Jeder Cent gehe in die entsprechende Stiftung.

© SZ vom 17.10.05
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