Süddeutsche Zeitung

Otto-Ampeln in Emden:"Wir sind hier alle Otto-Fans"

In Emden, der ostfriesischen Heimatstadt von Otto Waalkes, soll es demnächst besondere Ampelmännchen geben: Bei grün leuchtet dann ein Motiv des Komikers. Ein Anruf beim Stadtsprecher.

Als Otto Waalkes vergangenes Jahr 70 wurde, hatte eine Emderin eine Idee: Warum nicht den großen Komiker in seiner Heimatstadt mit Ottifanten-Ampelmännchen ehren? Ging dann aber nicht, das Land Niedersachsen war wegen der Straßenverkehrsordnung dagegen. Nun gab es einen neuen Antrag von der FDP-Fraktion, mit neuem Motiv: einem Ampel-Otto in der Pose des hoppelnden Häschens. Am Dienstagabend gab der Stadtrat grünes Licht - einstimmig. Schon zuvor hatten sich alle Fraktionen für die Errichtung von vier Otto-Ampeln ausgesprochen. Stadtsprecher Eduard Dinkela hat in den vergangenen Monaten großes Ampelfachwissen erworben.

SZ: Hallo Herr Dinkela.

Eduard Dinkela: Ich kann mir schon denken, warum Sie mich anrufen.

Na?

Wegen der Ampeln? Ich habe in den vergangenen Tagen über nichts anderes geredet.

Bingo. Die sehen aber ja auch kurios aus?

Nun, tatsächlich haben wir bislang noch keinen offiziellen Entwurf von Otto. Der bisherige soll von ihm stammen, das kam über einen mit ihm befreundeten Redakteur der Emder Zeitung zustande. Wir müssen das mal mit Ottos Management abklären. Man muss da ja immer so viel Urheberrechtliches beachten.

Und die Straßenverkehrsordnung?

In Deutschland gibt es ja für alles Vorschriften, also auch eine Richtlinie für Lichtzeichenanlagen. Da ist ganz eindeutig aufgeführt, wie ein Ampelmännchen auszusehen hat - und dass im Grunde alles, was davon abweicht, nicht geht. Das hat mit dem Haftungsrisiko zu tun.

Inwiefern?

Stellen Sie sich vor, jemand verunfallt und beruft sich auf das nicht gesetzlich konforme Ampelzeichen. Ein entsprechend findiger Staatsanwalt wird dann ganz schnell fragen: Durfte die Ampel so aussehen?

In Emden soll sie das dürfen.

Nachdem die Verwaltung zu dem Ergebnis gekommen war, sie kann das Haftungsrisiko nicht tragen, hat der Stadtrat beschlossen: Er will das. Wir sind alle Otto-Fans, er ist ein Werbeträger und betont ja auch immer wieder, dass er ein Emder Jung ist.

Um das Unfallrisiko zu minimieren, sollen nur die grünen Männchen Ottos sein.

Bei Rot wäre das Unfallrisiko höher, da halten wir uns an die StVO. Wenn aber einer bei Grün stehen bleibt, passiert ja nichts.

Otto selbst hat gesagt, dass auch bei Grün alle anhalten würden und die Ampeln angucken - "dann wär's in der Stadt auch nicht immer so hektisch", meinte er.

Das können die Leute gerne machen, dann haben wir kein Risiko.

Außer dass Ihre Stadt stillsteht.

Das nehmen wir in Kauf. Kennen Sie die lokale Situation der vier Ampeln? Geben Sie mal bei Google Maps ein: Am Delft 1.

Sieht schön aus, direkt am Wasser.

Und drumherum ein großzügiger Rathausplatz, genau. Die eine Ampel ist vis-à-vis am Otto Huus, da stehen sowieso Fans rum. Bleiben die Ampeln dauerhaft ottoesk?

Wenn wir schon umrüsten, dann dauerhaft. Muss sich ja auch lohnen, das kostet schätzungsweise 2500 Euro pro Ampel. Da reicht nicht einfach eine Schablone, da muss ein neuer Ampelkopf her.

Stimmt es, dass Otto angeboten hat, für die Kosten selbst aufzukommen?

Das habe ich auch gelesen. Uns gegenüber hat er das noch nicht erklärt, wir würden uns natürlich freuen. Wenn nicht, ist es aber auch okay, dann zahlt das die Stadt.

Kommt irgendwann eine Otto-Statue?

Es gibt ja schon die Ottifanten-Statuen in seinem Geburtsstadtteil. Wissen Sie, Otto ist der Stadt sehr verbunden und die Stadt ihm. Viele Touristen kommen wegen ihm. Dass er eine Statue bekommt, will ich nicht ausschließen. Wenn, dann aber alles in engster Abstimmung mit ihm.

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SZ vom 29.05.2019/ick
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