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Fall Emanuela Orlandi:Überraschender Knochenfund im Vatikan

Der "Campo Santo Teutonico" im Vatikan liegt zwischen Petersdom und Audienzhalle und ist ein Friedhof des deutschen Priesterkollegs.

(Foto: Gregorio Borgia/AP)
  • Der Vatikan geht im Fall Emanuela Orlandi einer neuen Spur nach.
  • Unter einer Falltür seien zwei Beinhäuser mit Knochen gefunden worden, teilte ein Sprecher mit.
  • Das Gebiet sei sofort abgesperrt worden.

Die Hoffnung war groß am Donnerstag vor der Öffnung der Gräber auf dem "Campo Santo Teutonico", einem Friedhof des deutschen Priesterkollegs im Vatikan. Und ebenso groß waren die Überraschung und die Enttäuschung, als sich daraus wieder kein Hinweis ergab, wo die seit 36 Jahren vermisste Emanuela Orlandi abgeblieben sein könnte - denn die Gräber waren leer.

Nur zwei Tage später meldet der Vatikan aber doch noch einen Fund: Unter dem Fußboden des deutschen Priesterkollegs seien zwei Beinhäuser entdeckt worden. Die unter einer Falltür gelegenen Räume seien umgehend nach ihrer Entdeckung versiegelt worden, teilte Vatikansprecher Alessandro Gisotti am Samstag mit.

Die vatikanische Staatsanwaltschaft ordnete die Öffnung der Beinhäuser und die Untersuchung für den nächsten Samstag an. Sie solle unter Aufsicht der vatikanischen Gendarmerie und in Anwesenheit eines Gutachters der Familie der verschwundenen Emanuela Orlandi stattfinden.

Die Anwältin der Familie Orlandi, Laura Sgro, begrüßte die weiteren Untersuchungen des Vatikan. "Es ist in unserem Interesse, aktiv mit dem Vatikangericht zusammenzuarbeiten, um zu verstehen, warum die beiden Gräber leer waren", sagte sie laut italienischen Medien. Sgro war auch bei den Grabungsarbeiten am Donnerstag anwesend und soll selbst mit dem von der Familie beauftragten Genetiker Giorgio Portera persönlich in eines der Gräber hinabgestiegen sein. "Ich hatte mit allem gerechnet, außer damit, leere Gräber zu finden", kommentierte sie danach.

Die Gräber waren nach einem anonymen Hinweis geöffnet worden

Beinhäuser waren seit dem Mittelalter auf Friedhöfen üblich, um bei der Neubelegung von Gräbern die zuvor ausgegrabenen Gebeine Verstorbener aufzubewahren. Die Inhalte der am Donnerstag geöffneten Gräber könnten bei Umbauarbeiten in den 1960er- und 70er-Jahren umgesiedelt worden sein, so der Vatikansprecher. In den Gräbern waren zwei Adlige aus dem 19. Jahrhundert bestattet worden. Die Gräber waren auf Bitten der Familie der Verschwundenen geöffnet worden. Die Familie hatte vergangenen Sommer einen anonymen Hinweis erhalten: In einem Umschlag lag das Foto eines Marmorengels auf dem "Campo Santo Teutonico", der nach unten schaut. Dazu die Aufforderung: "Sucht, wo der Engel hinschaut."

1983 war die damals 15-jährige Emanuela Orlandi vom Musikunterricht nahe der Piazza Navona nicht nach Hause gekommen. Das Verschwinden der Vatikan-Bürgerin war in der Vergangenheit immer wieder Anlass für Verschwörungstheorien bis hin zu der Mutmaßung, sie sei gemeinsam mit einem römischen Mafia-Boss in einer Kirche in der römischen Altstadt begraben worden. Ihre sterblichen Überreste wurden auch unter dem Boden der Vatikanbotschaft in Rom vermutet, nachdem dort im vergangenen Herbst bei Bauarbeiten Knochen entdeckt worden waren. DNA-Tests indes widerlegten den Verdacht. Die Knochen stammten aus der Antike.

Religion "Sucht, wo der Engel hinschaut"

Fall Emanuela Orlandi

"Sucht, wo der Engel hinschaut"

Es ist einer der mysteriösesten Fälle in der Kriminalgeschichte Italiens: Emanuela Orlandi war 15 Jahre alt, als sie 1983 in Rom spurlos verschwand. Jetzt werden auf dem Vatikangelände zwei Gräber geöffnet.   Von Oliver Meiler