Elon Musk in Thailand Was der Tesla-Gründer in der Höhle macht

  • Die Rettung der eingeschlossenen thailändischen Jugend-Fußballmannschaft bewegt die ganze Welt.
  • Auch Tesla-Gründer Elon Musk ist vor Ort - im Gepäck ein kleines U-Boot, das er den Rettern zur Verfügung stellt. Ob es zum Einsatz kommt, ist allerdings fraglich.
  • Kritiker werfen Musk vor, mit seiner Aktion nur positive PR für sich betreiben zu wollen.
Von Caspar Busse

Richtig gut läuft es derzeit nicht für Elon Musk. Der Milliardär und umtriebige Unternehmer aus dem Silicon Valley, dessen Elektroautofirma Tesla an der Börse inzwischen fast so viel wert ist wie BMW, produzierte zuletzt vor allem negative Schlagzeilen. So kam er mit der Produktion seines Mittelklassefahrzeugs Tesla Model 3 nicht hinterher, den Mitarbeitern warf er öffentlich Sabotage vor. Dazu kommen hohe Verluste bei Tesla, der Abgang einiger wichtiger Führungskräfte, tödliche Unfälle mit Elektroautos. Alles nicht sehr erfreulich. Der 47-Jährige sieht darin so etwas wie eine Verschwörung gegen ihn. "Wie Sie wissen, gibt es eine lange Liste von Organisationen, die Tesla den Tod wünschen", schrieb Musk vor Kurzem in einer E-Mail an seine Mitarbeiter.

Gute Nachrichten also, das könnte Musk, der schon als Zwölfjähriger sein erstes Videospiel entwickelt haben soll, dringend gebrauchen. Und die erhofft er sich jetzt offenbar von einem ungewöhnlichen Angebot. Den Rettern in Thailand, die im Norden des Landes seit Tagen verzweifelt um das Leben der in einer Höhle eingeschlossenen Jugendlichen kämpfen, will Musk helfen. Er habe ihnen dafür ein neu entwickeltes Mini-U-Boot zur Verfügung gestellt.

Die letzten Eingeschlossenen sollen aus der Höhle gerettet werden

Die Rettungsaktion könnte heute abgeschlossen werden. Drei weitere Eingeschlossene sollen den Weg aus der Höhle bereits geschafft haben. mehr ...

Nach Angaben von Musk handelt es sich um ein winziges U-Boot in Kindergröße. Es sei leicht genug, um von zwei Tauchern getragen zu werden, äußerst robust und überdies klein genug, um durch die engen Lücken in der wenig erforschten und weit verzweigten Tham-Luang-Höhle zu kommen. Ein Insasse müsse nicht schwimmen oder mit Sauerstoffflaschen umgehen können. Musk veröffentlichte ein Video, in dem Taucher das Vehikel in einem Pool in Los Angeles testen. Und Musk wäre nicht Musk, wenn er all das nicht auch groß in den sozialen Netzwerken ausbreiten würde. Er hat alleine bei Twitter mehr als 22 Millionen Follower.

Inzwischen ist der Unternehmer offenbar sogar selbst an der Unglücksstelle eingetroffen. "Gerade zurück aus Höhle 3", schrieb der Amerikaner auf Twitter. Das Mini-U-Boot habe er nach eigenen Angaben dabeigehabt. Und dann der Zusatz: "Lasse es hier. Könnte in Zukunft hilfreich sein." Er habe das Boot "Wildschwein" genannt, in Anlehnung an den Namen der Fußballmannschaft, der die eingeschlossenen Jungen angehören. Auf Instagram veröffentlichte Musk ein Video der überschwemmten Höhle.

Musk, der große Retter - das ist das Bild, das er offenbar gerne von sich zeichnet. Ob das U-Boot wirklich zum Einsatz kommt, ist allerdings sehr zweifelhaft. Acht Jugendliche wurden bereits, begleitet von jeweils zwei Tauchern und ohne ein solches Boot, aus der Höhle gebracht, am Dienstag lief der dritte Rettungstag an, die Aktion soll noch heute abgeschlossen werden. Die Helfer stehen angesichts der Regenfälle unter großem Zeitdruck, weil sich die Höhle weiter mit Wasser füllt, was die Rettung erschwert. Schon werfen Musk viele vor, mit seiner Aktion nur positive PR für sich betreiben zu wollen. Einer schrieb bei Twitter: "Musk leidet unter Größenwahn. Liebe den Kerl!"

Musk ist übrigens nicht der Einzige, der beim Höhlendrama mithelfen will - auch ein deutscher Mittelständler hatte zuvor Unterstützung angeboten. Der baden-württembergische Tunnelbohrer Herrenknecht hatte Spezialisten an den Unglücksort geschickt. Dort hätten sie zunächst geprüft, ob sie mit Bohrungen bei der Rettung helfen könnten, sagte ein Sprecher. Herrenknecht stellt riesige Bohrmaschinen her, mit denen unter anderem Tunnel für U-Bahnen und für Autobahnen gegraben werden. Die Firma bezeichnet sich als Weltmarktführer. Konzernchef Martin Herrenknecht, 76, wollte zunächst ein Loch zur Luftzufuhr in die Höhle bohren lassen. Das hätte allerdings mehrere Tage gedauert und die Zeit drängt

Zweierlei Maß von Mitleid

Es fällt uns leicht, mit den in der Höhle eingeschlossenen thailändischen Jungen mitzuleiden. Für Bootsflüchtlinge auf dem Mittelmeer steht die Empathie dagegen infrage. Das ist ein gefährlicher Zivilisationsverlust. Kommentar von Matthias Drobinski mehr...