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Brandenburg:Ein Bundesland im Elchtest

Elch

Die Elchkuh Sina steht in den frühen Morgenstunden im Wildpark Schorfheide.

(Foto: dpa)
  • Immer mehr wilde Elche wandern von Polen nach Deutschland.
  • In Brandenburg wurden 2018 schon 38 Tiere gemeldet.
  • Weil Elche bei Gefahr verharren, statt wegzulaufen, sei das Risiko einer Kollision mit den bis zu einer halben Tonne schweren Tieren groß, warnen Experten.

Dass im Land der Germanen Elche herumlaufen, wusste schon Cäsar. Er wusste nur nicht genau, wie sie aussehen. Klein und bunt seien sie, schrieb er in seinem Germanenexkurs, und sie hätten so steife Beine, dass sie sich nicht hinlegen könnten. Weshalb sie sich zum Schlafen an einen Baum lehnten. Heute wüsste Cäsar es besser, denn er könnte die Elche selbst sehen. In Brandenburg zum Beispiel. Dort sind sie nicht nur seit geraumer Zeit unterwegs, sondern es werden auch immer mehr. Wurden zwischen 2013 und 2015 drei bis fünf Tiere im Jahr gesichtet, waren es 2018 schon 38 Meldungen.

Die Elche stammen aus Polen, von dort aus wandern sie nach Brandenburg, sagt die Biologin Kornelia Dobiáš: "Wir beobachten eine Arealerweiterung nach Westen." Dobiáš leitet eigentlich die Forschungsstelle für Wildökologie und Jagdwirtschaft im Land Brandenburg, zuletzt hatte sie aber immer öfter mit dem Europäischen Elch zu tun. Der ist ein Einzelgänger, der gern durch tiefe Wälder streift und sich nur zur Brunft mit seinesgleichen trifft. Einzelne Tiere wurden aber auch schon in der Nähe von Autobahnen oder rund um das Riesenspaßbad Tropical Islands beobachtet.

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Der Großteil der Elche sei jung und männlich, die Tiere kommen auf der Suche nach Partnerinnen, berichtet Kornelia Dobiáš. Wenn sie keine finden, ziehen sie nach einigen Monaten weiter oder kehren über die Oder zurück nach Polen.

Bert mag am liebsten Kühe

Elche hat es in Brandenburg schon immer gegeben. Allerdings wurden sie zu DDR-Zeiten gejagt, weil man dachte, sie würden nicht in die Region passen. Seit der Wende sind die Tiere geschützt, und die Zahl der Sichtungen steigt. Zwar seien die Elche Menschen gegenüber "relativ gelassen" und ließen sich oft sogar einige Minuten beobachten, sagt Kornelia Dobiáš. Es könne aber auch zu unerfreulichen Begegnungen kommen - dann nämlich, wenn sie dem Menschen vors Auto laufen.

Weil Elche bei Gefahr verharren, statt wegzulaufen, sei das Risiko einer Kollision mit den bis zu einer halben Tonne schweren Tieren groß. Auch fressen Elche gut fünfzig Kilogramm Grünzeug am Tag, am liebsten frische Knospen und junge Triebe. Unter den Bauern und Waldbesitzern haben sie deshalb nicht nur Fans.

Wegen der steigenden Zahl der rückwandernden Tiere hat das Land Brandenburg einen Elch-Managementplan ausgearbeitet und im vergangenen Jahr noch einmal aktualisiert. Darin geht es darum, wie sich Förster, Landwirte, Naturschützer und Verkehrsexperten auf die Tiere vorbereiten sollen. Dazu wurde eine Elch-Datenbank angelegt. Wer einen Elch sieht, kann diesen per Online-Formular melden.

Aktiv fördern will man in Brandenburg die Ansiedlung der Tiere nicht, aber man will mehr Informationen über ihr Verhalten gewinnen. 2018 wurde daher ein Elch mit einem GPS-Sender ausgestattet. Seither weiß man, dass Bert, das dreijährige Tier, Bundesstraßen meidet oder ganz gezielt Wildbrücken benutzt, um sie zu überqueren. Manches von dem, was Bert treibt, stellt die Forscher allerdings vor ein Rätsel: Er übersteigt Zäune, um in die Nähe von anderen Tieren zu gelangen. Am liebsten mag er Kühe. Das hätte sich nicht einmal Julius Cäsar ausdenken können.

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