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Eingestürzte Häuser in Marseille:Rettungskräfte bergen sechsten Toten

Arbeiter räumen Schutt der eingestürzten Häuser in Marseille beiseite, um nach möglichen Opfern zu suchen.

(Foto: AFP)
  • Nach dem Einsturz mehrerer Gebäude in der südfranzösischen Hafenstadt Marseille haben Rettungskräfte mehrere Todesopfer geborgen.
  • Anwohner berichten von massiven Problemen mit der Bausubstanz seit 2017.
  • Die Stadtverwaltung sieht das Unglück dagegen im Zusammenhang mit schweren Unwettern.

In Marseille ist die Zahl der Toten nach dem Einsturz mehrerer Häuser auf sechs gestiegen. Die Rettungskräfte bargen am Mittwochmorgen zwei weitere Leichen. Am Dienstag waren bereits die Leichen von zwei Männern und zwei Frauen gefunden worden. Da noch Bewohner vermisst wurden, befürchtete die französische Regierung, dass es noch weitere Tote geben könnte, wie Innenminister Christophe Castaner bei einem Besuch vor Ort sagte. Insgesamt sprachen die Behörden von bis zu acht Menschen, die unter den Trümmern begraben sein könnten.

An der Unglücksstelle in der Nähe des Alten Hafens von Marseille waren am Dienstag 80 Feuerwehrleute und 120 Polizisten mit Suchhunden im Einsatz. Innenminister Castaner sagte bei seinem Besuch am Dienstag, er sei "wenig optimistisch", dass noch Überlebende gefunden würden, da es kaum Chancen auf Hohlräume in den Trümmern gebe.

Zunächst waren am Montag zwei Gebäude eingestürzt, die als marode galten - darunter ein bewohntes Haus. Als die Feuerwehr dann einen Bagger einsetzte, stürzte ein drittes Gebäude teilweise ein, das seit Jahren leer stand. Die Trümmer dieses Hauses drückten nach Castaners Worten die Überreste der ersten beiden eingestürzten Häuser zusammen.

Inzwischen wird Kritik an den Behörden laut, da viele Gebäude in Marseille in schlechtem Zustand sind - was bekannt gewesen sein soll. Anwohner der betroffenen Aubagne-Straße - nur wenige hundert Meter von der Touristenmeile Canebière entfernt - berichten von massiven Problemen mit der Bausubstanz seit 2017.

Stadtverwaltung sieht schwere Regenfälle als Ursache

Die 25-jährige Philosophiestudentin Sophie Dorbeaux wohnte in einem der eingstürzten Häuser. Sie sagte der Nachrichtenagentur AFP, das Gebäude habe immer wieder Risse gehabt, 2017 sei die Eingangshalle eingestürzt. Nach Reparaturen habe die Hausverwaltung verkündet, das Problem sei behoben.

Seit einigen Tagen seien die Türen mehrerer Wohnungen nur schwer zu öffnen gewesen. "Ich hatte Angst, Gefangene in meiner eigenen Wohnung zu werden", sagte die junge Frau. Sie habe das Haus deshalb bereits am Sonntag verlassen. Dorbeaux hat nach eigenen Angaben Anzeige bei der Polizei erstattet.

Die Stadtverwaltung sieht das Unglück dagegen im Zusammenhang mit Unwettern: "Dieser dramatische Unfall könnte durch die schweren Regenfälle verursacht sein, die sich in den vergangenen Tagen über Marseille ergossen haben", ließ der 79-jährige Bürgermeister Jean-Claude Gaudin erklären. Die Verwaltung ließ rund hundert Menschen in Sicherheit bringen, die in den angrenzenden Gebäuden wohnen. Seit 2011 gibt es im Zentrum von Marseille umfangreiche Sanierungsarbeiten, die aber immer wieder ins Stocken geraten sind.

© SZ.de/AFP/dit/bepe
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