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Eine Deutsche und ihr Verhältnis zu König Juan Carlos:Frau Ingrid, die Plaudertasche

Corinna zu Sayn-Wittgenstein, Frau Ingrid, Juan Carlos

Im Palast angeblich als "Frau Ingrid" bekannt: Corinna zu Sayn-Wittgenstein.

(Foto: Kai-Uwe Knoth/dpa)

Eine lange Affäre oder nur herzliche Freundschaft - was verbindet Corinna zu Sayn-Wittgenstein und den spanischen Monarchen? Eines steht jedenfalls fest: die deutsche Unternehmerin plappert Juan Carlos immer tiefer in die Krise.

Unter den spanischen Adelsexperten herrscht Einigkeit: Mit der Freundschaft zwischen König Juan Carlos und Corinna zu Sayn-Wittgenstein ist es vorbei. Denn die Deutsche missachtet eine Grundregel, die für Monarchien überall auf der Welt gilt: Man redet nicht über sie, wenn man sich zu ihren Freunden zählen will.

Die 48-jährige Geschäftsfrau, die für kurze Zeit mal mit Casimir Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Sayn verheiratet war, plappert aber in Interviews munter über ihre "herzliche Freundschaft" zu dem 75-Jährigen. Offenkundig möchte sie Gerüchten entgegentreten, sie sei seine Geliebte gewesen.

Kürzlich war die Dame erneut in die Schlagzeilen geraten. Ihr Name war im Prozess um Unterschlagung, Steuerhinterziehung und Urkundenfälschung in der Stiftung Instituto Nóos gefallen, in dem der frühere Handballnationalspieler Iñaki Urdangarin, der Mann der Königstochter Cristina, zu den Beschuldigten gehört. Laut spanischen Medien habe die "Freundin des Königs" dessen Schwiegersohn helfen wollen, einen lukrativen Job zu finden.

Ein Jahr zuvor war bekannt geworden, dass sie den König bei einer Luxussafari begleitet hatte, bei der dieser erst einen Elefantenbullen erlegte und sich dann bei einem Sturz die Hüfte brach. Erstmals gaben nun spanische Medien gegenüber dem Staatsoberhaupt ihre Zurückhaltung auf. Frau zu Sayn-Wittgenstein habe ein Luxusapartment in der Nähe der ehemaligen Sommerresidenz El Pardo bezogen, hieß es. Als "Frau Ingrid" sei sie vom königlichen Fahrdienst immer wieder zu ihm gebracht worden.

Diskretion und Redseligkeit

Nun aber gab sie nicht nur der konservativen Tageszeitung El Mundo ein großes Interview, sondern auch dem Gesellschaftsblatt Hola. Das Magazin garnierte den Text mit einer Fotostrecke: die "hochwohlgeborene Prinzessin" von Profis gestylt ganz in Schwarz vor schwarzem Hintergrund, in verführerischen Posen. Sie stellte sich als erfolgreiche Geschäftsfrau vor, sie organisiere Begegnungen "unter den Großen" aus Politik und Wirtschaft. Ihre Tätigkeit "für die spanische Regierung" sei delikat. Dieser kurze Satz rief die Politiker auf den Plan. Die stellvertretende Ministerpräsidentin Soraya Sáenz de Santamaría erklärte, dass ihr von derartigen Diensten nichts bekannt sei.

In einer TV-Talkrunde zur Krise des Königshauses waren sich die Teilnehmer einig, dass es in den höchsten Kreisen zwar ein sehr hohes Maß an Toleranz für außereheliche Beziehungen gebe. Aber man möge es überhaupt nicht, wenn darüber öffentlich geredet werde, auch nicht in Form eines Dementis. Überdies gefährde die Redseligkeit der Deutschen ihr eigenes Geschäftsmodell, das ja angeblich auf Diskretion beruht. Sie werde wohl kaum jemals wieder in die Nähe des Königs kommen. Darüber wird nicht nur das Hofamt wachen, sondern auch Königin Sofia. Die besuchte am Wochenende ihren Gemahl, der ein weiteres Mal operiert worden war, in einer Madrider Klinik. Zu allen Reporterfragen schwieg sie.