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Ein Anruf bei...:Pfarrer Roger Ibounigg

"Der Zeitgeist braust uns ins Gesicht": Pfarrer Ibounigg.

(Foto: Privat)

Popmusik in der Kirche? Nicht mit Pfarrer Roger Ibounigg. Der Österreicher kämpft gegen gottlose Musik.

Interview Von Marc Felix Serrao

Gehört ein WM-Lied in die Kirche? Um Gottes willen!, sagt Roger Ibounigg. Der Priester der österreichischen Diözese Graz-Seckau ist dagegen, Musik im Gottesdienst zu spielen, die nichts mit dem Glauben zu tun hat. Andreas Bouranis Nummer-Eins-Hit "Auf uns", zum Beispiel. Ein Hochzeitspaar hatte sich das Lied kürzlich zum Auszug aus der Wallfahrtskirche Pöllauberg gewünscht. Als Ibounigg von der Sache erfuhr, schritt er ein. Das Ergebnis war eine Schlagzeile, die den 54-Jährigen landesweit bekannt gemacht hat: "Pfarrer warf bei Hochzeit Pop-Band aus der Kirche."

SZ: Grüß Gott, Pfarrer Ibounigg. Ist Andreas Bourani wirklich so schlimm?

Roger Ibounigg: Zuerst muss ich zugeben, dass ich diese Hochzeitsmusiker mit zu viel Emotionalität angesprochen habe. Aber das war nach der Hochzeit. Bis auf eine Dame, die Mutter eines Bandmitglieds, waren schon alle aus der Kirche draußen.

Und woher kam Ihre Emotionalität?

Das ist einfach ein Trend, der mir seit Jahren Sorgen macht: Die Menschen kommen in die Kirche und wollen Lieder hören, die nichts mit dem Glauben zu tun haben.

Wie eine WM-Hymne.

Ja. Was hat die in der Kirche zu suchen?

Und dann auch noch die deutsche!

Nein, nein, das war nicht das Problem.

Sondern?

Der Liedtext: "Ein Hoch auf uns." Da steht nicht Gott im Mittelpunkt, sondern der Mensch. Er feiert sich selbst. Ich sage Ihnen ein anderes Beispiel. Ich liebe den Radetzky-Marsch. Aber nicht in der Kirche.

Der Pfarrer, der die Hochzeit abgehalten hat, hatte kein Problem mit Bourani.

Ich habe hinterher kurz mit ihm über das Liedgut bei Hochzeiten gesprochen. Er meinte schulterzuckend, dass man da nichts machen könne, wenn sich die Leute so etwas wünschen.

Und das Brautpaar?

Ich glaube nicht, dass die beiden mir böse sind. Die haben von dem Vorfall ja gar nichts mitbekommen, sondern draußen gefeiert. Vielleicht hätte ich ein Gläschen mittrinken sollen. Aber ich hatte an dem Tag selbst noch eine Hochzeit.

Dann sagen Sie doch mal: Wo verläuft die Grenze? Es gibt ja christliche Rockmusik. Kommt Ihnen die ins Haus?

Es geht nicht so sehr um den Stil. Ich habe selbst jahrelang jeden Sonntag im Gottesdienst Gitarre gespielt. Wir haben in Pöllau und Pöllauberg außerdem jedes Jahr ein großes Jugendtreffen. Ich sage Ihnen: Da wackelt die Kirche! Mit Schlagzeug, mit Trommeln, da ist alles drin. Wir singen auch Gospelsongs.

Sie könnten also auch mit einer E-Gitarre leben, wenn die Botschaft stimmt?

Schon auch. Aber vielleicht muss es nicht direkt in der Kirche sein. Bei unserem Jugendtreffen trennen wir auch bei den christlichen Musikstilen. Das eine wird in einem riesigen Zelt gespielt, neben der Kirche. Das andere in der Kirche. Da kann es Überschneidungen geben, auch mit Rock. Aber in der Regel spielen wir in der Kirche erhabene Musik.

Hat Sie die Aufregung in der Presse eigentlich überrascht?

Schon, ja.

Im Netz steht ein Gedicht von Ihnen, da heißt es: "Ein Medien-Tsunami rollt, scheint alles mit sich fortzuspülen, von manchen ganz bewusst gewollt, die auch die Kirche unterwühlen."

Ja.

Der Zeitgeist braust uns ins Gesicht.

Was heißt das?

Wir Katholiken müssen eine klare Linie zeigen. Das ist heute nicht immer angenehm, aber dauerhaft wird es belohnt werden.

© SZ vom 18.06.2015
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