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Ein Anruf bei...:John Binda, der eine Skulptur von Löwe Cecil anfertigt

War bei den Besuchern besonders beliebt: Löwe Cecil.

(Foto: Andy Loveridge/AP)

Bald soll ein Löwe aus Stahl am Eingang des Hwange-Nationalparks wachen: Eine Naturschutz-Organisation möchte dem getöteten Löwen Cecil ein Denkmal setzen. Der beauftragte Künstler ist ziemlich nervös.

Von Dorothea Wagner

Die Naturschutzorganisation Zimbabwe Conservation Task Force hat eine Skulptur des Löwen Cecil in Auftrag gegeben. Sie soll die Besucher des Hwange-Nationalparks an das im Juli von einem Hobbyjäger getötete Tier erinnern. Den Auftrag für die Skulptur hat John Binda erhalten. Der 74-Jährige lebt in Simbabwe und hat schon mehrere Metallskulpturen von Löwen hergestellt. Dieses Mal fühlt es sich aber anders an.

SZ: Herr Binda, Sie leben mehrere Hundert Kilometer vom Hwange-Nationalpark entfernt. Haben Sie Cecil trotzdem einmal besucht?

John Binda: Ich war tatsächlich schon im Nationalpark, habe dort aber Vögel beobachtet. Cecil war ein großer Star, jeder wollten ihn sehen. Ich hatte Mitleid mit ihm, weil er nie seine Ruhe hatte. Also wollte ich zu dem Trubel nicht beitragen.

Wie fühlten Sie sich, als Sie vom Tod des Löwen erfuhren?

Binda: Ich war wütend. Er war der König der Löwen, ein majestätisches Tier. Dass sich ein Mensch Cecils Kopf an die Wand hängen möchte, ist nicht in Ordnung.

Die Organisation, für die Sie jetzt die Skulptur anfertigen, wollte den Kopf von Cecil als Mahnung in einem Glaskasten ausstellen. Der Plan wurde aber verworfen. Was sagen Sie dazu?

Ich bin froh, dass sie das nicht machen. Auch wenn die Botschaft eine andere war - es hätte einfach zu sehr daran erinnert, wie manche Großwildjäger mit ihrer Beute umgehen. Ich möchte eine Skulptur von Cecil erarbeiten, die zeigt, wie viel Kraft er ausstrahlte. Er ist keine Trophäe.

Wie soll die Skulptur denn aussehen?

So realistisch wie möglich. Ich habe heute viele Bilder von Cecil bekommen und werde daraus schließen, welche Pose charakteristisch für ihn war. Die Skulptur soll so groß wie Cecil werden und aus verzinktem Metall bestehen, das ich dann in seinen Farben anmale.

Das Ergebnis wird viel Aufmerksamkeit bekommen. Wie geht es Ihnen damit?

Ich bin sehr nervös. Als ich die Anfrage bekam, habe ich es kaum glauben können. So viele Menschen werden die Skulptur sehen. Ich darf keine Fehler machen.

Die Idee hat auch einige Gegner: Manche Kommentatoren im Internet finden, dass die NGO das Geld lieber in den Schutz lebender Tiere stecken sollte.

Das kann ich nachvollziehen. Aber ich glaube, dass Cecils Tod dazu führen wird, dass mehr Menschen als früher Geld für die Tiere spenden. Und ich merke: Viele Leute brauchen diese Statue, weil sie Cecil vermissen und ihm ein Denkmal setzen wollen. Deswegen finde ich es richtig, die Skulptur herzustellen.

Auch falls sich die falschen Menschen mit der Skulptur fotografieren lassen - andere Hobbyjäger auf Besuch in Simbabwe?

Auch dann, ja. Ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass sie das tun werden. Aber egal, wie groß die Gefahr des Missbrauchs ist: Die Botschaft ist wichtiger. Die Menschen sollen nicht vergessen dürfen, wie manche von ihnen mit dem Rest der Welt umgehen.

© SZ.de/dow/feko/dd
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