bedeckt München 12°

Baupanne:Hier ist das Wort "Bahnsteig" wörtlich zu nehmen

Eigentlich eine gute Idee, den Bahnhof von Bad Bentheim in Niedersachsen zu modernisieren. Dumm nur, dass sich jetzt die Tür nicht mehr öffnen lässt. Und der Bürgermeister heißt Herr Pannen. Was ist da los?

Interview von Peter Burghardt

Die Kurstadt Bad Bentheim in Niedersachsen macht Furore, denn am neuerdings barrierefreien Bahnsteig gibt es ein Problem: Durch den Umbau lässt sich die Tür zum Bahnhofsgebäude nicht mehr öffnen. Manche Fahrgäste kletterten zuletzt durchs Fenster zu den Gleisen, was für landesweite Erheiterung sorgte. Ein Anruf bei Bürgermeister Volker Pannen.

SZ: Guten Tag, Herr Pannen, müssen Sie wegen der Bahnhofspanne schon Witze mit Ihrem Namen ertragen?

Volker Pannen: Ja, das hatte ich auch schon erlebt.

Die Barrierefreiheit klappt jedenfalls noch nicht so richtig, oder?

Die Barrierefreiheit ist während der Baumaßnahmen nicht sicherzustellen. Man kann auch gar nicht zum Mittelbahnsteig gelangen, es sei denn über eine Treppe der Unterführung, weil der Aufzug dort erneuert wird. Ein Provisorium in Form einer Rampe ist an der Stelle auch nicht möglich.

Bürgermeister Pannen

Volker Pannen, 38, ist seit November 2006 SPD-Bürgermeister der niedersächsischen Kleinstadt Bad Bentheim nahe der holländischen Grenze. Zuletzt wurde der Jurist 2014 mit 66 Prozent der Stimmen wiedergewählt.

(Foto: Privat)

Bitte? Wir verstehen nur Bahnhof.

Das Problem ist, dass es zwei Baumaßnahmen gibt. Eine der Deutschen Bahn AG, die bereits begonnen hat. Da werden die Bahnsteige um 38 Zentimeter erhöht und zwei neue Aufzüge gebaut. Die zweite Baumaßnahme steht quasi in den Startlöchern und betrifft das Bahnhofsgebäude und den Bahnhofsvorplatz. Das gehört zur Zeit noch der Stadt, soll aber baldmöglichst auf eine Tochtergesellschaft der Bentheimer Eisenbahn AG übertragen und unter deren Regie umgebaut werden. Da mussten noch schwierige Fragen beantwortet werden.

Ach so. Und derweil bekommt das Wort "Bahnsteig" eine ganz neue Bedeutung, wenn Fahrgäste durchs Bahnhofsfenster klettern müssen.

Das ist ab sofort nicht mehr möglich. Wir haben dieses Fenster verschlossen, sodass jetzt alle Gäste, die den Fahrkartenschalter oder den Fahrkartenautomaten im Bahnhofsgebäude benutzen, gezwungen sind, die 50 Meter Umweg auf sich zu nehmen.

Die Deutsche Bahn witterte in dem Fenster bereits ein Sicherheitsrisiko.

Na ja. Ich hatte erst durch den Bericht der Satiresendung "Extra 3" davon erfahren. Ich gehe aber davon aus, dass die meisten Menschen von Anfang an außen herum gegangen sind.

Reiht sich Bad Bentheim damit in die deutsche Pannenserie à la Berliner Großflughafen ein?

Bei uns ist das quasi eine Operation am offenen Herzen. Während in Berlin der Flughafen noch nicht in Betrieb ist, fahren hier fast im Minutentakt Züge ein und durch. Da bitte ich einfach um ein bisschen Nachsicht. Für mich ist das Ergebnis entscheidend, ein barrierefreier ICE-Bahnhof in einer Kurstadt mit 15 000 Einwohnern.

Und wann wird es so weit sein?

Wir gehen davon aus, dass das Bahnhofsgebäude Ende 2017 fertig sein wird, mit Reisebüro und Café. Das wird sehr schön.

Ließe sich der Fensterbahnsteig derweil denn als Touristenattraktion nutzen?

Wir haben ja schon Bad und Burg und Bühne. Jetzt ist der Bahnhof als viertes B dazugekommen. Wir nehmen es mit Humor.

© SZ vom 01.09.2016/ees/olkl
Zur SZ-Startseite