Streit um Frauenparkplätze in Eichstätt "Wir haben nicht Pink bestellt, sondern Magenta"

Umstrittene Farbe: Ein städtischer Mitarbeiter montiert eines der neuen Frauen-Parkplatz-Schilder in Eichstätt.

(Foto: Tina Steimle/dpa)

Weil ein Mann gegen Frauenparkplätze in Eichstätt geklagt hatte, muss die Stadt Schilder austauschen - und wählt eine klischeehafte Farbe. Der zuständige Behördenleiter erklärt sich.

Interview von Moritz Geier

Frauenparkplätze diskriminieren Männer und auch Frauen, weil so eine Maßnahme doch den Eindruck weiblicher Schwäche vermittle: Das zumindest war die Ansicht eines Mannes aus dem Rheinland, der im Januar die Stadt Eichstätt vor das Verwaltungsgericht in München zerrte, weil sie auf einem Parkplatz ein paar Stellplätze extra für Frauen ausgewiesen hatte. Dadurch will die Stadt Frauen bei Dunkelheit einen langen Weg zum Stadtzentrum ersparen - 2016 war dort am Ufer der Altmühl eine Frau vergewaltigt worden.

Das Münchner Gericht ging dann allerdings auf die Frage der Diskriminierung gar nicht ein, monierte lediglich die Gestaltung der Schilder und empfahl den Eichstättern, die alten durch weniger amtlich wirkende zu ersetzen. Jetzt also gibt es neue Schilder in Eichstätt, sie enthalten den Hinweis "bitte freihalten" - und sie sind nicht mehr blau, wie die alten Schilder. Sondern, ausgerechnet: pink. Das gibt durchaus Anlass, in Eichstätt nachzufragen; am Apparat Karl Ziegelmeier, Leiter der Abteilung Sicherheit und Ordnung.

SZ: Herr Ziegelmeier, wir müssten über die Farbe Pink sprechen...

Karl Ziegelmeier: Ja, gerne.

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Warum haben die neuen Schilder auf dem städtischen Parkplatz denn ausgerechnet diese Farbe?

Da gibt es keinen besonderen Grund. Wir durften bei der Farbwahl keine StVO-konformen Farben verwenden, so war das in dem Vergleich vom Gericht festgelegt. Unser Ansinnen war letztlich dann, eine auffällige Farbgestaltung zu wählen, die auch die Beachtung der Frauenparkplätze in Zukunft bewirken soll. Also nicht irgendwas Weißes mit Schwarz zum Beispiel.

Sondern pink.

Da kann man jetzt vielleicht pink dazu sagen, aber wir haben Magenta-Farben bestellt.

Aber hätte es da nicht noch ganz andere Farben gegeben?

Ja, alles was in der Straßenverkehrsordnung nicht schon für andere Schilder vorgesehen ist. Blau sind zum Beispiel Parkplatzhinweise, gelb sind Ortstafeln. Aber klar, es hätte auch eine andere Farbe sein können.

Pink ist schon etwas klischeehaft...

Also, wie gesagt, wir haben nicht Pink bestellt, sondern Magenta.

Karl Ziegelmeier, Leiter der Abteilung Sicherheit und Ordnung bei der Stadt Eichstätt

(Foto: Stadt Eichstätt)

Der Farbton, das ist ein gängiger Kritikpunkt, manifestiere Geschlechterrollen und Klischees.

Wir haben damit nichts assoziiert, sondern einfach die Farbe Magenta gewählt.

Die sei eher verniedlichend, würden manche sagen, stehe also für Schwäche.

Ich überlasse jedem seine Meinung und bewerte diese Meinungen nicht. Für uns ist es wichtig, erstens, dass wir der Gerichtsentscheidung Folge geleistet haben, also ein Hinweisschild mit "empfehlendem Charakter" aufgestellt haben. Und zweitens, dass das Schild auch beachtet wird. Deswegen die auffällige Farbe.

Gab es schon Leute, die sich wegen der neuen Schilder beschwert haben?

Im persönlichen Gespräch nicht, in den Foren gibt es aber wohl verschiedene Meinungen. Es gibt Meinungsfreiheit, jeder darf sich seine Gedanken machen.

Egal, wie man's macht: Am Ende regt sich immer einer auf.

Gerade im Ordnungsbereich ist es sehr häufig, dass man es dem einen recht macht, dem anderen nicht. Überraschend war ja auch schon, dass die Beschilderung, so wie sie bisher war, solche Kreise gezogen hat. Wir hatten ganz bestimmte Gründe, um die Frauenparkplätze auszuweisen, Sicherheit und Schutz von Frauen, und ich glaube, dass die Wirksamkeit jetzt nach wie vor gegeben ist. Das ist unser Ziel, nichts anderes: Wir wollen, dass diese Plätze den Frauen vorbehalten bleiben.

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