Mobilität in der Stadt:"E-Roller raus aus Oslo! Halleluja!"

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Urbane Mobilität

So ordentlich wie hier vor dem dänischen Parlament in Kopenhagen sind E-Scooter selten geparkt. Das Bild stammt aus dem Jahr 2019, inzwischen wurden die Roller aus der Innenstadt verbannt.

(Foto: Steffen Trumpf/dpa)

Parkverbote, hohe Gebühren, nächtliche Fahrsperren: Norwegen sagt den Scootern den Kampf an. Auch Dänemark und Schweden sind für die elektrischen Flitzer längst kein gutes Pflaster mehr.

Von Kai Strittmatter

Keine guten Zeiten für E-Roller-Firmen und -Fans. In Skandinavien bläst ihnen starker Gegenwind ins Gesicht, gerade ist Norwegen an der Reihe. "E-Roller raus aus Oslo! Halleluja!", jubelte am Dienstag der Kommentator der Zeitung Aftenposten. Nein, ganz rausgeworfen werden die Scooter nicht aus Norwegens Hauptstadt, aber vom 10. September an gelten strenge, neue Regeln. Und ihre Zahl wird radikal zusammengestutzt: Oslo erlaubt in Zukunft nur mehr 8000 E-Roller. Im Moment noch wird ihre Zahl geschätzt auf irgendwo zwischen 23 000 und 30 000. Höchstens jeder Dritte also darf bleiben.

Sie wollen sich ihre Stadt zurückholen. Man habe beschlossen, "die Rücksicht auf die vom Chaos betroffenen Einwohner über die Rücksicht auf die Unternehmen zu stellen", sagt der sozialdemokratische Stadtrat Andreas Halse. Die Klagen sind ähnliche wie auch anderswo: wildes Parken auf Gehsteigen, halsbrecherische Spaßtouren zu mehreren auf einem Roller, starker Anstieg der Unfallzahlen. Im Juli meldeten Oslos Notaufnahmen mehr als 400 E-Roller-Verletzte, doppelt so viele wie vor einem Jahr. Bemerkenswert: Fast die Hälfte der Unfälle geschah zwischen 23 Uhr und fünf Uhr morgens, die meisten Fahrer waren betrunken.

Fahrsperre für die Nachtstunden

Jetzt sollen sich nicht nur fast ein Dutzend Firmen das Kontingent von 8000 Rollern teilen, die neuen Regeln zwingen sie auch dazu, die Roller über die Stadt zu verteilen, sie zu warten - und mit einer Fahrsperre für die gefährlichen Nachtstunden zu versehen. Die Firmen sind gegen die Regeln vor Gericht gezogen, bezeichnen sie als erstickend. Die Stadt Oslo sieht sie hingegen als notwendige Reaktion auf einen Zustand, den viele als Geburtsfehler ansehen bei der Zulassung des E-Roller-Geschäfts einst durch Norwegens rechtsliberale Regierung: Damals wurden die Roller im Verkehr den Fahrrädern gleichgestellt und entzogen sich damit weitgehend jeder Regulierung.

Oslo ist nicht allein in seinem Feldzug. Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen war noch radikaler: Hier verbot die Stadt im Januar komplett das Parken von E-Rollern im Zentrum. Das Ergebnis: Aus der Innenstadt sind sie seither fast komplett verschwunden. Kopenhagen sei jetzt wieder eine "klassische Fahrradstadt", meldeten Reporter der Zeitung Svenska Dagbladet, die sich im August dort vergeblich auf die Suche nach einem E-Roller gemacht hatten. Vergangene Woche schließlich erließ auch Schwedens Hauptstadt Stockholm neue Vorschriften. In Zukunft braucht dort jede E-Scooter-Firma eine polizeiliche Genehmigung - und muss dafür pro Jahr und E-Roller eine Gebühr von umgerechnet 140 Euro bezahlen.

Die Roller haben ihre Liebhaber - und sie haben ihre Verteidiger auch in der Politik, bloß geben diese sich oft nicht mehr zu erkennen. Mit einem Mal zeigt sich auch Norwegens Verkehrsminister Knut Arild Hareide - Minister jener wirtschaftsliberalen Regierung, die den E-Rollern im Land erst freie Bahn beschert hatte - öffentlich "tief besorgt" über Wildwuchs und Unfallzahlen bei den Rollern und stellt nun neue Regeln auch auf nationaler Ebene in Aussicht: ein ziemlich durchsichtiger Versuch der Wähleranbiederung kurz vor den Parlamentswahlen in zwei Wochen. Die Stimmung ist gekippt.

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