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Duisburg:Frauenleiche gefunden - Ehemann festgenommen

Leiche in Duisburger Wald gefunden - Ehemann festgenommen

Ein Mitarbeiter der Spurensicherung fotografiert den Fundort der Leiche.

(Foto: dpa)
  • Die junge Frau war seit Anfang September vermisst worden. Offenbar wurde sie erwürgt.
  • Zuletzt hatten die Ermittler eine Garage untersucht. Dort fanden sie Spuren, die zur Festnahme des 28-jährigen Ehemannes führten.
  • Das Bundeskriminalamt hat im vergangenen Jahr 140 755 Fälle von Partnerschaftsgewalt registriert.

Die Polizei hat in einem Wald in Duisburg die Leiche einer jungen Frau gefunden. Laut Staatsanwaltschaft handelt es sich um die seit drei Monaten vermisste 26-jährige Mine O. Ihr Ehemann wurde festgenommen. Ercan E. hat gestanden, seine Frau nach einem Streit erwürgt und ihre Leiche zunächst in einem Koffer versteckt und später vergraben zu haben. Laut Obduktion wurde das Opfer erwürgt. Ein Richter erließ Haftbefehl wegen Totschlags.

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Die junge Frau - Mutter eines fünfjährigen Sohnes - war seit Anfang September verschwunden. Zuletzt hatten die Ermittler eine Garage untersucht. Hier habe man unter anderem Kleidung und den Ausweis der Frau gefunden. Einer der in Nordrhein-Westfalen neu im Einsatz befindlichen Datenträger-Spürhunde habe dann das Handy der Vermissten entdeckt. Ein Leichenspürhund habe angeschlagen, weshalb die Ermittler bereits wussten, "dass in dieser Garage zumindest vorübergehend ein Leichnam gelagert wurde", wie es in einer Mitteilung hieß. Nach Informationen der Bild-Zeitung hatten Nachbarn zuvor einen üblen Geruch aus der Garage wahrgenommen, die der Mann offenbar gemietet hatte.

Tatsächlich gab der Ehemann im Verhör dann die Tat zu und machte Angaben zum Tathergang. Eine Woche, nachdem er seine Frau getötet hatte, habe er ihren Körper mit dem Auto in den Stadtteil Untermeiderich gebracht, wo er die Leiche "in einem schwer zugänglichen Waldgelände" vergrub, so die Staatsanwaltschaft.

Nach der Festnahme des Mannes begann die Suche in dem Wald. "An der beschriebenen Stelle bargen die Ermittler der Mordkommission mit Unterstützung der Feuerwehr am Donnerstagabend gegen 20 Uhr den Leichnam", teilten die Behörden am Freitag mit. Die Leiche wurde obduziert. Das Ergebnis, so die Ermittler, decke sich mit den Angaben des Ehemanns.

Die Beamten hatten seit dem 21. Oktober mit einem Foto öffentlich nach der vermisten Frau gesucht. In der damaligen Mitteilung hieß es, dass ihr Mann sie zuletzt am Abend des 7. September gesehen habe. Sie habe gesagt, bei einer Freundin übernachten zu wollen. "Ermittlungen ergaben, dass diese Freundin bereits seit längerer Zeit nicht mehr in Deutschland lebt", erklärte die Polizei.

Die Beamten hatten den Tatverdächtigen deshalb schon länger im Visier. "Bei den umfangreichen Recherchen geriet zunehmend der Ehemann in den Fokus der Ermittlungen", so die Ermittler. Die Staatsanwaltschaft habe daher bei Gericht Durchsuchungsbeschlüsse für Wohnung und Garage besorgt. Wegen des fünfjährigen Sohnes ist die Polizei nach Angaben eines Sprechers im Kontakt mit dem Jugendamt, um eine Lösung für seine Unterbringung zu finden.

122 Frauen wurden 2018 in Deutschland von ihrem Partner getötet

Das Bundeskriminalamt (BKA) hat im vergangenen Jahr 140 755 Fälle von Partnerschaftsgewalt registriert. Oft gehe es los, wenn eine Frau dabei sei, sich von ihrem Partner zu befreien, hieß es bei der Vorstellung der Zahlen Ende November. 122 Frauen und 26 Männer wurden 2018 von ihrem Partner oder ihrer Partnerin getötet - damit stirbt alle drei Tage in Deutschland eine Frau infolge häuslicher Gewalt.

Feministische Gruppen und Die Linke fordern deshalb den Straftatbestand "Femizid". Leonie Steinl, Vorsitzende der Strafrechtskommission des Deutschen Juristinnenbundes, sieht an anderer Stelle Handlungsbedarf: Trennungstötungen würden oft nicht als Mord eingestuft, also als Tat aus niedrigen Beweggründen, sondern als Totschlag. Das spiegele patriarchale Gedankenmuster wider, erklärte sie in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung.

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