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Düsseldorf:Stadt löscht Video von Farid Bang

Farid Bang live beim Autokultur-Konzert auf dem Schützenplatz. Hannover, 18.06.2020 *** Farid Bang live at the Autokult

Farid Bang, hier bei einem Konzert in Hannover, hat für die Stadt Düsseldorf eine Corona-Warnung aufgenommen.

(Foto: Torsten Gadegast/imago)

Um das Düsseldorfer Partyvolk vor Corona zu warnen, hatte Oberbürgermeister Thomas Geisel ausgerechnet den umstrittenen Rapper Farid Bang für ein Video engagiert. Jetzt rudert der OB zurück.

Von Christian Wernicke, Düsseldorf

Das Ende der Affäre, es kam dann still und leise: Plötzlich war das Video, das seit Mitte voriger Woche für großen Krach gesorgt hatte im und um das Düsseldorf Rathaus, einfach weg - gelöscht von der Facebook-Seite der Stadt. Als hätte es die 42 Sekunden, in denen der umstrittene Rapper Farid Bang sich mit einem schnoddrigen Corona-Appell ans Party-Volk der Düsseldorfer Altstadt wendet, nie gegeben.

Vergangenen Mittwoch hatte Thomas Geisel, Düsseldorfs Oberbürgermeister (SPD), das Farid-Bang-Video ins Netz stellen lassen. Prompt hagelte es Proteste. Nicht nur die oppositionelle CDU, auch Politiker von Grünen und der FDP, die den Sozialdemokraten im Stadtrat häufig unterstützen, missbilligten die Idee, ausgerechnet Farid Bang zu einer Art Botschafter der Stadt zu befördern. Schließlich hatte sich dieser Rapper in der Vergangenheit mit viel Wortgewalt einen Ruf als Antisemit und Frauenfeind erarbeitet. In widerwärtigster Erinnerung geblieben war eine Bang-Zeile über Holocaust-Opfer ("Mein Körper definierter als von Auschwitz-Insassen"), die 2018 unter anderem den Eklat um den Echo-Preis auslösten.

Auch OB Geisel wusste von dem Skandal. Genau deshalb hatte er den Rapper ja vorab zu einer Art Prüfgespräch gebeten - und dabei vernommen, wie Farid Bang reumütig von seinem Besuch im ehemaligen Vernichtungslager Auschwitz berichtet habe. Geisel lobte den 34-jährigen Muskelmann als "Role Model" für die Jugend, das sei eben "ein wilder Junge", aber einer mit "dem Herzen am rechten Fleck."

Geisel, schon des Öfteren ein Mann einsamer Entscheidungen, glaubte fest daran, dass Bang ihm bei einem Problem helfen könne: Ein in der Szene verehrter Rapper sei vielleicht in der Lage, die vielen jungen Leute zur Corona-gerechten Vernunft zu ermahnen, die an jedem Wochenende allzu launig, lautstark und hautnah ihre Straßenfeten in den Gassen der Altstadt feiern, zu zügeln. Bang, der Skandal-Rapper, war für Geisel ein probates Mittel zum Zweck der öffentlichen Ordnung.

"Nicht gründlich genug recherchiert"

Nur so ist wohl zu erklären, warum Geisel die Proteste gegen seine PR-Aktion in keiner Weise erahnt hatte. Die Sache noch schlimmer machte dann obendrein, dass ein Stadtsprecher auf erste Nachfragen wahrheitswidrig erklärte, der OB habe seinen Vorstoß mit der jüdischen Gemeinde abgesprochen. Falsch - der Sprecher entschuldigte sich dafür. Nach harschen Protesten vor allem von Frauen und aus der homosexuellen Community über Bangs frauenverachtende und homophoben Reime musste Geisel noch ein zweites Bedauern nachlegen: Diese Aspekte habe er zuvor "nicht gründlich genug recherchiert. Das tut mir leid."

Spätestens da hatte der OB wohl begriffen, dass das Video ihm mehr schaden als nutzen würde. Im September stehen in Nordrhein-Westfalen Kommunalwahlen an, der Oberbürgermeister und seine SPD müssen eh schon um die Wiederwahl bangen. Nur, selbst Reue zeigen und sich entschuldigen für das Video - das wollte Geisel eben auch nicht. Sein Versuch, die anderen Parteien per Video-Talk am runden Tisch einzubinden (und danach eine Löschung in Aussicht zu stellen) scheiterte: Nur die SPD und die Linke kamen, CDU, FDP und Grüne verweigerten das Gespräch und warnten, nunmehr mutiere die Causa zur "Affäre Geisel". Dennoch betonte Geisel, als er nun am Dienstagabend das Video löschen ließ, er folge damit dem Willen der Ratsfraktionen. Und nochmals: "Bei aller - berechtigten - Kritik an der Person von Farid Bang sehe ich keinen Anlass für eine Entschuldigung."

Farid Bang ist nun weg, nach mehr als 177 000 Klicks (Stand Dienstagnachmittag). Ob Thomas Geisel bleibt, wird sich in knapp sieben Wochen entscheiden. Wenn die Wahlzettel ausgezählt sind.

© SZ/mba/moge
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