Dürre und Hitze Was der Klimawandel mit Bier zu tun hat

Kein Grund zum Anstoßen: Der Klimawandel gefährdet die weltweite Gerstenernte. Einer Studie zufolge soll Bier dadurch knapp und teuer werden.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Eine aktuelle Studie bricht die Klimaerwärmung auf ein lebensnahes Thema herunter: den Bierpreis. Das Problem ist die Gerste - und das Reinheitsgebot.

Von Carolin Gißibl

Die Ergebnisse, die das renommierte Fachmagazin "Nature Plants" diese Woche veröffentlichte, sind für Bierdurstige durchaus unerfreulich: Bier könnte in Zukunft knapp und teuer werden. Schuld sind Dürre- und Hitzeperioden, die das Wachstum von Gerste beeinflussen. Wenn die Temperatur aufgrund der Erderwärmung stetig ansteigt, könnte sich der Preis für alkoholhaltiges wie alkholfreies Bier in Zukunft verdoppeln, in manchen Teilen der Welt sogar vervierfachen.

Schon klar, die Welt hat andere Sorgen als den Bierpreis, und "wenn die Temperaturen weiterhin ansteigen, dann ist der Bierpreis unser geringstes Problem". Das sagt Walter König, Geschäftsführer der Braugersten-Gemeinschaft, die seit 60 Jahren Daten und Forschungsergebnisse zur Gerste auswertet. "Deutschland ist auf die Gerste angewiesen und kann sie wegen des Reinheitsgebots durch keine Stärkequelle ersetzen", sagt König. Er kennt nicht nur die vergangenen Entwicklungen der ältesten Getreideart der Welt, sondern auch die schlechten Prognosen für künftige. König schätzt die Ergebnisse der Studie als plausibel ein, und er findet, es ist eine gute Idee der Forscher, das komplexe Großthema Klimawandel auf vergleichsweise banale, aber einfach greifbare Folgen wie den Bierpreis herunterzubrechen. "Sie hätten genauso gut Brot nehmen können", sagt König, "aber Bier bringt mehr Aufmerksamkeit."

Die ist dringend notwendig, denn der Klimawandel ist innerhalb der Brauindustrie bereits erkennbar. Hohe Temperaturen haben dazu geführt, dass beispielsweise Dänemark, das normalerweise Tonnen an Braugersten-Überschüssen produziert, in diesem Jahr als Exportland fast ausgefallen ist. Österreich, Tschechien und Slowenien waren darauf angewiesen, aus Bayern zu importieren.

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Dabei hatten Wetterextreme in den vergangenen zwei Jahren auch in Deutschland dazu geführt, dass die Gersten-Ernte unter dem Durchschnitt lag, wodurch die Preise für Braugerste in die Höhe schnellten: "Der Erzeugerpreis war im Jahr 2017 bei 170 Euro und in diesem Jahr bei 270 Euro pro Tonne. Das ist ein überproportional hoher Anstieg", sagt König.

Wenn Gerste als Ressource auf dem Markt knapp wird, bestimmt letztlich derjenige, der den höchsten Preis zahlt, wohin sie geliefert wird. Und da haben Brauer einen ziemlich starken Konkurrenten: die Futterindustrie. Durch das weltweite Bevölkerungswachstum steigt die Nachfrage an Fleisch. Auch der aufsteigende Wohlstand in Schwellenländern führt dazu, dass mehr Fleisch gegessen wird und daher mehr Getreide verfüttert werden muss. Für einen fränkischen Bierbrauer bedeutet das: Wenn China hohe Mengen an Futtergerste auf dem Weltmarkt kauft, wird automatisch auch der Braugerstenpreis hochgetrieben. Um sich dagegen zu schützen, so gut es geht, haben die meisten Brauereien mehrjährige Verträge mit ihren Lieferanten und sichern sich dadurch festgelegte Preise.

Langfristig sagt die Studie voraus, dass ein Deutscher etwa 18 bis 63 Halbliter-Flaschen im Jahr weniger trinken wird - abhängig davon, ob vom geringsten oder stärksten Temperaturanstieg ausgegangen wird. Derzeit leert ein Deutscher jährlich rund zweihundert 0,5er Bierflaschen, das sind zehn Kästen. Der Verzehr würde sich im Extremfall also um drei Bierkästen reduzieren.

Die Studie basiert auf aktuellen Prognosen zu Weltwirtschaft, Technik, Bevölkerungswachstum und Ernährungsgewohnheiten. Grundlagen waren Daten des Weltklimarats, welche die Wetterentwicklungen bis 2099 in verschiedenen Szenarien prognostizieren. König sieht immer noch Möglichkeiten, das Erntewachstum der Gerste zu stabilisieren, zum Beispiel durch Züchtungen von Pflanzen mit einer hohen Trockentoleranz. Dass die Klimaerwärmung gebremst wird, ist zwar eine Hoffnung, die auch Walter König hat, darauf verlassen aber kann er sich natürlich nicht.

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