bedeckt München 32°

Dschingis Khans gnadenloses Comeback:"Wir Mongolen haben sieben Leben"

Ihr letzter Hit ist 30 Jahre alt. Nun will der Restbestand der ausgelassenen Hohoho-Horde "Dschinghis Khan" erneut auf den Hitparaden-Himalaya. Einen ersten Test gab es in der Mongolei.

Der legendäre Obermongole Dschingis Khan starb vor 780 Jahren unter unbekannten Umständen. 21 Jahre lang hatte er bis nach Europa Angst und Schrecken verbreitet, sein Reich erstreckte sich am Ende vom Chinesischen Meer im Osten bis zum Kaspischen Meer im Westen und war doppelt so groß wie heute die USA.

Wohl jeder Deutsche über 35 dürfte - ob er nun will oder nicht - die Vorschlaghammer-Melodien (Dsching-dsching-dschinghis-Khan)

(Foto: Foto: www.dschinghiskhan.de)

1985 löste sich die Popband Dschinghis Khan aus mysteriösen Gründen auf. Innerhalb von sechs Jahren Tanz und Gesang hatte das Sextett fast den gesamten Globus erobert. Sowohl in Deutschland als auch in Israel, Japan, Australien und in der Sowjetunion stand die ausgelassene Hohohoho-Horde auf dem Hitparaden-Himalaya. Das haben bisher keine anderen deutschsprachigen Musiker geschafft.

Jetzt, mehr als zwei Jahrzehnte später, planen drei Bandmitglieder von damals, die nun zwischen 53 und 66 Jahre alt sind, die Wiedergeburt als Dschinghis Khan III.. Erste Testkonzerte in Ulan Bator (Mongolei), Sankt Petersburg und Moskau sind schon absolviert, derzeit wird in einem Studio in Unterföhring am neuen Album gebastelt, auf dem acht frische und sechs alte Lieder zu hören sein sollen.

Wohl jeder Deutsche über 35 dürfte - ob er nun will oder nicht - die Vorschlaghammer-Melodien (Dsching-dsching-dschinghis-Khan) und Faust-auf-den-Tisch-Texte ("Werft die Gläser an die Wand, Russland ist ein schönes Land") kennen. Und fast jeder erinnert sich auch an den Mann mit der Krone (Louis Hendrik Potgieter), an den Glatzkopf (Steve Bender) und den langmähnigen Schnurrbarttyp (Leslie Mandoki). Drei Charakterköpfe, die beim Comeback allerdings fehlen werden; Potgieter starb 1993 an Aids, Bender erlag 2006 einem Krebsleiden, Mandoki produziert inzwischen lieber Rockmusik und lässt keine Gelegenheit aus, um sich von seiner Pluderhosen-Vergangenheit zu distanzieren.

Absage von Siegel

Übrig sind heute die Sängerinnen Edina Pop, 66, und Henriette Strobel, 53, sowie Wolfgang Heichel, 56. Die haben sich zwar durchaus gut gehalten und sehen nach vier Stunden Make-up jünger aus, als sie sind. Aber ob das reicht, um das Publikum vom Stuhl zu reißen und in den Plattenladen zu treiben?

"Die Begeisterung ist nach wie vor extrem", tönt Heinz Groß, der Manager. "In Moskau spielen die Radiosender noch heute drei Dschinghis-Khan-Songs am Stück." Für seinen internationalen Feldzug stellt der gebürtige Österreicher und Wahl-Augsburger den ergrauten Ex-Stars jugendliche Mitstreiter zur Seite.

Diese schwäbisch-oberbayerische Tanzcrew soll mit Säbeln, Schwertern und Streitäxten Action auf die Bühne und auf die Fernsehschirme bringen. Spötter könnten meinen, die Kids sollen ablenken von den Hauptpersonen, die das Kasatschok-Alter weit hinter sich haben. Heinz Groß sagt: "Wir bieten Musiktheater vom Feinsten."

"Das wird noch kommerzieller als damals"

Beim Reunion-Konzert in Moskau trabten Dromedare und Pferde über die Bühne, das Ur-Trio wurde in Sänften ans Mikrophon getragen. Mit derartigem Spektakel will der geschäftstüchtige Impresario die Musikantenstadl der Welt entern. Groß, der schon mit Modern Talking und Julio Iglesias zusammengearbeitet hat, erklärt die gnadenlosen Ziele von Dschingis Khan III. mit brutalstmöglicher Ehrlichkeit: "Das wird noch kommerzieller als damals."

Damals, das war 1979, als Ralph Siegel in München die Band aus dem Boden stampfte, auf dass diese beim Grand Prix d'Eurovision in Jerusalem mit bunten Glitzerkostümen auf Platz vier und direkt in die Köpfe der Menschen marschierte. "Eine schöne Zeit", erinnert sich der Komponist, 20 Millionen Platten hat er verkauft. Doch beim neuen Album wird Siegel nicht mitmischen. "Ich freue mich zwar, wenn meine Lieder weiterleben", beteuert er. Dennoch habe er "mit einem weinenden Auge" abgesagt, weil die Künstler "zu viel Garantiehonorar" gefordert hätten.

"Ich hatte den Eindruck, er hat an unsere CD nicht geglaubt", sagt dagegen Wolfgang Heichel, der letzte Dschinghis Khaner von einst, "wir waren ihm wohl zu alt." Manager Groß fand für den "Cirque de Dschinghis Khan", wie das neue Album heißen soll, einen anderen massenkompatiblen Dompteur: Alfons Weindorf, der zuletzt den argentinischen Schlagerbarden Semino Rossi aus österreichischen Hotelgalas in die deutschen Top Ten gepeitscht hat. "Musikalisch sind wir unabhängig und grenzübergreifend", verkündet der Manager, "wir machen Ethno-Pop mit Zunder auf den Base-Drums".

Es gibt kein Entkommen

Wer sich darunter nichts vorstellen kann, dem hilft vielleicht der Name der Plattenfirma: Koch-Universal ist die Heimat der Kastelruther Spatzen und von Hansi Hinterseer. Die Texte hat wie eh und je Bernd Meinunger geschrieben. "Wir Mongolen haben sieben Leben, die leb' ich so heftig, wie ich kann", dichtet der Agrar-Ökonom im neuen Song "Der Teufel kann warten". "Und wenn's dann vorbei ist, häng ich eben eine Runde Leben hinten dran."

Sie haben natürlich ganz wie ihr Namenspatron noch große und grenzüberschreitende Pläne: Die Tanzcrew trägt den Namen "The Legacy of Genghis Khan", um damit den englischsprachigen Markt erobern zu können. Mit dem Chor der russischen Armee will Groß den Hit "Moskau" noch auf Russisch aufnehmen. Und mit der japanischen Fußball-Nationalelf, deren inoffizieller Schlachtruf auf der Dschinghis-Khan-Melodie basiert, will er ebenfalls schleunigst vors Mikrophon treten.

Ein ehrgeiziges Programm für eine Gruppe, deren letzter Hit fast dreißig Jahre alt ist. Als noch diffiziler könnte sich das Vorhaben herausstellen, Zeilen wie diese mit Würde abzusingen: "Ho-ey Ho-ey, der Horizont ist rot", hat Meinunger in "Brennende Taiga" gereimt. "Ho-ey Ho-ey, wer jetzt nicht entkommt, ist tot."