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Drohbrief an Carsten Maschmeyer:"Hier kommt Dein Albtraum"

Carsten Maschmeyer, ebenso umstrittener wie prominenter Unternehmer, hat eine Morddrohung erhalten. Der Fall führt in einen Wirtschaftskrimi, in dessen Verlauf deutsche Steuerzahler mit dubiosen Aktiendeals um viele Milliarden Euro geschädigt worden sein sollen.

Die Botschaft war eindeutig: Schweig oder stirb! Carsten Maschmeyer, einer der reichsten und prominentesten Unternehmer im Lande, Lebensgefährte der Schauspielerin Veronica Ferres, sollte weder die Polizei einschalten noch die Presse informieren über den Erpresserbrief, den er Ende April erhalten hatte. Und er sollte aufhören, gegen eine Schweizer Bank vorzugehen wegen umstrittener Millionengeschäfte. Wenn Maschmeyer, der mit seinem Finanzvertrieb AWD reich wurde, in dieser Sache wie angekündigt vor Gericht gehe, dann "machen wir Dich mundtot", stand in dem Drohbrief. "Wir haben beste Kontakte in alle Bereiche."

Der erste Gedanke des Investors aus Hannover war: Auswandern! Der zweite: Jetzt erst recht! So ist es aus Maschmeyers Umfeld zu hören. Er selbst äußert sich nicht. So soll es ihm die Polizei geraten haben, die der bekannte Unternehmer sogleich informierte. Die Staatsanwaltschaft Hannover hat Ermittlungen aufgenommen. Die Erpresser, die offenbar gut informiert sind über Maschmeyers Aktivitäten, legten nach: "Wir haben Dich gewarnt." Maschmeyer solle die Drohung ernst nehmen oder er werde es bereuen. Doch der Investor will sich nicht einschüchtern lassen.

Personenschutz rund um die Uhr

Der Fall führt mitten hinein in einen Wirtschaftskrimi, in dessen Verlauf Deutschlands Steuerzahler mit dubiosen Aktiendeals um viele Milliarden Euro geschädigt worden sein sollen. Es geht um Börsengeschäfte von Banken und Fonds, deren Profit offenbar darin bestand, sich eine einmalig gezahlte Kapitalertragsteuer mehrmals erstatten zu lassen. Staatsanwaltschaften und Steuerbehörden ermitteln.

In einem solchen Fonds hatte auch Maschmeyer zusammen mit prominenten Freunden Geld angelegt. Nach seinen Angaben, ohne zu wissen, um welche Geschäfte es wirklich ging. Statt Profiten gab es Verluste, weil der Fiskus nicht mehr mitspielt. Der Investor und Gründer des umstrittenen Finanzvertriebs AWD will die Schweizer Bank, die ihm diese Kapitalanlage empfahl, auf Schadensersatz verklagen. Und wegen Betrugs anzeigen. Das solle er sein lassen, verlangen die Erpresser.

Maschmeyer hält dagegen. Personenschutz hat er wegen seiner Prominenz schon lange gehabt, bisher aber eher dezent. Jetzt werden er und seine Familie rund um die Uhr auf Schritt und Tritt bewacht. So lange, bis der Spuk aufhört. Das kann noch lange dauern. Im ersten Drohbrief hieß es: "Hier kommt Dein Albtraum."

© Süddeutsche.de/sana/jst
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