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Drogenskandal unter Sumo-Ringern:Schwere Krise

Marihuana, Totschlag und Korruption - Japans Sumo-Ringer taumeln von Skandal zu Skandal.

Als Sumokämpfer war Toshimitsu Kitanoumi fast unschlagbar. Auf dem Weg zu 24 Meistertiteln gewann er fast tausend Kämpfe. 2002 wurde der heute 55-Jährige zum obersten Sumo-Funktionär ernannt.

Sumo-Ringer; AP

Sumo-Ringer stehen unter dem Verdacht, nicht nur gutem Essen, sondern auch Drogen zugetan zu sein.

(Foto: Foto: AP)

In dieser Rolle ist er von Skandal zu Skandal gestolpert, zuletzt über den Geldbeutel Wakanohos, eines Junior-Profis. Am Montag musste sich der stiernackige Kämpfer geschlagen geben. Er trat von seinem Amt zurück.

Wakanoho ist einer jener ausländischen Nachwuchsringer, die Japans Mangel an willigen jungen Kämpfern kompensieren sollen. Er stammt aus Nordossetien, dem russischen Teil der Bergregion im Kaukasus, um deren südliche Hälfte Georgien und Russland kürzlich Krieg führten. Wakanoho kam 2005 als 17-Jähriger nach Japan, weil er zu schwer geworden war fürs olympische Ringen. Im Juli erst 20 geworden, wiegt er bereits 156 Kilo.

Im Juni hatte der Junge auf einer Straße in Tokio seinen Geldbeutel verloren, eine Passantin fand ihn und brachte ihn zur Polizei. Diese entdeckte im Portemonnaie neben Wakanohos Ausweis auch eine russische Zigarette. Und in der Zigarette etwas Haschisch, genau genommen 0,368 Gramm. Ob die Polizei alle gefundenen Zigaretten auf Cannabis-Spuren untersucht oder nur russische, oder ob ein Polizist den Geruch erkannte, ist nicht erklärt worden.

Eine Haussuchung im Sumo-Stall Wakanohos und in seinem Zimmer förderte mehr Marihuana zutage, zudem ein Hasch-Pfeifchen. Wakanoho gab zu, den Stoff von einem Russen und einem Schwarzen gekauft zu haben. Er wurde vom Sumo-Stall entlassen und sitzt in Untersuchungshaft. Auf Marihuana-Besitz stehen bis zu fünf Jahre Gefängnis. Weil er im Juni noch nicht 20 war, dürfte er etwas milder bestraft werden.

Hemmungsloser Anabolika-Pfusch

In der Folge unterzog der Sumo-Verband alle 69 Profis einer Dopingprobe. Zwei weitere testeten positiv auf Cannabis: Roho und Hakurozen, zwei russische Brüder, die ebenfalls aus Nordossetien stammen. Hakurozen gehört ausgerechnet dem Stall von Kitanoumi an, dem jetzt zurückgetretenen Sumo-Präsidenten. Die Proben aller anderen Sumo-Kämpfer sollen sauber sein.

Die beiden Brüder beteuern ihre Unschuld, sie hätten nie Haschisch geraucht. Ihr Anwalt bezweifelt die Zuverlässigkeit der Probe. Sicherlich haben die beiden nicht versucht, ihre Leistung zu verbessern. Dopingproben gibt es im Sumo-Zirkus bisher nicht. Gleichwohl wurden die beiden Russen am Montag lebenslänglich gesperrt. Ob sie strafrechtlich belangt werden, ist noch nicht bekannt: Der bloße Konsum von Cannabis ist nicht strafbar.

Einigen Herren im Sumo-Verband dürfte der Lärm um die beiden willkommen sein. Zwei kiffende Russen, dazu ein russischer und ein schwarzer Dealer, lenken von schlimmeren Problemen des traditionellen japanischen Kampfspektakels ab. Erst voriges Jahr schlug ein Stallmeister einen Nachwuchsringer tot - aus Versehen, er hatte ihn nur züchtigen und stählen wollen.

Außerdem werden immer wieder Korruptionsvorwürfe laut: Die Resultate mancher Kämpfe würden vorab fixiert. Sumo-Präsident Kitanoumi und seine Funktionäre regten sich vorigen Sommer vor allem über Asashoryu auf, den eigenwilligen Seriensieger der letzten Jahre, der sich um einige Schaukämpfe gedrückt haben soll. Mit seinem Rücktritt übernehme er "die Verantwortung" für das Kiffen der Ringer, sagte Kitanoumi am Montag. Vielleicht verlässt er bloß ein sinkendes Schiff.

Manche Sumo-Offizielle fordern, die Harnproben der Profis statt auf Dope auf Anabolika zu testen: Irgendwie müssen sie ihre massiven Muskelberge ja aufbauen. Kitanoumi selbst war in seiner Aktivzeit 169 Kilo schwer - in den späten Siebzigern, als Gewichtheber, Kugelstoßer und Hammerwerfer hemmungslos mit Anabolika pfuschten.