Drogenmissbrauch Bewährungsstrafe für Psychotherapeuten aus Handeloh

Der Angeklagte vor Gericht.

(Foto: dpa)
  • Das Landgericht Stade hat einen Psychotherapeuten aus dem niedersächsischen Handeloh zu einer Haftstrafe von einem Jahr und drei Monaten zur Bewährung verurteilt.
  • Er hatte Seminarteilnehmer unter Drogen gesetzt und sie so ins Lebensgefahr gebracht.
  • Die Staatsanwaltschaft sprach von einem bisher wohl einmaligen Fall in Deutschland.

Der wegen des Massenrausches im niedersächsischen Handeloh angeklagte Psychotherapeut erhält eine Bewährungsstrafe. Das Landgericht Stade verurteilte den 53-Jährigen zu einer Haftstrafe von einem Jahr und drei Monaten zur Bewährung. Er sei des Besitzes und der Abgabe von Drogen in nicht geringer Menge schuldig, sagte der Vorsitzende Richter Berend Appelkamp.

Ein Berufsverbot, wie von der Anklage gefordert, verhängte die Kammer nicht. Der Angeklagte habe auch so schon erhebliche berufliche und wirtschaftliche Konsequenzen zu fürchten. Die Psychotherapeutenkammer beschäftigt sich nach Angaben der Verteidigung bereits mit dem Fall. Der Mann könnte seine Approbation verlieren.

Der Psychotherapeut hatte im September 2015 ein Seminar zur Bewusstseinserweiterung veranstaltet und dabei Drogen eingesetzt. Die Teilnehmer kamen mit Krämpfen, Atemnot und Wahnvorstellungen ins Krankenhaus. Manche waren in Lebensgefahr. "Wir haben es hier mit einem Fall zu tun, der in diesen Dimensionen in Deutschland wahrscheinlich noch nie vorgekommen ist", sagte Staatsanwalt Christian Laustetter in seinem Plädoyer.

"Die sieben Quellen - eine Reise durch unser Energiesystem" lautete der Titel des Seminars, das der Mann im September 2015 im beschaulichen Örtchen Handeloh südlich von Hamburg anbot. Kosten pro Teilnehmer: 290 Euro. Zu dem Seminar brachte er Kapseln mit dem Halluzinogen 2C-E mit, die alle 27 Teilnehmer freiwillig schluckten. Doch was der Organisator nicht wusste: Die Kapseln enthielten eine weitere psychoaktive Substanz. Kurze Zeit später wanden sich die Teilnehmer mit Krämpfen, Atemnot und Wahnvorstellungen auf dem Boden. 160 Rettungskräfte waren im Einsatz.

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