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Drogenmetropole Augsburg:Sonderkommission Ali Baba ermittelt

Doch die Ermittler haben keinerlei Anlass, sich zufrieden zurückzulehnen. Denn nach und nach kommen die ersten Täter wieder auf freien Fuß und "dealen gleich wieder fröhlich weiter", wie es ein Staatsanwalt formuliert. Eigentlich sieht der Gesetzgeber vor, dass Straftäter, die eine Freiheitsstrafe von drei Jahren oder länger abgebüßt haben, automatisch in ihr Heimatland ausgewiesen werden. Doch das gilt nicht für den Irak, da wegen der dortigen Sicherheitslage ein Abschiebestopp erlassen wurde.

Lawine von Ex-Häftlingen

Sehr zum Bedauern von Klaus Bayerl. Er berichtet von neun Irakern, die nur wenige Wochen nach ihrer Freilassung erneut ertappt wurden. "Das ist schon sehr bedauerlich und macht unsere Arbeit nicht leichter", sagt Bayerl. Sollte sich die Gesetzeslage nicht ändern, rollt auf die Polizei in den nächsten Jahren eine Lawine von Ex-Häftlingen zu, die trotz rechtskräftiger Abschiebebescheide im Land bleiben und wieder ihr Unwesen treiben.

Den Behörden sind die Hände gebunden: "Wir können diese Personen nicht zwangsweise ausweisen", sagt Klaus Sulzberger vom Augsburger Ausländeramt. "Wir können nur die Sozialleistungen auf ein Minimum reduzieren, die Arbeitserlaubnis entziehen und die Leute auffordern, das Land freiwillig zu verlassen."

Das Problem ist dem Bayerischen Innenministerium bekannt, doch eine Änderung der Rechtslage scheint nicht in Sicht. "Wir fordern schon seit längerem, dass gefährliche Leute, die ihrer Verpflichtung zur Ausreise nicht nachkommen, in Gewahrsam genommen werden können", sagt Ministeriumssprecher Rainer Riedl. "Aber das ist politisch derzeit nicht durchsetzbar."

Kurden gaben sich aus Iraker aus

Die Staatsanwaltschaft Augsburg berichtet indes von türkischen Kurden, die sich als Iraker ausgeben, um nicht abgeschoben zu werden. Für die Behörden ist das fast schon Routine: "Vor ein paar Jahren waren viele Afrikaner bemüht, Sudanesen oder Nigerianer zu sein", berichtet Staatsanwalt Michael Eberle.

Auf besonders dreiste Fälle stieß die Kriminalpolizei mittels ihrer Telefonüberwachung. Dabei kam zutage, dass etliche Iraker, deren Asylgesuch noch bearbeitet wurde oder schon abgelehnt war, mit dem Auto in den Nordirak fuhren und dort Urlaub machten. Danach kehrten sie wieder nach Deutschland zurück und forderten Asyl oder Duldung - wegen Verfolgung in ihrer Heimat.

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